Bangkok. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble hat die Zentralbanken vor der Inflationsgefahr gewarnt, die von der aktuellen Liquiditätsschwemme in der Welt ausgehe. "Für alle Zentralbanken ist es entscheidend, rechtzeitig Abschied von ihren außergewöhnlichen Maßnahmen zu nehmen, um zu verhindern, dass die großzügige Liquiditätsversorgung zu einem Inflationsdruck wird", sagte Schäuble der thailändischen Zeitung "The Nation" vom Montag. Man dürfe nicht vergessen, dass ein Grund für die tiefe Finanzkrise 2007/2008 die übermäßige Liquidität an den Märkten war.
Der Europäischen Zentralbank (EZB) stellte Schäuble, wohl auch mit Blick auf deren Bereitschaft zu Käufen von Staatsanleihen von Euro-Krisenstaaten, ein Vertrauenszeugnis aus. "Sie (die EZB) hat immer im Rahmen ihres Mandats gehandelt", sagte er. "Und ich habe keinen Anlass anzunehmen, dass sie jemals anders handeln würde", ergänzte er.
Auf die Frage, ob nicht das Anwerfen der Gelddruckmaschine der Zentralbanken weltweit Inflationsgefahren hervorruft, sagte der Minister: "Eines der Grundprinzipien der (Europäischen) Währungsunion ist die Unabhängigkeit der Zentralbank, die auch die Regierungen respektieren müssen". Er wolle daher nur sagen, dass die EZB das klare Mandat habe, und dieses Mandat ziele insbesondere und vor allem darauf ab, Preisstabilität in der Eurozone zu sichern.
In dem Interview aus Anlass einer Finanzministerkonferenz Asien-Europa (ASEM) in Thailand unterstrich Schäuble in Hinblick auf die hohen Kosten der Krisenbekämpfung in der Eurozone, gerade auch für Deutschland. Die Existenz des dauerhaften Schutzschirmes ESM sei ein starkes Symbol der Solidarität der Euro-Länder untereinander. "Generell gilt: alles, was Europa stärker macht, ist auch in Deutschlands Interesse", sagte er. Schäuble nimmt an dem ASEM-Treffen in Bangkok teil und will dort dafür werben, dass die Euro-Länder dabei sind, ihre Krise zu überwinden und damit letztlich auch den Euro für die Zukunft als starke Währung zu erhalten.