Belgrad/Prishtina. (apa/leg) Ist es nur eine Drohgebärde, um Druck auf Brüssel aufzubauen, oder meint es Serbiens Präsident Tomislav Nikolic wirklich ernst? Der seit Juni amtierende nationalistische Politiker hat am Dienstag von einem möglichen Verzicht Belgrads auf einen EU-Beitritt gesprochen - für den Fall, dass Serbien auf seine "südliche Provinz", den Kosovo, verzichten müsse. "Sollte uns offiziell die Bedingung gestellt werden, Europa oder Kosovo, so werden wir auf den europäischen Weg verzichten", sagte Nikolic der Tageszeitung "Vecernje novosti".
Nach Ansicht des serbischen Präsidenten ist Belgrad beitrittsreif. Die EU "hält uns nur wegen des Kosovo auf Distanz", so Nikolic. Serbien werde seinen Standpunkt aber nicht ändern. Wenn Brüssel Serbien neue Bedingungen stellen würde, die für andere Staaten nicht gegolten hätten, könnte sich Serbien auch von der EU abwenden. Laut einer Ende September durchgeführten Umfrage ist die Unterstützung für eines EU-Beitritts Serbiens in den vergangenen Monaten gesunken und beläuft sich derzeit nur noch auf 42 Prozent. Serbien hatte Anfang März den Status eines EU-Beitrittskandidaten erhalten, der Beginn der Beitrittsgespräche wird aber von einer Regelung der Kosovo-Frage abhängig gemacht.
Die kosovarische Regierung setzte unterdessen eine Geste guten Willens: Sie legte dem Parlament in Prishtina eine Erklärung zur Normalisierung der Beziehungen zu Serbien vor. Das Parlament soll sich dazu noch diese Woche äußern. Die Oppositionspartei Vetevendosje, die drittstärkste politische Kraft im Kosovo, hat den Entwurf aber bereits abgelehnt.
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