• vom 16.10.2012, 18:36 Uhr

Europastaaten

Update: 17.10.2012, 08:08 Uhr
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Griechischer Europaparlamentarier Dimitrios Droutsas im Interview

"Griechen sehen sich als Versuchskaninchen im Labor der EU"


Von Thomas Seifert und Veronika Eschbacher

  • Athen benötigt nicht nur finanziellen Neustart.

"Wiener Zeitung": Woran liegt Ihrer Meinung nach der auf europäischer Ebene stattfindende Sinneswandel gegenüber Griechenland?

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Dimitrios Droutsas: Der Grund für den Sinneswandel in den EU-Staaten - da muss man, so glaube ich, realistisch sein - liegt daran, dass sich schlussendlich jene Meinung durchgesetzt hat, die überzeugt ist, dass ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone horrende Konsequenzen für den ganzen Euro-Raum nach sich zieht. Diese Einsicht hat dazu geführt, dass die EU-Hauptstädte, insbesondere Berlin, nicht länger in voller Kakophonie über einen Austritt öffentlich spekulieren, sondern Griechenland ausdrücklich unterstützen. Leider haben wir mittlerweile sehr viel Zeit verloren. Wenn die EU-Partner diese entschlossene Haltung von Anfang an gezeigt hätten, wäre Griechenland, aber auch der EU, Vieles erspart geblieben.

Dimitrios Droutsas ist griechischer Europaparlamentarier und war von 2010 bis 2011 Außenminister Griechenlands. In Wien sprach er auf Einladung des Renner Instituts zum Thema "Krise ohne Ende? Griechenland sucht den Ausweg".

Dimitrios Droutsas ist griechischer Europaparlamentarier und war von 2010 bis 2011 Außenminister Griechenlands. In Wien sprach er auf Einladung des Renner Instituts zum Thema "Krise ohne Ende? Griechenland sucht den Ausweg".Thomas Seifert Dimitrios Droutsas ist griechischer Europaparlamentarier und war von 2010 bis 2011 Außenminister Griechenlands. In Wien sprach er auf Einladung des Renner Instituts zum Thema "Krise ohne Ende? Griechenland sucht den Ausweg".Thomas Seifert

Womöglich sind die Kosten für einen Euro-Austritt in den europäischen Banken noch einmal nachgerechnet worden?

Es scheint, als hätte die gründliche Analyse zu dem Ergebnis geführt, dass die Konsequenzen eines Euro-Austrittes für alle und insbesondere für Deutschland besonders schwerwiegend wären.

Die deutschen Steuerzahler waren bereit - ob jetzt willig oder nicht -, Milliarden auf den Tisch zu legen. Von Dankbarkeit war aber wenig zu spüren.

Missverstehen Sie mich nicht, ich werde Beschimpfungen von EU-Partnern, in diesem Falle Deutschlands, nicht rechtfertigen. Insbesondere die Bilder anlässlich des Athenbesuchs der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel sind völlig inakzeptabel. Tatsache ist aber auch, dass ein Großteil der griechischen Bevölkerung seit gut zweieinhalb Jahren aufgrund der wirklich sehr strengen Sparmaßnahmen leidet. Da ist es wohl verständlich, wenn die Bürger wütend sind über die Missstände im eigenen Lande und die Gründe, die zur Krise und den Missstand geführt haben.

Warum entlädt sich die Wut nicht über den griechischen Geldeliten?

Ich würde mir wünschen, dass die Bürger sich noch mehr gegen diese Umstände wenden. Und ich wiederhole, auch wenn ich es ungern laut ausspreche: Das politische System in Griechenland, das die vergangenen dreieinhalb Jahrzehnten das Land geprägt hat, ist charakterisiert von einer engen Verflechtung zwischen Politik, Wirtschaft und Medien. Dieses System wehrt sich nach wie vor mit Händen und Füßen gegen die notwendigen Reformen, auch was die Bekämpfung der Steuerhinterziehung betrifft. Deshalb ist es für den einzelnen Bürger nicht so einfach, dagegen aufzustehen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-16 18:41:09
Letzte Änderung am 2012-10-17 08:08:46


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