Istanbul. Die in den vergangenen Jahren von wirtschaftspolitischen Erfolgen verwöhnte Regierung der Türkei hat einräumen müssen, dass ihr Budget für das laufende Jahr in die roten Zahlen gerutscht ist. Finanzminister Mehmet Simsek bezifferte das Defizit in den ersten neun Monaten auf 14,4 Milliarden Lira (6,1 Milliarden Euro), wie die türkische Presse am Mittwoch meldete. Bis zum Jahresende rechnet Simsek mit einer Unterdeckung von umgerechnet 14,2 Milliarden Euro.
Im Vergleich zu vielen europäischen Ländern steht die nicht zur EU gehörende Türkei damit aber immer noch relativ gut da: Das Budgetdefizit 2012 wird mit erwarteten 2,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) immer noch das Drei-Prozent-Stabilitätskriterium von Maastricht erfüllen. Für das kommende Jahr rechnet Simsek mit einem Budgetdefizit von 2,2 Prozent.
Nach einer starken Wachstumsrate von 8,5 Prozent im vergangenen Jahr hat sich die Konjunktur am Bosporus besonders wegen der Krise in den europäischen Abnehmerländern für türkische Exportgüter in diesem Jahr merklich abgekühlt. Für das laufende Jahr rechnet Ankara nur noch mit einem Wachstum von 3,2 Prozent, das sich bis zum Jahr 2015 wieder auf fünf Prozent erholen soll.