• vom 23.10.2012, 18:11 Uhr

Europastaaten

Update: 24.10.2012, 07:46 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Außenminister und Vizepremier Lajcak über Euro-Krise, Balkan und Atomstrom

"Slowakei muss auf Atom bauen"


Von Michael Schmölzer

  • Österreichs Nachbar denkt nicht an Umstellung auf alternative Energie.

Mochovce - ein Streitfall zwischen Wien und Bratislava.

Mochovce - ein Streitfall zwischen Wien und Bratislava.© APA/S.E. Mochovce - ein Streitfall zwischen Wien und Bratislava.© APA/S.E.

"Wiener Zeitung":Die Slowakei hat erst vor kurzem den Euro eingeführt. War das ein Fehler?

Werbung

Miroslav Lajcak: Wir glauben noch immer, dass das eine gute Entscheidung war. Natürlich gibt es jetzt Probleme. Aber gleich geblieben ist, dass die Slowakei eine sehr offene Ökonomie ist, 85 Prozent des BIP werden durch Exporte erwirtschaftet. Als Teil der Eurozone haben wir Vorteile im Wettbewerb.

Trotzdem: Hat die Eurozone auf lange Sicht Überlebenschancen?

Sie wird überleben, aber die Regeln müssen sich ändern. Die Regeln wurden in der Vergangenheit zu oft gebrochen, ohne dass es Konsequenzen hatte. Wir gehen in Richtung Verstärkung der Integration. Bankenunion, Fiskalunion, stärkere politische Integration. Wenn wir das Gefühl haben, dass die Regeln gebrochen werden, dann muss das betreffende Land die Eurozone verlassen.

"Fukushima war eine Lektion" - Miroslav Lajcak.

"Fukushima war eine Lektion" - Miroslav Lajcak.© EPA "Fukushima war eine Lektion" - Miroslav Lajcak.© EPA

Glauben Sie, dass die deutsche Kanzlerin Merkel zu weich mit Griechenland verfährt? Man hat den Eindruck, sie würde die Griechen nie fallen lassen, egal was die Regierung in Athen tut.

Die Schlussfolgerungen des letzten EU-Gipfels besagen, dass Griechenland nicht unbedingt
in der Eurozone bleiben muss.
Es wird festgestellt, dass die Kriterien erfüllt werden müssen,
das ist Voraussetzung für den Verbleib.

Sie glauben an eine Vertiefung der EU-Integration. Es gibt aber auch gegenteilige Tendenzen, wenn wir uns die Briten ansehen oder die katalanischen und baskischen Nationalisten oder die Schotten, die auch unabhängig werden wollen, auch die Slowaken haben sich abgespalten. Wird die EU in 30 Jahren ein Fleckerlteppich sein?

Wir brauchen kein Europa, das immer nur nach innen schaut, auf sich selber, auf die eigenen Probleme. Die Welt wird nicht auf uns warten. Da geht es um Wettbewerb, Jobs, Einkommen. Natürlich ändern sich die Landkarten und Zeiten der Krise sind immer eine gute Zeit für Nationalisten.

Wie kann die EU mit diesen neuen Nationalismen umgehen? Ist ein unabhängiges Schottland oder Katalonien automatisch in der EU?

Das sind alles demokratische Länder, die das auf demokratischem Weg lösen werden. Europa ist aber primär ein Gebilde aus Nationalstaaten, auch wenn die Regionen wichtiger werden.



Frage an den Balkan-Experten Lajcak: Serbien will in die EU, aber der serbische Präsident Nikolic hat zuletzt erklärt, lieber auf die EU zu verzichten als eine Regenbogen-Parade in seinem Land zuzulassen. Ist Serbien ansatzweise EU-reif?

Wir sollten diese Kommentare nicht überbewerten. Der Präsident ist noch nicht lange in seinem Amt, oft sieht man, dass diese Politiker mehr Kontakt mit den europäischen Partnern bräuchten. Viele dieser Statements gehen hauptsächlich in Richtung der eigenen Bevölkerung.



Wir Österreicher haben ein Problem mit der Atompolitik, die die Slowakei betreibt. Deutschland und Japan wenden sich vom Atomstrom ab, gibt es bei Ihnen eine Chance auf ein Umdenken?

Wir haben keine Alternative, wir können anders nicht überleben. Wir haben keine Wasserkraft oder andere Energieformen zur Substitution. Unser Energie-Mix muss einen nuklearen Anteil haben.

Auch auf lange Sicht? Das kann man ja ändern.

Auch auf lange Sicht. Es gilt in der EU, dass jedes Land das Recht hat, seinen Energiemix zu wählen. Wir sind aber offen und transparent, die Anlagen entsprechen den höchsten Sicherheitsstandards.



Aber ist das nicht die Lehre aus der Katastrophe von Fukushima, dass es Sicherheit nicht gibt?

Das Unglück in Fukushima ist eine Lektion gewesen, jetzt kann man sich auf Eventualitäten vorbereiten, an die man nicht gedacht hätte.




Schlagwörter

Slowakei, Atomkraft, Lajcak

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-23 18:18:08
Letzte Änderung am 2012-10-24 07:46:10


Beliebte Inhalte



Auch in Ankara ging die Polizei mit Tränengas nicht sparsam um - nun kommt es zu Engpässen. - APAweb / REUTERS / Dado Ruvic
  • Lage in Istanbul ruhig - OSZE kritisch - FPÖ und BZÖ fordern Abbruch von Beitrittsgesprächen.
  • weiter

  • EU-Beitritt am 1. Juli trifft Kroatien in der Rezession - Geldgeber gesucht.
  • weiter

Nur im Qemal Stafa Stadium sind sich die Albaner einig, wie hier am 7. Juni beim Spiel gegen Norwegen. - APAWeb / Reuters - Celi
  • Wahlkampf mit Straßeneröffnungen und historischen Slogans
  • weiter

Der staatliche Sender ERT ist "nicht verkäuflich", besagt ein Transparent auf dem Rundfunkgebäude in Athen - die Regierung sieht das möglicherweise anders. - APAweb / AP / Petros Giannakouris
  • Private Medienunternehmer könnten von Schließung profitieren.
  • weiter

Erdogan lässt die Spuren der Proteste säubern. Parolen gegen den türkischen Ministerpräsidenten werden entfernt. - APAweb/Burhan Ozbilici
  • Regierungschef verurteilt "Verräter" und ihre "ausländischen Komplizen"
  • weiter

Mit Wasserwerfern geht die Polizei in Ankara gegen Demonstranten vor. - APAweb / Reuters / Dado Ruvic
  • Wasserwerfer gegen Demonstranten in Ankara in Stellung gebracht.
  • weiter

Die Demonstranten setzen ihre Proteste gegen die türkische Regierung in Ankara und Istanbul fort. Die Polizei geht aber wieder gewaltsam vor. - APAweb / AP, Burhan Ozbilici
  • Lage in der Türkei spitzt sich zu
  • weiter

Gustl Mollath erhält ein neues Verfahren und die Chance auf einen fairen Prozess. - reuters
  • Causa bringt Bayerns Justiz und CSU-Ministerin Beate Merk in Bedrängnis.
  • weiter

  • Fekter kritisiert südliche Euro-Länder massiv und löst bei SPÖ Ärger aus.
  • weiter

Erdogan lässt die Spuren der Proteste säubern. Parolen gegen den türkischen Ministerpräsidenten werden entfernt. - APAweb/Burhan Ozbilici
  • Regierungschef verurteilt "Verräter" und ihre "ausländischen Komplizen"
  • weiter




Werbung




Schwere Unwetterschäden nach einem Murenabgang im Ortskern von Hallstatt aufgenommen am Mittwoch, 19. Juni 2013. Nach einem heftigen Unwetter ist der Mühlbach über die Ufer getreten wobei eine Mure den Ortskern von Hallstatt im oberösterreichischen Salzkammergut beschädigt hat.

Ein Fahrrad an einer Kreuzung mitten im 9. Bezirk war der etwas ungewöhnliche Rastplatz für ein Bienenvolk. Guten Tag, Lubango! Der Giraffen-Junge kam am Samstag, 15. Juni, zur Welt.

19.6.2013: Ein Turopolje-Schwein schwimmt in einem Teich im Tierpark in Schleswig-Holstein. Die robusten Schweine stammen ursprünglich aus den Flussniederungen der Save in Kroatien. Die Turopolje sind ausgezeichnete Schwimmer, die sich bei Überschwemmungen die Nahrung auch unter Wasser suchen und sogar nach Muscheln tauchen. Kunstraub der anderen Art: Von einer Hauswand  in London ausgemeißelt wurde im Februar das Banksy-Graffitikwerk "Slave Labour". Kurz darauf tauchte es bei einem Auktions-Haus in Miami in Florida wieder auf. Am 2. Juni wiederum wurde es trotz Proteste um 1,1 Millionen Dollar in London versteigert. Das Kulturbild der Woche geht nun für zwei Wochen auf Urlaub und ist am 24.Juni wieder zurück.

Werbung