(rm) "Mir ist ein Wunder gelungen", sagte Rosario Crocetta, als am späten Montagabend nach Vorliegen des Resultates aus dem letzten der 5308 sizilianischen Wahlsprengel offiziell wurde, was sich seit dem Morgen von Stunde zu Stunde deutlicher abzeichnete. Der am 8. Februar 1951 als jüngster von vier Söhnen eines Arbeiters und einer Schneiderin in Gela geborene Crocetta hatte es geschafft, als Kandidat des Mitte-Links-Lagers den favorisierten Kandidaten der Rechten, Nello Musumeci, deutlich zu überholen.
Crocetta, offen bekennender Homosexueller und praktizierender Katholik, dessen politischer Werdegang bei der KPI begann und über zwei kommunistische Splitterparteien und die Grünen im Jahr 2008 zur Demokratischen Partei (PD) führte, die ihn jetzt gemeinsam mit der christdemokratischen Zentrumsunion und Bürgerlisten zum Kandidaten für das Amt des sizilianischen Regionalpräsidenten machte, hat eine für einen sizilianischen Politiker untypische Geschichte. Nach einem Chemiestudium und anschließendem Berufseinstieg beim Ölkonzern ENI wurde er, der neben seiner Muttersprache auch Englisch, Französisch und Arabisch spricht, Mitarbeiter bei den linken Tageszeitungen "LUnita", "Il Manifesto" und "Liberazione". 1996 wurde er in seiner Heimatstadt Gela, einer Mafiahochburg, erstmals für zwei Jahre Kulturstadtrat, 2000 Stadtrat für das öffentliche Bildungswesen und im Jahr 2002 kandidierte er für das Amt des Bürgermeisters. Auf Mafia-Druck verschwanden in einem Wahlsprengel 500 Stimmzettel und der Rechtskandidat siegte mit einem knappen Vorsprung. Als ein abgehörtes Telefongespräch eines lokalen Mafiabosses bekannt wurde, der einen Wahlleiter einschüchterte und ihm auftrug, "alles zu tun, damit der ,kommunistische Schwule nicht gewinnt", wurde Crocetta 2003 das Bürgermeisteramt vom Verwaltungsgericht zugesprochen. Crocetta, der sich in seinem Amt als entschiedener Mafia-Gegner bewährte und sogar den lokalen Fußballverein deshalb auflöste, stand mehrfach im Mittelpunkt geplanter Anschläge. Am Marienfeiertag am 8. Dezember 2003 sollte ihn ein aus Litauen eingeflogener Killer während der Prozession ermorden. Weitere Anschlagspläne flogen 2008 und 2010 auf. Seit 2009 ist Crocetta, der ständig von einer Polizeieskorte geschützt wird, Abgeordneter im Europaparlament, wo er sich besonders für den Kampf gegen die Mafia einsetzte.