• vom 30.10.2012, 18:13 Uhr

Europastaaten

Update: 30.10.2012, 19:20 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (6)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Porträt

Rosario Crocetta - Mafia-Gegner regiert künftig Sizilien



Rosario Crocetta, Ex-Kommunist im Visier der Mafia. - © dapd

Rosario Crocetta, Ex-Kommunist im Visier der Mafia. © dapd

(rm) "Mir ist ein Wunder gelungen", sagte Rosario Crocetta, als am späten Montagabend nach Vorliegen des Resultates aus dem letzten der 5308 sizilianischen Wahlsprengel offiziell wurde, was sich seit dem Morgen von Stunde zu Stunde deutlicher abzeichnete. Der am 8. Februar 1951 als jüngster von vier Söhnen eines Arbeiters und einer Schneiderin in Gela geborene Crocetta hatte es geschafft, als Kandidat des Mitte-Links-Lagers den favorisierten Kandidaten der Rechten, Nello Musumeci, deutlich zu überholen.

Werbung

Crocetta, offen bekennender Homosexueller und praktizierender Katholik, dessen politischer Werdegang bei der KPI begann und über zwei kommunistische Splitterparteien und die Grünen im Jahr 2008 zur Demokratischen Partei (PD) führte, die ihn jetzt gemeinsam mit der christdemokratischen Zentrumsunion und Bürgerlisten zum Kandidaten für das Amt des sizilianischen Regionalpräsidenten machte, hat eine für einen sizilianischen Politiker untypische Geschichte. Nach einem Chemiestudium und anschließendem Berufseinstieg beim Ölkonzern ENI wurde er, der neben seiner Muttersprache auch Englisch, Französisch und Arabisch spricht, Mitarbeiter bei den linken Tageszeitungen "L’Unita", "Il Manifesto" und "Liberazione". 1996 wurde er in seiner Heimatstadt Gela, einer Mafiahochburg, erstmals für zwei Jahre Kulturstadtrat, 2000 Stadtrat für das öffentliche Bildungswesen und im Jahr 2002 kandidierte er für das Amt des Bürgermeisters. Auf Mafia-Druck verschwanden in einem Wahlsprengel 500 Stimmzettel und der Rechtskandidat siegte mit einem knappen Vorsprung. Als ein abgehörtes Telefongespräch eines lokalen Mafiabosses bekannt wurde, der einen Wahlleiter einschüchterte und ihm auftrug, "alles zu tun, damit der ,kommunistische Schwule‘ nicht gewinnt", wurde Crocetta 2003 das Bürgermeisteramt vom Verwaltungsgericht zugesprochen. Crocetta, der sich in seinem Amt als entschiedener Mafia-Gegner bewährte und sogar den lokalen Fußballverein deshalb auflöste, stand mehrfach im Mittelpunkt geplanter Anschläge. Am Marienfeiertag am 8. Dezember 2003 sollte ihn ein aus Litauen eingeflogener Killer während der Prozession ermorden. Weitere Anschlagspläne flogen 2008 und 2010 auf. Seit 2009 ist Crocetta, der ständig von einer Polizeieskorte geschützt wird, Abgeordneter im Europaparlament, wo er sich besonders für den Kampf gegen die Mafia einsetzte.




Schlagwörter

Rosario Crocetta, Italien

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-30 18:17:04
Letzte Änderung am 2012-10-30 19:20:27


Beliebte Inhalte



Die Hände udn Taschen voller Geld, eine schöne Vorstellugn wenn das Gewicht den Wert nicht bei Weitem übertreffen würde. - APAweb/Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • Karas regt Druck von 1- und 2-Euro-Scheinen an.
  • weiter

Die Rezession rückt die Energiekosten vor ökologische Aspekte. - dpa
  • EU-Staats- und Regierungschefs sollen sich mit steigenden Preisen befassen.
  • weiter

Budapest übt Schadensbegrenzung nach der Kritik des deutschen Außenministers Guido Westerwelle am ungarischen Premier Viktor Orban. Orban hatte Deutschland wegen eines Nazi-Vergleichs erzürnt, was Westerwelle als "bedauerliche Entgleisung, die wir klar zurückweisen", bezeichnete. - APAweb/EPA/MIGUEL A. LOPES Budapest/Berlin. Budapest übt Schadensbegrenzung nach der Kritik des deutschen Außenministers Guido Westerwelle am ungarischen Premier Viktor Orban...weiter

Premierminister David Cameron verlangt mehr Transparenz von den britischen Überseegebieten und Besitztümern der Krone. - epa
  • EU-Gipfel sagt Steuersündern Kampf an - Briten bringen "eigenes Haus in Ordnung".
  • weiter

- Österreich sichert vor dem am Mittwoch beginnenden EU-Gipfel grünes Licht für den gemeinsamen Kampf gegen Steuerflüchtlinge zu. Das Land wolle dem Datenaustausch bei ausländischen Konten zustimmen und Verhandlungen mit Drittstaaten wie der Schweiz oder Liechtenstein forcieren, sagte Bundeskanzler Werner Faymann am Dienstag. - APAweb/Frank Rumpenhorst dpa/lsw
  • EU-Abgeordnete für mehr Schritte gegen Steuerflucht und für Zustimmung bei Zinssteuer-Ausweitung.
  • weiter

Die Medien seien durch ein neues Mediengesetz bedroht, während neue Justizgesetze, die unter anderen die Zwangspensionierung von rund 300 Richtern zur Folge hatten, die Unabhängigkeit der Justiz unterhöhlten. - APAweb/HERBERT PFARRHOFER
  • Menschenrechtsorganisation fordert scharfes EU-Vorgehen wegen umstrittener Verfassungsänderungen.
  • weiter

Durch Preisabsprachen könnte das Benzin für den Endverbraucher teurer geworden sein, vermuten die Kartellwächter der EU und führten Razzien bei den Konzernen BP, Shell und Statoil durch. - reuters
  • Marktverzerrung ist vergleichbar mit Milliarden-Skandal um Libor-Zinssatz.
  • weiter

Münzenmeer - APAweb/REUTERS/Leonhard Foeger
  • Herstellung der Münzen führte seit 2002 zu Verlust von 1,4 Mrd. Euro.
  • weiter

In Buenos Aires Bischof der Armen : Seine Besuche in den Slums haben den Papst stark geprägt. - epa
  • Wurzel aller Kapitalismus-Kritik:
  • Pontifex erlebte Argentinien-Desaster 2001.
  • weiter

Viktor Orbán. - epa
  • Ungarischer Premier vergleicht Politik Berlins mit Hitlers Besetzung von 1944.
  • weiter




Werbung




Mailands "neubabylonischer" Hauptbahhnhof

Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi" Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York.

Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen: 21. 5. 2013: Schwere Zeiten für Fans des glänzenden Metalls: Der Goldpreis erklimmt keine neuen Höhen mehr, das Interesse der Anleger ist merkbar gesunken.

Werbung