• vom 03.06.2013, 06:59 Uhr

Europastaaten

Update: 03.06.2013, 07:28 Uhr

Demonstranten

Tränengasschwaden in Istanbul und Ankara




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  • Protest gegen islamisch-konservative Regierung
  • EU verurteilt "unverhältnismäßigen Einsatz von Gewalt".

Ankara/Brüssel. Die dritte Nacht in Folge krachten in Istanbul Demonstranten und Polizisten zusammen. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein und riegelten mehrere Straßen rund um das Büro von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan ab.

Die Menge rief "Diktator, tritt zurück! Wir wehren uns, bis wir gewinnen." Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein. Auch auf dem mehrere Kilometern entfernten Taksim-Platz gingen die Proteste bis zum Montagmorgen weiter. Die Demonstranten werfen Erdogan und seiner islamisch-konservativen Regierung einen zunehmend autoritären Stil vor.

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In der Hauptstadt Ankara hatte die Polizei bereits am Sonntagnachmittag Wasserwerfer und Tränengas gegen rund 1000 Demonstranten eingesetzt, die zu Erdogans Hauptstadt-Büro vordringen wollten. In mehreren Wohngebieten Ankaras und Istanbuls ertönten am Abend Pfeif- und Topfschlag-Konzerte, viele Einwohner schalteten zum Zeichen des Protestes das Licht in ihren Wohnungen ein und aus.

Kritik an Polizeigewalt
Die Türkei wird seit dem Wochenende von den schwersten Protesten seit einem Jahrzehnt erschüttert. Diese hatten ursprünglich am Dienstag mit Kundgebungen gegen ein Bauprojekt in einem Park unweit des Taksim-Platzes in Istanbul begonnen. Nach einem als unverhältnismäßig kritisierten Einsatz der Polizei nahmen sie inzwischen aber eine allgemein regierungskritische Wendung und weiteten sich auf das ganze Land aus.

Nach Angaben von Innenminister Muammer Güler wurden seit Dienstag 235 Kundgebungen in 67 Städten registriert. Seit Freitag wurden mehr als 1700 Menschen festgenommen, von denen aber ein Großteil nach kurzer Zeit wieder freikam. Laut Güler wurden 58 Zivilisten und 115 Sicherheitskräfte verletzt. Die Ärztegewerkschaft von Ankara sprach dagegen von hunderten Verletzten.

Außenminister sorgt sich um "Ansehen" der Türkei
Außenminister Ahmet Davutoglu rief zu einem Ende der Proteste auf. Sie könnten das "Ansehen" des Landes in der Region und der Welt beschädigen, warnte er auf dem Internet-Kurzbotschaftendienst Twitter.

Erdogan räumte am Wochenende ein, dass die Polizei in einigen Fällen "extrem" reagiert habe. Gleichzeitig aber bekräftigte er, an dem Bauvorhaben in Istanbul festhalten zu wollen. Zudem kündigte der Regierungschef, dem die Demonstranten auch eine "Islamisierung" der Gesellschaft vorwerfen, den Bau einer Moschee auf dem Taksim-Platz an. "Ja, wir werden eine Moschee bauen. Und dafür werde ich weder die Opposition noch eine paar Plünderer um Erlaubnis fragen", sagte er am Sonntag. Diese habe er bereits von seinen Wählern, fuhr er fort.

EU ruft zum Dialog auf
Die Europäische Union verurteilte das gewaltsame Vorgehen der türkischen Polizei gegen die Demonstranten. EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton kritisierte in einer Erklärung den "unverhältnismäßigen Einsatz von Gewalt durch Mitglieder der türkischen Polizei". Sie äußerte "Besorgnis" angesichts der Eskalation bei den Protesten. Beide Seiten müssten in Dialog treten, um eine "friedliche Lösung" des Konflikts zu finden. In Israel und Griechenland kam es zu Solidaritätskundgebungen. Am Samstag waren auch in Wien rund 1800 Demonstranten gegen Erdogan auf die Straße gegangen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2013-06-03 07:01:19
Letzte nderung am 2013-06-03 07:28:22



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