• vom 14.06.2013, 17:48 Uhr

Europastaaten


Recep Tayyip Erdogan

"Erdogan zahlt einen hohen Preis"




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Von Ronald Schönhuber

  • Die Proteste kosten den Premier nicht nur internationales Ansehen, sondern vielleicht auch die Präsidentschaft
  • Türkei-Experte Knaus über die politischen
  • Folgen und das Verhältnis Gül-Erdogan.



"Wiener Zeitung":Nach fast zwei Wochen des Protests hat Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan ein Einlenken signalisiert. Falls das zuständige Gericht den bereits verhängten Baustopp aufhebt, sollen die Istanbuler in einem Referendum über die Zukunft des Gezi-Parks entscheiden. Was hat diesen Sinneswandel bewirkt?


Gerald Knaus: Ich glaube, es war das wachsende Bewusstsein der Kosten, sowohl was das generelle Image betrifft als auch die Wahrnehmung der Türkei als stabile Wirtschaftsmacht. Wenn man sich die türkischen Medien in der vergangenen Woche angesehen hat, dann gab es - auch bei jenen, die der AKP nahe stehen - einerseits hysterische Verschwörungstheorien, auf der anderen Seite aber auch sehr viel Nachdenklichkeit und Warnungen, es nicht zu weit zu treiben. Und es gab natürlich - wenn vielleicht auch verworren, aber doch - Stimmen von AKP-Leuten, die gesagt haben man solle doch einlenken. Die wirkliche wichtige Frage ist meiner Meinung nach: Warum hat es für Erdogan so lange gebraucht, zu einem Kompromiss zu kommen, der eigentlich auch schon vor zwei Wochen möglich gewesen wäre.

Präsident Gül und Premier Erdogan haben 2001 gemeinsam die AKP gegründet. Während Erdogan sich gegenüber den Demonstranten unnachgiebig gab, schlug Gül deutlich versöhnlichere Töne an.

Präsident Gül und Premier Erdogan haben 2001 gemeinsam die AKP gegründet. Während Erdogan sich gegenüber den Demonstranten unnachgiebig gab, schlug Gül deutlich versöhnlichere Töne an.© reu Präsident Gül und Premier Erdogan haben 2001 gemeinsam die AKP gegründet. Während Erdogan sich gegenüber den Demonstranten unnachgiebig gab, schlug Gül deutlich versöhnlichere Töne an.© reu

Und wieso hat es Ihrer Ansicht nach so lange gedauert?

Da kann man natürlich nur spekulieren, aber mein Gefühl ist, dass es Erdogan auch darum ging, Stärke zu zeigen und er ein zu frühes Einlenken als Gefahr für seine starke Position gesehen hat. Das ist das nicht erste Mal, dass wir das haben. Wir haben auch schon in der Vergangenheit immer wieder starke Rhetorik von Erdogan erlebt - beispielsweise gegen Kurdenführer Abdullah Öcalan vor einigen Monaten. Kurz darauf wurde klar, dass die Regierung Verhandlungen mit Öcalan über einen Friedensdurchbruch führt. Im konkreten Fall hat das Bestreben stark, unerbittlich und entschlossen dazustehen, natürlich einen enorm hohen Preis gekostet, nicht nur was die Verletzten und die Polarisierung der Gesellschaft anbelangt, sondern auch was das Ansehen der Türkei und natürlich von Erdogan selbst betrifft.

Wie lässt sich denn das Verhältnis zwischen Erdogan und Staatspräsident Abdullah Gül beschreiben? Während Erdogan sich immer sehr scharf und unnachgiebig gegenüber den Demonstranten gegeben hat, hat Gül ja eher immer versöhnliche Töne angeschlagen?

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Dokument erstellt am 2013-06-14 17:50:07



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