• vom 20.03.2014, 17:12 Uhr

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Update: 20.03.2014, 18:09 Uhr

Interview

"Die Krim ist nur der erste Schritt"




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Von WZ-Korrespondent André Eichhofer

  • Ex-Kreml-Berater Andrej Illarjonow über die Absichten Russlands in der Ukraine
  • Putins früherer G8-Emissär fordert vom Westen mehr Härte.

Der große Kehraus: Ukrainische Soldaten verlassen ihre Stützpunkte auf der Krim. - © epa/Kaminski

Der große Kehraus: Ukrainische Soldaten verlassen ihre Stützpunkte auf der Krim. © epa/Kaminski

"Wiener Zeitung":Welche Absichten hat Putin mit der Krim?

Andrej Sillarjonow: In Sewastopol auf der Krim liegen
die Stützpunkte der russischen Schwarzmeerflotte, und die will Wladimir Putin sichern. Der russische Präsident befürchtete, dass die neue ukrainische Regierung die Stationierungsrechte kündigt und die Häfen eventuell der Nato überlässt. Zudem will er die russische und russischsprachige Bevölkerung zurück in sein Imperium holen.

Information

Andrej Illarjonow, 53, war von 2000 bis 2005 Berater von Putin und sein Repräsentant bei den G8-Staaten. Später stieg er wegen Differenzen aus.

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Die Bewohner der Krim haben mehrheitlich für eine Abspaltung von der Ukraine gestimmt.

Das Referendum hat Putin eine legale Basis geboten, um seine Truppen in die Ukraine zu schicken. Die Krim ist nur der erste Schritt. Russland wird auch vor dem Süden und Osten der Ukraine nicht haltmachen. Die gewaltsamen Ausschreitungen in Charkow und Donezk und die Besetzung der dortigen Gebietsverwaltung hat der Kreml veranlasst. Putin will die Ostukraine destabilisieren und womöglich in einen Bürgerkrieg stürzen. Dann könnte er auch in die östlichen Regionen einmarschieren.

Die Ostukraine will mit der Übergangsregierung in Kiew nichts zu tun haben. Dort heißt es, in Kiew seien Faschisten an der Macht. Ist es nicht verständlich, dass die Ostukrainer nach einem Beschützer suchen?

Glaubt ihr im Westen das Märchen von den Faschisten? Putin sucht nur einen Vorwand für eine größere militärische Intervention. Übrigens bezweifle ich auch, dass die Mehrheit der Russen an die Faschistentheorie glaubt.

Umfragen sagen aber, dass über 60 Prozent der Russen sogar einen Krieg um die Krim befürworten würden.

Umfragen in autoritären Staaten sind unzuverlässig und reflektieren nicht die tatsächliche Auffassung der Menschen. Die öffentliche Meinung wird in Russland durch Propaganda und Gehirnwäsche geformt. Das beste Beispiel dafür ist das russische Fernsehen, das äußerst unausgewogen über die Ukraine berichtet.

Die ukrainische Übergangsregierung kippte im Februar ein Sprachengesetz und entzog der russischen Sprache den Status der Amtssprache. Hat sie damit die Situation nicht angeheizt?

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Dokument erstellt am 2014-03-20 17:17:12
Letzte Änderung am 2014-03-20 18:09:12



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