• vom 17.11.2014, 18:15 Uhr

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Update: 17.11.2014, 21:14 Uhr

Rumnien

Sächsische Gründlichkeit




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Von WZ-Korrespondent Silviu Mihai

  • Der Deutsch-Rumäne Johannis hat die Präsidenten-Stichwahl klar für sich entschieden - ein neuer Politikstil bahnt sich an.

Wahlsieger Johannis muss sich vorerst mit der Regierung Pontas arrangieren, denn der lehnt Parlamentswahlen derzeit ab.

Wahlsieger Johannis muss sich vorerst mit der Regierung Pontas arrangieren, denn der lehnt Parlamentswahlen derzeit ab. Wahlsieger Johannis muss sich vorerst mit der Regierung Pontas arrangieren, denn der lehnt Parlamentswahlen derzeit ab.

Bukarest. Klaus Johannis war sichtlich bewegt. "Ihr seid Helden!", rief er in die Menge, nachdem um 21 Uhr am Sonntagabend die ersten Hochrechnungen im Fernsehen übertragen worden sind. Kaum jemand hatte dem Siebenbürger Sachsen den Sieg zugetraut. Bei der ersten Runde der rumänischen Präsidentenwahl vor zwei Wochen hatte er gerade einmal 30 Prozent der Stimmen bekommen. Johannis Gegner, der sozialdemokratische Premier Victor Ponta (40 Prozent), galt am Sonntag denn auch als klarer Favorit. Doch es kam anders: Der neue Staatschef heißt Klaus Johannis. Mit fast 55 Prozent der Stimmen gewann der bisherige Bürgermeister von Sibiu (Hermannstadt) deutlich. Innerhalb von wenigen Minuten machte sich der Wirtschaftsliberale auf den Weg zum symbolgeladenen Universitätsplatz in Bukarest, wo mehr als 10.000 Menschen auf ihn warteten. Es war eine lange Nacht und eine große Feier in der rumänischen Hauptstadt. "Klaus! Klaus!", riefen immer wieder vor allem junge Rumänen aus der urbanen Mittelschicht, die traditionell liberal wählen. Mit den Worten "das Volk hat immer recht" gestand Ponta noch am Sonntagabend die bittere Niederlage ein.


Seinen unerwarteten Sieg hat Johannis in erster Linie der überraschenden Wahlbeteiligung zu verdanken, die mit 62 Prozent weit höher war als bei der ersten Runde. Es war vor allem die katastrophale Wahlorganisation, die eine beispiellose Wut- und Protestwelle gegen die sozialdemokratische Regierung auslöste. Zwar verlief der Urnengang in Rumänien selbst fast überall reibungslos, doch im europäischen Ausland, wo mehr als zwei Millionen Rumänen leben, konnten viele wegen der unzureichenden Zahl an Wahllokalen ihre politischen Rechte nicht ausüben. Das rumänische Gesetz sieht die Möglichkeit einer Briefwahl nicht vor, und die Auslandsvertretungen des Landes erwiesen sich, ähnlich wie vor zwei Wochen, einfach überfordert. Stundenlang mussten insgesamt mehrere hunderttausend Bürger bei spätherbstlichen Temperaturen vor den Botschaften und Konsulaten in Paris, London, München, Wien oder Chisinau in der Schlange stehen.

Das Gefühl von Demütigung und Frust durch die Inkompetenz der eigenen Regierung verbreitete sich rasch über Handys, soziale Netzwerke und Live-Übertragungen im Fernsehen - und mobilisierte die daheimgebliebenen Freunde und Familienmitglieder der Auslandsrumänen, die prompt zu den Urnen strömten. In Paris und Turin kam es zu heftigen Protesten vor den Botschaften, das verschreckte diplomatische Personal rief die Polizei zur Hilfe.

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Schlagwörter

Rumnien, Prsidenten-Stichwahl

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Dokument erstellt am 2014-11-17 18:20:12
Letzte nderung am 2014-11-17 21:14:04



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