• vom 06.04.2015, 16:15 Uhr

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Tschechien

Zeman knallt die Tür zu




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  • Tschechiens Präsident will den US-Botschafter nicht mehr auf der Prager Burg sehen.

Zeman ist empört über den US-Botschafter.

Zeman ist empört über den US-Botschafter.© apa/epa/Peter Endig Zeman ist empört über den US-Botschafter.© apa/epa/Peter Endig

Prag. Milos Zeman hat durchaus den Ruf, gerne um sich zu schlagen. Nun wurde der tschechische Präsident seiner Reputation wieder einmal gerecht. Diesmal attackierte der Linkspolitiker den US-Botschafter in Prag, Andrew Schapiro, wegen dessen Kritik an der bevorstehenden Reise Zemans nach Moskau anlässlich des 70. Jahrestages des Kriegsendes. "Nach dieser Erklärung sind die Türen der Prager Burg für Botschafter Schapiro geschlossen", sagte Zeman gegenüber der Online-Zeitung "Parlamentnilisty.cz".

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass der tschechische Botschafter in Washington dem US-Präsidenten Ratschläge geben würde, wohin er reisen soll. Ich lasse mir in meine Reisepläne von keinem Botschafter dreinreden", polterte Zeman.


Schapiro hatte Ende März im tschechischen Fernsehen erklärt, Zeman könnte der einzige Spitzenpolitiker eines EU-Landes sein, der an den Feierlichkeiten anlässlich des 70. Jahrestages der Beendigung des Zweiten Weltkrieges in Europa teilnehmen würde. Dies sei etwas "prekär". Allerdings sei es nicht seine Aufgabe, dem tschechischen Staatspräsidenten zu sagen, was er tun solle und was nicht.

Die angekündigte Reise Zemans nach Moskau am 9. Mai ist auch in Tschechien umstritten. Die Opposition sowie ein Teil der regierenden Sozialdemokraten (CSSD) kritisieren vor allem Zemans Teilnahme an der traditionellen 9. Mai-Militärparade in Moskau. Dies sei aufgrund der Annexion der Krim und der Politik Russlands in der ukrainischen Krise das falsche Zeichen.

Zeman hatte die Kritik mit den Worten zurückgewiesen, er wolle jener 150.000 sowjetischen Soldaten gedenken, die bei der Befreiung der ehemaligen Tschechoslowakei gefallen seien. Außerdem sei die Reise ein "Ausdruck der Dankbarkeit" dafür, dass man heute in Tschechien nicht deutsch sprechen müsse, so Zeman. Außer Zeman sollten laut russischen Medien auch die Spitzenvertreter Griechenlands und Zyperns am
9. Mai nach Moskau reisen.

Auch Ex-Außenminister Karel Schwarzenberg meldete sich in der Affäre zu Wort, und zwar mit Ironie. Der Verweis durch Zeman "wird dem Herrn Botschafter (Schapiro) unermesslich leidtun", so Schwarzenberg gegenüber der Nachrichtenagentur CTK.




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Dokument erstellt am 2015-04-06 16:20:10



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