• vom 18.06.2015, 13:48 Uhr

Europastaaten

Update: 18.06.2015, 14:01 Uhr

Klimawandel

Große Erwartungen an Umweltenzyklika des Papstes




  • Artikel
  • Kommentare (2)
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Jean-Louis de la Vaissiere/AFP

  • Klimawandel "eine der wichtigsten aktuellen Herausforderungen an die Menschheit".

vatikanstadt. Die Umweltenzyklika des Papstes gilt als wichtiger Beitrag zur Debatte über den Klimawandel. Das Lehrschreiben mit dem Titel "Laudato sii" (Gelobt seist du) war mit Spannung erwartet worden. Franziskus dürfte mit seinen Warnungen und Forderungen die politische Diskussion über die Reduzierung der CO2-Emissionen beeinflussen.

Wieso wird der Enzyklika eine solche Bedeutung beigemessen?

Werbung

Das päpstliche Rundschreiben erscheint sechs Monate vor der UNO-Klimakonferenz in Paris, wo ein neuer globaler Klimavertrag zur Minderung des CO2-Ausstoßes vereinbart werden soll. Umweltschützer erhoffen sich von der Enzyklika einen entscheidenden Impuls für die internationale Diskussion. Denn sein Lehrschreiben richtet sich nach den Worten des Papstes nicht nur an die 1,2 Milliarden Katholiken weltweit, sondern er will mit seiner Botschaft auch Nichtgläubige und Anhänger anderer Religionen erreichen. Der Papst genießt weltweit ein hohes Ansehen, im Online-Dienst Twitter folgen ihm mehr als 20 Millionen Nutzer.

Warum sorgte diese Enzyklika schon im Vorfeld für eine politische Debatte?

Der Papst bezieht in dem Lehrschreiben zum Klimawandel eindeutig Stellung. Einige Wissenschafter halten die Erderwärmung für ein natürliches Phänomen, vor allem in den USA haben die Klimaskeptiker eine starke Lobby. Der Papst vertritt die gegenteilige Position: Er macht die Menschen, vor allem die Industrie und den fehlenden politischen Willen, für den fortschreitenden Klimawandel verantwortlich.

Die Enzyklika ist auch ein Weckruf an die Regierungen, sich auf verpflichtende Ziele zum Klimaschutz zu einigen. Franziskus verurteile die Unterordnung der Politik unter die "Technologie und die Macht der Finanzwelt", sagt der Vatikanist und Papst-Biograf Marco Politi. Der Papst nimmt die Armen in Schutz gegenüber den Industrienationen, denen er Oberflächlichkeit, Verschwendung und einen Verlust der Ethik vorwirft.

Was ist das Besondere an dieser Enzyklika?

Auch andere Päpste widmeten sich schon dem Thema Umwelt. Franziskus verweist in seiner Enzyklika unter anderem auf die Forderung von Papst Johannes Paul II. nach einer "weltweiten ökologischen Umkehr". Sein Nachfolger Benedikt XVI. erhielt gar den Beinamen "Grüner Papst". Mit "Laudato sii" widmet sich jedoch erstmals eine Enzyklika ausschließlich dem Schutz der Erde.

"Der Papst hat sich entschieden, dass dieses Thema eine eigene Enzyklika wert ist. In den vergangenen Jahrzehnten handelten diese von der Familie, dem Leben, der Bioethik und anderen Themen, der Blick hat sich geweitet", sagt der Vatikan-Experte Iacopo Scaramuzzi. Der entscheidende Punkt sei, dass Franziskus das Thema "aus der Sicht der Armen, der Hauptopfer der Erderwärmung" angehe.

Finanzkrise und Klimawandel

Der Papst hat in seiner Umweltenzyklika "Laudato sii" die Rettung der Banken "um jeden Preis" kritisiert. Dafür habe die Bevölkerung in den Jahren der Krise einen hohen Preis gezahlt. Die Politik dürfe sich nicht der Wirtschaft unterwerfen, und diese dürfe sich nicht dem Diktat und "dem effizienzorientierten Paradigma der Technokratie unterwerfen", heißt es in der Enzyklika.

"Niemals haben wir unser gemeinsames Haus so schlecht behandelt und verletzt wie in den letzten beiden Jahrhunderten", erklärt der Papst weiter. "Wenn jemand die Erdenbewohner von außen beobachten würde, würde er sich über ein solches Verhalten wundern, das bisweilen selbstmörderisch erscheint." Die Erde scheine sich in eine "unermessliche Mülldeponie" zu verwandeln.

Angesichts des Klimawandels ging das Oberhaupt von weltweit rund 1,2 Milliarden Katholiken hart mit Politik und Wirtschaft ins Gericht. "Die Unterwerfung der Politik unter die Technologie und das Finanzwesen zeigt sich in der Erfolglosigkeit der Weltgipfel über Umweltfragen", erklärt der 78-Jährige. Im Hinblick auf die Klimakonferenz Ende des Jahres in Paris schreibt er, es sei dringend geboten, Programme zu entwickeln und den Ausstoß von Kohlendioxid drastisch zu reduzieren. Der Klimawandel sei "eine der wichtigsten aktuellen Herausforderungen an die Menschheit".




2 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2015-06-18 13:52:22
Letzte nderung am 2015-06-18 14:01:22



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Ermittler präsentieren Beweise zum Abschuss von Flug MH17
  2. Verteidigung als einziger gemeinsamer EU-Nenner
  3. EU-Kommission präsentiert Zwischenstand in Flüchtlingskrise
  4. Griechisches Parlament stimmte weiterem Reformpaket zu
  5. Ärger über Ramschstatus
Meistkommentiert
  1. Juncker präsentiert Maßnahmenpaket
  2. "Die meisten glauben nicht mehr an die Wahlen"
  3. Kern rechnet mit
    Abkommen mit Afghanistan
  4. Gipfel der Beschwörungsformeln
  5. Erschöpftes Griechenland

Werbung