• vom 03.08.2015, 18:17 Uhr

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Update: 03.08.2015, 18:23 Uhr

Jugend und Politik

"Junge Menschen lassen sich mobilisieren"




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  • Laut Meinungsforscher Peter Hajek sind junge Menschen keineswegs politikverdrossen.

Wien. (klh) Jungpolitiker wie Sebastian Kurz bilden die Ausnahme. Ansonsten überaltern vor allem die klassischen Großparteien ÖVP und SPÖ: Beide tun sich immer schwerer damit, junge Mitglieder für sich zu gewinnen. Daraus eine generelle Politikverdrossenheit bei Österreichs Jugendlichen abzuleiten, sei aber falsch, sagt der Meinungsforscher Peter Hajek (Public Opinion Strategies). "Die Jugend ist nicht politik-, sondern parteiverdrossen", meint er. Und dies lasse sich in Österreich durchaus auch aus der Geschichte der Zweiten Republik erklären.

So habe sich die Großelterngeneration der heutigen Jugend in Zeiten des Aufschwungs noch viel mehr von der Politik - oder besser gesagt von den Parteien - erwarten können, etwa Arbeitsplätze und Wohnungen. Dies sorgte für eine starke Bindung an die Großparteien, sagt Hajek. Auch die Elterngeneration sei noch unter sozioökonomisch günstigeren Bedingungen aufgewachsen als die heutigen Jugendlichen.

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Keine Lösungen
Für diese hat die Politik nicht mehr viel zu bieten. Nicht nur kriselt die Wirtschaft seit Jahren, auch die Arbeitslosenzahlen steigen. Und die Politik verstehe es nicht einmal, den Eindruck zu erwecken, wenn sie schon die Probleme nicht löse, dass sie günstige Rahmenbedingungen für die Jugendlichen schaffe. Das führe, so Hajek, zu einer Desillusionierung und zu einer Abwendung vor allem von den Großparteien.

"Hinzu kommt, dass das Jugendmilieu stark zersplittert ist", sagt Hajek. Auch hier spiegelt sich eine gesellschaftliche Entwicklung wider: War die Bevölkerung früher noch viel leichter in Kategorien wie Arbeiter-Bauer-Bürger zu fassen, gibt es heute eine Vielzahl von Lebensmodellen. Und das bedeutet, dass sich die Jugendlichen weniger im Apparat einer Partei eingebettet fühlen, sondern sich vielmehr nur dann engagieren, wenn ihre Interessen berührt werden. "Dann sind diese Jugendlichen aber sehr wohl mobilisierbar", sagt Hajek.

Freilich laufe dabei die Kommunikation heute oft digital, betont der Meinungsforscher. "Die Gretchenfrage lautet deshalb: Wie schafft man vom Like auf Facebook den Sprung zur Mobilisierung." Allerdings: Junge Menschen würden oft selbst für ihre Mobilisierung sorgen, sagt Hajek. Dies zeige sich deutlich auf internationaler Ebene: etwa bei der spanischen Protestbewegung, aus der die Partei Podemos hervorging. Oder beim Arabischen Frühling, der ja auch stark von jungen "Digital Natives" getragen wurde.

Global lassen sich noch viele Beispiele für politische Partizipation von Jugendlichen finden: In Taiwan besetzten Studenten das Parlament, um gegen ein Wirtschaftsabkommen mit China zu protestieren, in Burkina Faso war eine von Musikern angeführte Protestbewegung maßgeblich am Sturz von Langzeitherrscher Blaise Compaore beteiligt. Was sie alle eint: Sie haben genug von den klassischen Parteien, wollen ihre Anliegen selbst in die Hand nehmen.




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Dokument erstellt am 2015-08-03 18:20:03
Letzte nderung am 2015-08-03 18:23:55



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