• vom 25.03.2016, 18:04 Uhr

Europastaaten

Update: 25.03.2016, 18:46 Uhr

Brüssel-Anschläge

Der Dschihad der Rückkehrer




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Von WZ-Korrespondentin Birgit Svensson

  • EU-Bürger, die aus Syrien und dem Irak wiederkommen, sind die Strippenzieher des Terrors in Europa.

Laachraoui , Selbstmordattentäter von Brüssel, wurde bereits nach den Paris-Anschlägen im November von den Behörden gesucht.

Laachraoui , Selbstmordattentäter von Brüssel, wurde bereits nach den Paris-Anschlägen im November von den Behörden gesucht.© afp Laachraoui , Selbstmordattentäter von Brüssel, wurde bereits nach den Paris-Anschlägen im November von den Behörden gesucht.© afp

Bagdad. Die Spur der Tatverdächtigen für die Brüsseler Anschläge reicht immer weiter. Neben den Festnahmen in Belgien und Frankreich gibt es nun auch Inhaftierungen in Deutschland, die im Zusammenhang mit Brüssel stehen. Die Verzahnung der Täter wird somit deutlich, die Vermutung eines Terrornetzwerkes innerhalb Europas immer wahrscheinlicher. Über Kontinente hinweg greift die gleiche tödliche Strategie, herrscht dasselbe Gedankengut. Denn die meisten der Gefassten sind EU-Bürger, Rückkehrer aus dem Dschihad in Syrien und dem Irak.

Najim Laachraoui steht prototypisch für sie: Der 24-Jährige ist einer der Selbstmordattentäter von Brüssel. Er sprengte sich in der Abflugshalle des Flughafens in die Luft und riss dort gemeinsam mit einem weiteren Selbstmordattentäter elf Menschen mit in den Tod. Die belgische Staatsanwaltschaft bestätigte am Freitag Laachraouis Täterschaft. Schon seit Monaten wurde er von den Behörden gesucht - genau gesagt seit den Anschlägen in Paris am 13. November 2015. Französische Ermittler haben seine DNA-Spuren auf Bombenmaterial gefunden, das die Terroristen in Paris nutzten.

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Katholische Schule besucht
Die Dschihad-Biografie Laachraouis ist mittlerweile weitgehend bekannt. In Syrien wurde der Belgier zum Sprengstoffexperten geschult. Seine Ausbildung zum Elektrotechniker absolvierte der 24-Jährige an einer katholischen Schule im Brüsseler Stadtteil Schaerbeek, das Studium der Elektromechanik brach er hingegen ab. 2013 zog er nach Syrien in den Dschihad. Gut zwei Monate vor den Anschlägen in Paris soll er nach Europa zurückgekommen sein - zunächst nach Ungarn. In Budapest wurde Laachraoui von Salah Abdeslam abgeholt, der die Anschläge vorbereitete und vergangenes Wochenende in Brüssel festgenommen wurde. Beide Belgier überquerten problemlos die Grenzen zu Österreich und Deutschland, bevor sie in ihrem Heimatland ankamen. Bei einer Kontrolle auf dem Weg nach Österreich nutzte Laachraoui einen gefälschten belgischen Personalausweis, der auf den Namen Soufiane Kayal lautete. Seine wahre Identität blieb somit erst einmal verborgen.

Symptomatischer Werdegang
Der Werdegang des Belgiers ist symptomatisch für die Dschihadisten-Szene in Europa. Zunächst wurden junge Muslime angelockt, im Namen Allahs in den Krieg zu ziehen und in Syrien für die Rechte der Unterdrückten zu kämpfen. Dabei half das Internet, die Botschaften zu verbreiten. Paradiesische Zustände sollten im Land des ehemaligen Garten Eden herrschen, wenn erst einmal ein Islamischer Staat gegründet sei. Für alles werde gesorgt: Einkommen, Wohnung, Essen, Frauen. In Syrien und im Irak sollte so etwas wie ein Pilotprojekt des Scharia-Kolonialismus entstehen, um sich dann über die ganze Welt auszubreiten. Schon Al-Kaida-Chef Osama Bin Laden träumte von einem weltumspannenden Dschihad. Nach seinem Tod übernahm Abu Bakr al-Bagdadi für den IS die Idee und perfektionierte sie. Der eklatante Widerspruch zwischen Steinzeitislam und hochmoderner Technologie schien sich mit ihm aufzulösen. Dafür brauchte er gut ausgebildete Männer aus dem Westen, sprich Europa, und loyale, gefügige und religiös indoktrinierte aus dem Nahen und Mittleren Osten. Die Mischung schien aufzugehen. Daesh, wie der IS im Nahen Osten genannt wird, kämpfte sich von einem Sieg zum nächsten. Das Ziel der Expansion rückte näher.

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Dokument erstellt am 2016-03-25 18:08:04
Letzte nderung am 2016-03-25 18:46:46



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