• vom 13.06.2016, 21:44 Uhr

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Update: 14.06.2016, 10:35 Uhr

Estland

Estland probt den Ernstfall




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Von WZ-Korrespondentin Magdalena Meergraf

  • Tallinn fühlt sich vom großen russischen Nachbar bedroht und appelliert an die Solidarität von Nato und EU.

Militärmanöver (wie hier) reichen nicht: Estland fordert die dauerhafte Stationierung von Nato-Truppen auf seinem Territorium. - © ap/Tanner

Militärmanöver (wie hier) reichen nicht: Estland fordert die dauerhafte Stationierung von Nato-Truppen auf seinem Territorium. © ap/Tanner

Tallinn. "Wussten Sie, dass der künftige österreichische Bundespräsident ein Este ist?", grinst Liisa Past, während sie durch das Cyber-Abwehrzentrum der Nato in Tallinn führt. Es stimmt natürlich nicht ganz, denn die Eltern von Alexander Van der Bellen waren noch vor seiner Geburt zuerst aus Russland und später auch aus dem von Sowjets besetzten Estland geflohen. Man sieht ihn hier dennoch als "einen von ihnen" an.

Und noch weitere Schnittstellen gibt es mit dem baltischen Land: Österreich hat als erstes Nicht-Nato-Land ein Abkommen unterzeichnet, um hier an den Übungen zur Abwehr gegen virtuelle Attacken teilzunehmen. Cyberwar nennt man diese digitale Art des Krieges. Wie wirkungsvoll sie sein kann, zeigte ein sicherheitspolitisches Fiasko im Jahr 2007, als in Estland die Bankomaten und stellenweise das Internet nicht mehr funktionierten.

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Anschließend wurde das Forschungs- und Übungszentrum in der Hauptstadt etabliert. Neben Finnland und Österreich sind 16 Nato-Nationen beteiligt. "In der heutigen Computerwelt, wo alles mit Lichtgeschwindigkeit passiert, ist es nicht mehr möglich, national begrenzt mit Cyber-Angelegenheiten umzugehen", sagt Major Christian Tschida, der am Zentrum stationiert ist. Ohne grenzübergreifende Kooperation sei eine Abwehr derartiger Bedrohungen nicht möglich.

Locked Shields heißen die regelmäßigen Wettbewerbe, bei denen fiktive Szenarien durchgespielt werden: Ein Team attackiert Kommunikations- und Infrastruktureinrichtungen. Es versucht beispielsweise, Daten zu stehlen. Die Verteidigerteams müssen innerhalb kürzester Zeit Gegenmaßnahmen entwickeln, um dies zu verhindern. "Österreich war bei dem letzten Manöver vorne mit dabei, wir erreichten den vierten Platz", so Tschida.

Von wo der Angriff von 2007 ausging, konnte bis heute nicht zweifelsfrei ermittelt werden. Viele Experten gehen davon aus, dass der Angreifer in Russland saß. Generell herrscht in Estland seit Beginn des Ukraine-Konflikts zunehmend Sorge wegen des großen Nachbars. Denn unabhängig zu sein ist für das kleine baltische Land nicht selbstverständlich: Erst 1991, im Zuge des Zusammenbruchs der UdSSR, erlangte es die Souveränität.

Die Nato zeigt daher nicht nur mit digitalen, sondern auch mit militärischen Manövern Präsenz. Der Westen hat bereits mit Sanktionen gegen Russland reagiert. Die befürchteten ökonomischen Folgen für das ohnehin schon stark von der Wirtschaftskrise betroffene Estland blieben aus. Denn die Wirtschaft ist grundsätzlich stark auf den europäischen und den Ostseeraum ausgerichtet.

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Dokument erstellt am 2016-06-13 21:50:05
Letzte ─nderung am 2016-06-14 10:35:06



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