• vom 23.01.2017, 17:42 Uhr

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Update: 24.01.2017, 15:56 Uhr

Großbritannien

Britische Rakete außer Kontrolle




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Von WZ-Korrespondent Peter Nonnenmacher

  • Im Juni 2016 soll die Testfeuerung einer britischen Trident-Rakete fehlgeschlagen sein - statt vor die Küste Afrikas nahm sie Fahrt auf die USA. Die Regierung weigert sich jedoch, Stellung zu nehmen.

Premierministerin Theresa May verweigerte trotz mehrmaliger Nachfrage in der "Andrew Marr Show" auf BBC am Sonntag eine Antwort auf die Frage, ob sie von der Fehlzündung wusste.

Premierministerin Theresa May verweigerte trotz mehrmaliger Nachfrage in der "Andrew Marr Show" auf BBC am Sonntag eine Antwort auf die Frage, ob sie von der Fehlzündung wusste.© reu Premierministerin Theresa May verweigerte trotz mehrmaliger Nachfrage in der "Andrew Marr Show" auf BBC am Sonntag eine Antwort auf die Frage, ob sie von der Fehlzündung wusste.© reu

London. Oppositionspolitiker in London werfen Premierministerin Theresa May vor, dem Parlament die Wahrheit über den Raketentest aus politischem Kalkül verschwiegen zu haben, als das Unterhaus im Juli vorigen Jahres über Abschaffung oder Beibehaltung der britischen Atomwaffen abstimmte - zumal der außer Kontrolle geratene "Atomschlag" wenige Wochen zuvor womöglich das Territorium der USA traf.

Regierungskritiker gehen davon aus, dass die Regierungschefin den Fehlschlag zu verschleiern suchte, um keine Zweifel an der Effizienz der Nuklearbewaffnung Großbritanniens aufkommen zu lassen. Sie habe "absolutes Vertrauen" in diese Waffen, erklärte May auch am Montag wieder, und sei bestens informiert über alle Atomwaffen-Belange. Einzelheiten zu Waffen-Tests liefere ihre Regierung aber grundsätzlich nicht.


Die Affäre war am Sonntagmorgen von der Londoner Sunday Times losgetreten worden. Das Blatt berichtete unter Verweis auf einen "hochrangigen Offizier" der Royal Navy, dass eine von dem britischen U-Boot HMS Vengeance zu Testzwecken abgefeuerte Trident-Rakete am 20. Juni 2016 außer Kontrolle geraten und vom geplanten Kurs abgekommen war.

Die HMS Vengeance lag damals vor der Küste von Florida. Sie war nach vier Jahren Überholungsarbeiten erstmals wieder voll im Einsatz und sollte ihre Apparaturen und ihre Mannschaft mit dem Abschuss einer - nicht mit Sprengköpfen bestückten - Trident-Atomrakete testen.

Die Rakete sollte 9000 Kilometer weit, bis fast vor die Küste Westafrikas, geschossen werden. Ein Defekt führte aber laut Sunday Times dazu, dass sie kurz nach dem Auftauchen aus dem Wasser die Richtung änderte, "möglicherweise mit direktem Kurs aufs amerikanische Festland, statt hinaus auf die offene See".

"Enorme Panik auf
höchster Regierungsebene"

Den weiteren Informationen der Zeitung zufolge löste der Fehlschlag damals "enorme Panik auf höchster Regierungsebene und beim Militär" aus. Letztendlich habe sich die Regierung, um das Vertrauen in die britischen Atomwaffen nicht zu mindern, "dafür entschieden, diesen Fehlschlag geheim zu halten".

Premierminister war an jenem Testtag des 20. Juni noch David Cameron. Drei Tage später wurde das EU-Referendum abgehalten, und am 13. Juli löste Theresa May Cameron an der Regierung ab. Bereits am 18. Juli aber fand die entscheidende Unterhaus-Abstimmung über die Zukunft der britischen Atom-Bewaffnung statt.

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Dokument erstellt am 2017-01-23 17:47:06
Letzte nderung am 2017-01-24 15:56:04



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