• vom 14.03.2017, 17:40 Uhr

Europastaaten

Update: 15.03.2017, 07:28 Uhr

Brexit

Gedränge an den Ausgangstüren




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Von WZ-Korrespondent Peter Nonnenmacher

  • Theresa May hat Schotten und Iren vor den Kopf gestoßen und riskiert den Zerfall des Vereinigten Königreichs.





London. Den Bruch mit der EU will Theresa May noch diesen Monat in die Wege leiten. Wohin die Reise geht, hat die britische Premierministerin klargemacht. Die sich gegen diese Reise sperrten, haben kein Gehör gefunden. Auch Schottland und Nordirland werden den EU-Binnenmarkt und die Zollunion verlassen müssen - obwohl sie beim Referendum für eine weitere Mitgliedschaft in der EU gestimmt hatten. Für die schottischen und die irischen Nationalisten bildet dieser März einen entscheidenden Punkt in den Geschicken des Vereinigten Königreichs. Was sie als harsches Diktat eines englischen Nationalismus begreifen, wollen sie nicht länger akzeptieren. Trotz zahlloser Appelle hat in London niemand auf ihre Bedürfnisse und Sorgen Rücksicht genommen. Nun suchen sie selbst, ergrimmt, nach der Ausgangstür.

Gewarnt hatten Brexit-Gegner schon lange vor der Gefahr einer solchen Entwicklung. Aber die Brexiteers wollten davon nichts hören. Für die Hardliner des konservativen Lagers spielte keine Rolle, was die Mitbürger in den "Randgebieten" des Königreichs dachten. Die Angst der Iren vor erneuter Spaltung ihres Landes und das Drängen der Schotten auf weitere Teilhabe an der EU fanden in der Brexit-Kampagne in England kaum Resonanz.

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In Schottland steht nun jedenfalls ein neues Referendum zur Trennung von England fix auf der Tagesordnung. Die Schotten stimmten vorigen Juni mit 62 zu 38 Prozent gegen den Austritt aus der EU. Sie waren seither, auf der Suche nach Mitsprache, bloß auf Ablehnung gestoßen und von allen Entscheidungen ferngehalten worden. Das hat unter schottischen Nationalisten den Zorn über London neu entfacht. Zorn allein bringt natürlich keine Unabhängigkeit. In ganz Schottland stößt man auf Skepsis, was die wirtschaftlichen Konsequenzen eines Alleingangs betrifft.

Andererseits ist die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon eine formidable Kämpferin. Mit Mays "hartem Brexit" hat sie einen triftigen Grund für ihre Initiative gefunden. Und die Aussicht auf endlose Jahre brachialer Tory-Herrschaft in London schreckt viele Schotten zweifellos.

Seit dem Brexit-Votum hat sich wirtschaftlich in Großbritannien aber nicht viel zum Negativen geändert. Ein hohes Wirtschaftswachstum und eine niedrige Arbeitslosigkeit trotzen der Abwertung des englischen Pfunds. Sollte ein gewisser Teil wichtiger Firmen in London jedoch wie bereits angekündigt seinen Sitz verlegen, so wird dies auch im Parlament in Westminster noch einmal zum Nachdenken führen, denn die englische Wirtschaft ist paradoxerweise massiv auf Ausländer angewiesen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-03-14 17:45:08
Letzte nderung am 2017-03-15 07:28:27



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