• vom 20.03.2017, 08:34 Uhr

Europastaaten

Update: 20.03.2017, 13:45 Uhr

Präsidentschaftswahlkampf

Der Wahlkampf der Scharmützel




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Von dpa, Christian Böhmer

  • Von Inhalten war in Paris bisher kaum die Rede. Bringt TV-Debatte die Wende?

Paris. Der Konservative Francois Fillon ist mit einem Ermittlungsverfahren konfrontiert, die Rechtspopulistin Marine Le Pen wehrt sich in der Affäre um fiktive Arbeitsverträge im Europaparlament, und die Justiz interessiert sich für eine US-Reise des damaligen Wirtschaftsministers und heutigen Kandidaten Emmanuel Macron.

Unsicherheit und Irritation sind groß

Frankreich ist wenige Wochen vor der Präsidentenwahl vor allem mit Enthüllungen und Skandalen beschäftigt. Unsicherheit und Irritation seien groß, meint die Tageszeitung "Le Monde". Viele Wähler seien noch unentschlossen. Nur zwei Drittel von ihnen seien überhaupt sicher, am 23. April zur ersten Wahlrunde zu gehen.

Dabei sollte dieses Mal alles ganz mustergültig und transparent ablaufen. Die bürgerliche Rechte kürte im vergangenen Jahr bei einer Vorwahl Ex-Premier Fillon als Spitzenkandidaten - der skandalumwitterte Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy hatte das Nachsehen. Der einstige Saubermann Fillon büßte aber wegen der Affäre um den Parlamentsjob seiner Frau viele Sympathiepunkte ein und liegt in Umfragen inzwischen nur noch abgeschlagen auf Platz drei.

Gespaltene Sozialisten

Die Sozialisten machten Benoit Hamon zum Frontmann. Der Ex-Minister mit einem stramm linken Programm schaffte es aber nicht, die gespaltene Partei zu einen und seinen Wahlkampf in Schwung zu bringen. Er liegt zur Zeit auf Platz vier.

Schwächen bei den Konservativen und den Sozialisten lassen viel Platz in der Mitte. Dort profiliert sich Polit-Jungstar Macron. Der als Unabhängiger antretende Macron liegt in Umfragen für die erste Wahlrunde knapp hinter der Rechtspopulistin Le Pen, der über 25 Prozent der Stimmen zugetraut werden.

Shooting-Star Macron könnte Le Pen schlagen

Der sozialliberale Shooting-Star Macron, der ganz klar für Europa eintritt, kann jedoch nach derzeitigen Szenarien Europafeindin Le Pen im entscheidenden Duell am 7. Mai schlagen. Die Justiz interessiert sich für einen Auftritt Macrons in Las Vegas 2016 wegen einer möglicherweise fehlenden Ausschreibung - der Ex-Minister steht dabei aber dem Vernehmen nach nicht im Mittelpunkt.

Le Pen sieht sich durch den Wahlsieg von Donald Trump in den USA und den angekündigten Brexit (EU-Austritt) der Briten gestärkt - schließlich will sie Frankreich aus der Eurozone führen und den Neuen Franc als Währung einführen. Die französische Justiz prüft schon länger, ob aus EU-Mitteln bezahlte Mitarbeiter von Europaabgeordneten der Front National in Wahrheit für die Partei tätig waren. Le Pen verzeichnet wegen des Vorgehens aber bisher keinen Beliebtheitseinbruch.

Fünf Wochen vor der Abstimmung fehle ein klares Thema für den Wahlkampf, meint "Le Monde". Am Montagabend wollten die fünf wichtigsten Kandidaten im TV-Sender TF 1 erstmals zu einem Schlagabtausch zusammenkommen. Zu der Runde gehört auch der wortgewaltige Linkspolitiker Jean-Luc Melenchon.

Die Tageszeitung "La Croix" erinnert daran, dass Skandale vor Wahlen in Frankreich nichts Neues seien. So musste der damalige Weltwährungsfonds-Chef Dominique Strauss-Kahn sein Amt nach Vergewaltigungsvorwürfen aufgeben - und damit auch endgültig seine Hoffnung begraben, in seinem Heimatland 2012 zum Präsidentschaftskandidaten der Sozialisten aufzusteigen. Es setzte sich Francois Hollande durch, der nach einer glücklosen Amtszeit im Elysee-Palast nicht wieder antritt.

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Dokument erstellt am 2017-03-20 08:38:18
Letzte nderung am 2017-03-20 13:45:28



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