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Update: 21.04.2017, 20:04 Uhr

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  • Pariser Polizei-Attentäter war wegen Mordversuchen zehn Jahre in Haft - IS bekennt sich zur Tat.

Polizeigewerkschafts-Chef Denis Jacob legt für seinen erschossenen Kollegen Blumen nieder.

Polizeigewerkschafts-Chef Denis Jacob legt für seinen erschossenen Kollegen Blumen nieder.© ap/Ena Polizeigewerkschafts-Chef Denis Jacob legt für seinen erschossenen Kollegen Blumen nieder.© ap/Ena

Paris. Nach dem Angriff auf ein Polizeiauto im Zentrum von Paris haben die Ermittler am Freitag den getöteten Attentäter identifiziert und drei seiner Familienangehörigen in Gewahrsam genommen. Zugleich wurde nach möglichen Komplizen des Anschlags gefahndet, zu dem sich die Terrorgruppe "Islamischer Staat" bekannt hat.

Polizisten durchsuchten dazu am frühen Freitagmorgen Objekte in einem östlichen Vorort von Paris, von wo der Attentäter stammte. Ein Sprecher des Innenministeriums sagte dem Sender Europe 1, man prüfe sämtliche Kontakte des Mannes - auch die zu möglichen Hintermännern im Ausland. In den Fokus rückte dabei Belgien. Ein als verdächtiger Genannter stellte sich der Nachrichtenagentur Belga zufolge in Antwerpen freiwillig den belgischen Behörden. Jedoch habe dieser keine Verbindung zu dem Anschlag, erklärte die dortige Staatsanwaltschaft. Das Propaganda-Sprachrohr des IS, Amaq, hatte am späten Donnerstabend, wenige Stunden nach dem Anschlag, den Kämpfer "Abu Yussef, den Belgier" als Täter angegeben. Tatsächlich stammte der Attentäter aber aus Frankreich, wie sich später herausstellte.

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Dieser hatte am Donnerstag
gegen 21 Uhr mitten auf den Champs-Élysées mit einer Schnellfeuerwaffe das Feuer auf einen Polizeiwagen eröffnet. Bevor der Mann von Sicherheitskräften erschossen wurde, hatte er einen Beamten getötet und einen weiteren schwer verwundet. Ein dritter Polizist sowie eine Deutsche erlitten leichte Verletzungen. Auf dem bei Touristen beliebten Prachtboulevard mit vielen Geschäften und Hotels brach nach dem minutenlangen Schusswechsel regelrechte Panik aus, auch die Sicherheitskräfte seien extrem nervös gewesen, berichteten Journalisten.

Dass der Terrorschütze während der Tat in Begleitung eines zweiten Mannes war, wie einige Augenzeugen berichteten, hat sich nicht erhärtet. Der Attentäter versuchte zunächst, zu Fuß zu flüchten, wurde schließlich aber von Beamten eingeholt und niedergestreckt. In seinem Auto fanden die Ermittler eine Pumpgun und zwei große Messer.

Nach Angaben der ermittelnden Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft wurde der Täter bereits identifiziert. Es handle sich um einen französischen Staatsbürger. Weitere Details zu seiner Person wollte die Behörde aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen. Medienberichten zufolge handle es sich bei dem Angreifer um einen mehrfach vorbestraften 39-Jährigen namens Karim Cheurfi. Aus Polizeikreisen verlautete, der Mann sei den Sicherheitsbehörden bekannt gewesen. Neben Diebstahlsdelikten wurden ihm zwei Mordversuche an Polizisten nachgewiesen. 2001 eröffnete er das Feuer auf einem Polizeibeamten und seinen Bruder nach einer Verfolgungsjagd in einem gestohlenen Auto. Während des anschließenden Polizeigewahrsams habe er einem Polizeischüler seine Waffe entrissen und fünf Mal auf ihn gefeuert, berichtete "Le Parisien" unter Berufung auf Sicherheitsquellen. Als radikaler Islamist war Cheurfi bisher allerdings nicht aufgefallen. Bei einer Razzia in seiner Wohnung am Freitag sei bei ihm allerdings ein Schreiben gefunden worden, in dem der IS verteidigt wird, verlautete aus Ermittlerkreisen.

2005 ist er wegen mehrfachen versuchten Mordes - unter anderem an einem Polizisten und an einem Polizeischüler - zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Anfang 2015 wurde er vorzeitig entlassen. Vor zwei Monaten, am 23. Februar, wurde Cheurfi wegen des Verdachts, Polizisten töten zu wollen, erneut festgenommen, mangels Beweisen kam er aber kurz darauf wieder frei.

Der Anschlag drei Tage vor der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl schürte Sorgen vor Angriffen auch während des Urnengangs. Erst zu Wochenbeginn hatten die französischen Behörden einen Anschlag zweier mutmaßlicher Dschihadisten in Paris vereitelt. Im November 2015 hatte eine in Belgien angesiedelte islamistische Terrorbande in der französischen Hauptstadt zeitgleich das Bataclan-Theater, mehrere Bars und das Stade de France angegriffen und dabei 130 Menschen in den Tod gerissen. Die beispiellose Terrorwelle im Land forderte seit 2015 bereits über 230 Tote.

Neben der deutschen Kanzlerin Angela Merkel und der britischen Regierung sprach auch US-Präsident Donald Trump den Franzosen sein Mitgefühl aus. "Es endet einfach nie", sagte er in Washington.




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Dokument erstellt am 2017-04-21 18:42:05
Letzte Änderung am 2017-04-21 20:04:36



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