• vom 03.05.2017, 19:27 Uhr

Europastaaten

Update: 03.05.2017, 19:37 Uhr

Frankreich

"Pest oder Cholera"




  • Artikel
  • Lesenswert (6)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Petra Edlbacher

  • TV-Schlagabtausch zwischen Le Pen und Macron - für viele Franzosen sind beide Präsidentschaftskandidaten unwählbar.



Paris. (apa) "Zwischen Pest und Cholera entscheide ich mich, nicht krank zu werden." Mit diesen drastischen Worten rufen unzufriedene französische Bürger in den sozialen Medien dazu auf, nicht zur Präsidentenwahl zu gehen. Vor allem sind es Sympathisanten der Linken, die weder mit dem wirtschaftsliberalen Kandidaten Emmanuel Macron noch mit der Rechtspopulistin Marine Le Pen etwas anfangen können. Das TV-Duell zwischen dem parteilosen Jungstar und der Rechtsextremistin, das gestern Abend über die Bühne ging, haben schon aus diesem Grund viele mit gemischten Gefühlen verfolgt.

Die breite Unterstützung Macrons durch die führenden Politiker des Landes kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich viele Franzosen vom am 7. Mai gewählten Präsidenten - egal, wer von beiden es wird - nicht wirklich repräsentiert fühlen werden. Warum der von der Linken als "neoliberal" attackierte Macron in Umfragen dennoch deutlich führt und die Wahl gewinnen dürfte? Weil viele die Kandidatin der Rechtsaußen-Partei Front National, die gegen Ausländer agitiert und sich nach wie vor für einen EU-Austritt einsetzt, eben noch weniger wollen.

Werbung

"Elite hat den Front
National bewusst genährt"

Der Philosoph Michel Onfray analysierte jüngst in einem Interview mit der Zeitung "Le Figaro" diese angespannte Situation, wobei er mit scharfer Kritik nicht sparte: Die politische Elite Frankreichs, insbesondere die Linke, habe die Arbeiter und die einfachen Menschen verraten, gleichzeitig aber den Front National zum Gottseibeiuns erkoren, um in Ruhe weiter regieren zu können. "Sie haben bewusst diesen Dämon, den sie angeblich hassen, seit einem Vierteljahrhundert genährt. Er ist ihnen sehr nützlich, damit das Präsidentenamt der Republik immer für einen der Ihren gesichert bleibt - für einen Freund des Kapitals (. . .)"

"Der Kandidat der Oligarchie", so bezeichnet auch Le Pen ihren Konkurrenten Macron, der trotz seiner Loslösung von den etablierten Parteienstrukturen nicht so richtig vom Image des "Elitären" loskommt. Sohn aus gutem Hause im nordfranzösischen Amiens, Schüler einer katholischen Privatschule und eines Pariser Elitegymnasiums, Absolvent der Elitehochschulen Sciences Po und ENA, Finanzbeamter, Investmentbanker, Berater von Präsident Francois Hollande, Wirtschaftsminister (. . .). Der Lebenslauf des 39-Jährigen mit den perfekt sitzenden Anzügen steht für jenes Frankreich, "das es sich richten kann", und das mittlerweile viele für die politische und wirtschaftliche Malaise des Landes verantwortlich machen.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-05-03 19:33:06
Letzte ─nderung am 2017-05-03 19:37:03



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Lindner gibt den Jamaika-Bremser
  2. Ein Sinnbild der Einsamkeit
  3. "Ein Kasperl Straches"
  4. Das nächste Katalonien in Italien?
  5. Messerattacken in München
Meistkommentiert
  1. "Ein Kasperl Straches"
  2. "Ich möchte nicht in seiner Haut stecken"
  3. EU fordert Sanktionen bei Flüchtlingsverteilung
  4. Kampf um Skopje
  5. Österreich klagt gegen deutsche Pkw-Maut

Werbung




Werbung


Werbung