• vom 08.06.2017, 18:07 Uhr

Europastaaten

Update: 08.06.2017, 23:32 Uhr

Großbritannien

Die Helden der London Bridge




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  • Ein britischer Fußballfan und ein spanischer Skateboarder trotzten den Terroristen mit beispiellosem Einsatz - nur einer von ihnen überlebte.

London/Madrid. (ast) Drei Attentäter richteten vergangenen Samstag in London ein Blutbad an. Sie töteten sieben Menschen und verletzten 48 weitere. Dass es nicht noch mehr Opfer gab, ist auch den Menschen abseits der Behörden zu verdanken, die mutig eingriffen.

Ein Fall bewegt neben den Briten auch ganz Spanien. Der begeisterte Skateboarder Ignacio Echeverría war am Samstagabend mit Freunden nahe der London Bridge in einem Park unterwegs, als er am Heimweg Zeuge einer Messerattacke wurde. Ein Mann griff eine Frau mit einem Messer an, der 39-jährige Anwalt Echeverría ging mit seinem Skatboard dazwischen und versuchte zu helfen, so Zeugen des Angriffs. Weitere Täter attackierten den Anwalt jedoch von hinten und stachen ihn zu Boden.

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Kritik an Verzögerungen
bei Identifizierung

Tagelang danach war der Spanier mit dem breiten Lächeln unauffindbar - niedergestochen sah man ihn zuletzt auf dem Straßenboden liegen, die Freunde flohen vor den Angreifern. In den Verletztenlisten schien Echeverría in Folge nicht auf. Die in London lebende Schwester und die aus Spanien eingeflogenen Eltern erhielten keinen Zutritt in die Spitäler, die Behörden blockten ab. Über Tage hinweg galt der Spanier schlicht als vermisst.

Das Schicksal Echeverrías bewegt die spanische und britische Öffentlichkeit, die Verzögerung bei der Identifizierung der Opfer macht viele wütend. Auch britische Medien berichteten über den "Skateboard-Helden" von der London Bridge. Verschwörungstheorien machten die Runde - wollte die Polizei etwa Fehler vertuschen, war der Spanier gar von der Polizei erschossen worden? Dann, am Mittwochnachmittag, die Gewissheit: Echeverría erlag den Messerstichen der Terroristen. Aus Spanien bereitgestellte Fingerabdrücke halfen, das Opfer schließlich zu identifizieren.

Der Brite Roy Larner hatte da mehr Glück. Der Fan des FC Millwall, dessen Wappen zwei rote Löwen zieren, saß in einem Steakhouse südlich der London Bridge, als die Terroristen in das Restaurant hereinplatzten. Die Täter riefe laut seiner Aussage "Islam, Islam" und "Das ist für Allah" - woraufhin der 47-Jährige einige Schritte auf die Täter zuging und mit "Fuck you, I’m Millwall!" dagegenhielt.

Einer Zeitung erzählte er danach: "I thought: ‚I need to take the piss out of these bastards.‘" Woraufhin die drei Terroristen ihn mit ihren Messern attackierten - Larner wehrte sich mit bloßen Fäusten. Die anderen Lokalbesucher flüchteten sich in die Hinterräume des Restaurants. Acht Mal stachen und schlitzten die Täter den Briten, überall sei Blut gewesen, so Larner.

Die Zivilcourage des Unerschrockenen hat in den sozialen Medien große Aufmerksamkeit gewonnen. "Der Löwe der London Bridge" bestätigt die allgemein bekannte Mentalität der Anhänger des Londoner Fußballclubs. Millwaller brüsten sich gerne damit, vor keinem Kampf zurückzuschrecken, und sind für ihren Fangesang "No one likes us, we don’t care" berühmt-berüchtigt.




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Dokument erstellt am 2017-06-08 18:11:22
Letzte ─nderung am 2017-06-08 23:32:13



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