• vom 08.06.2017, 23:28 Uhr

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Update: 09.06.2017, 06:37 Uhr

UK-Wahl

May holpert in Richtung Ziel




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  • Die Exit Polls halten es für möglich, dass die Tories die absolute Mehrheit verlieren.


© afp/J. Tallis © afp/J. Tallis

London. Theresa Mays Partei holte die Mehrheit in den britischen Parlamentswahlen - die absolute verpassten die Tories aber knapp. Laut den Exit Polls, den größten Nachwahlbefragungen im Land, kommen die Konservativen auf 314 Sitze, das sind genau zwölf zu wenig für eine absolute Mehrheit. Jeremy Corbyns Labour Party könnte 34 Sitze dazugewinnen und auf 266, die SNP der schottischen Premierministerin Nicola Sturgeon auf 34 Sitze kommen. Den Liberalen spricht die Befragung 14 Sitze zu.

Zuvor waren rund 47 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, ihr Kreuz zu machen. Das Votum fand unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt, die mehr als 40.000 Wahllokale in England, Schottland, Wales und Nordirland warenschwer bewacht. Nach dem Terroranschlag auf der London Bridge mit mehreren Toten am Samstag befand sich besonders die Hauptstadt unter starker Polizeibeobachtung.


Gewählt wurde in insgesamt 650 Wahlkreisen, durch das Mehrheitswahlrecht kann jeweils nur der Abgeordnete mit den meisten Stimmen ins Parlament einziehen. Von den 3304 Kandidaten waren 974 Frauen.



An den ungewöhnlichsten Orten konnten die Wähler ihre Stimme abgeben, neben Schulen und Gemeindehallen dienten am Donnerstag auch Bahnwaggons, Bücherbusse, ein Nagelstudio - und sogar Pubs. Im "Fox & Hounds" in Oxfordshire war das erfrischende Bier nach Erledigung der Wählerpflicht nicht weit. Andere Bürger konnten nebenbei noch eine Maschine Wäsche waschen oder Kalorien abtrainieren: Auch eine Münzwäscherei und Fitnesscenter wurden zu Wahllokalen umfunktioniert.

Jess Stubenbord (26) aus London wählte jedenfalls Labour. "Jeremy Corbyn überzeugt mich. Ich bin Techniker und möchte auf jeden Fall das Gesundheitssystem behalten. Das ist für mich momentan das Wichtigste", so Stubenbord. Simon Kitching (55) entschied sich hingegen für die Tories. "Eigentlich gibt es keine Wahl. Es gibt nur eine Möglichkeit, und das ist definitiv nicht Corbyn. Er kann das nicht", so Kitching. "Nur Theresa May ist momentan stark genug, dieses Land zu führen (. . .) Und sie wird auch den Terror eindämmen können. Ich bin mir sicher, mit ihr wird es uns gut gehen - auch nach dem Brexit. Wir werden uns damit arrangieren."

In recht konventionellem Rahmen, in einer Volksschule in seinem Londoner Wahlkreis Islington North, gab der Labour-Vorsitzende und Oppositionsführer Jeremy Corbyn seine Stimme ab. "Es ist ein Tag für unsere Demokratie. Ich habe gerade gewählt. Ich bin sehr stolz auf unseren Wahlkampf", sagte Corbyn danach vor dem Wahllokal.

Die britische Premierministerin Theresa May machte ihr Kreuz indes in ihrem Wahlkreis Maidenhead westlich von London. Einmal mehr waren auch bei diesem Auftritt ihre Schuhe das dominierende Thema. Mit ihren Ballerinas in Leopardenfellmuster samt schwarzer Schleife inspirierte sie sogar einen neuen Trend im Netz: Auf Twitter posteten Wähler Fotos ihrer "Wahlschuhe" unter dem Hashtag #votingshoes.

Queen wählte nicht
Die Vorsitzende der Scottish National Party (SNP), Nicola Sturgeon, gab ihre Stimme im verregneten Osten Glasgows ab. "Wir haben uns darauf konzentriert, die Wahlbeteiligung zu erhöhen", sagte sie. "Für die SNP zu stimmen ist die einzige Möglichkeit, Schottland eine starke Stimme zu garantieren."

Ganz sicher nicht gewählt hat indes die Queen. Zwar gibt es in Großbritannien kein geschriebenes Gesetz, das ihr das Wahlrecht abspricht. Trotzdem gehen Königin Elizabeth II. und ihre Familie nie wählen und kandidieren auch nicht für politische Ämter. Denn Aufgabe der Monarchie ist es, im Vereinigten Königreich Kontinuität zu stiften und die Gesellschaft zu einen - das verträgt sich nicht mit Parteinahme. In ihrer Rolle als Staatsoberhaupt muss die Monarchin politisch neutral bleiben.

Neben den etablierten Parteien versuchten diesmal wieder skurrile Fraktionen ohne jede Aussicht auf Erfolg ihr Glück. Eine der verrücktesten und fast schon etablierten Parteien auf der Insel ist die "Offizielle Partei der Durchgeknallten" (Official Monster Raving Loony Party), die bei dieser Wahl immerhin mit zwölf Direktkandidaten antrat. Seit den 1960er-Jahren mischt sie im Polit-Zirkus mit und fordert unter anderem ein noch komplizierteres Steuersystem, damit jeder Bürger ein Schlupfloch finden kann.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-06-08 23:32:06
Letzte ─nderung am 2017-06-09 06:37:11



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