• vom 22.06.2017, 17:22 Uhr

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Update: 22.06.2017, 17:39 Uhr

Islam

"Ein anderes Gesicht des Islam als Terror"




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Von WZ-Korrespondentin Christine Zeiner

  • Die Frauenrechtsaktivistin Seyran Ates eröffnete in Berlin eine liberale Moschee mit Predigten auf Deutsch.

Seyran Ates besteht darauf, dass sie als Frau predigen darf.

Seyran Ates besteht darauf, dass sie als Frau predigen darf.© afp/John Macdougall Seyran Ates besteht darauf, dass sie als Frau predigen darf.© afp/John Macdougall

Berlin. Burka, Bikini, Badehose - das muss nicht sein. Bekleidungsvorschriften gibt es aber eigentlich keine. In die liberale Moschee "Ibn-Rushd-Goethe" in Berlin kommen Frauen auch ohne Kopfbedeckung hinein. Sie müssen außerdem weder einen separaten Eingang benutzen, noch werden sie in einen eigenen Raum verwiesen. Homosexuelle sind willkommen; überhaupt sind der Beziehungsstand oder die sexuelle Orientierung nichts, was Besucher verstecken müssten.

Das ist etwas Besonderes - und ebenso, dass Sunniten, Schiiten, Aleviten und Anhänger anderer Ausrichtungen des Islam in der vor wenigen Tage eröffneten "Ibn-Rushd-Goethe-Moschee" (Ibn Rushd war im Mittelalter ein islamischer Aufklärer) zusammen beten. Gepredigt wird auf Deutsch.

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Die Berliner Anwältin und Frauenrechtsaktivistin Seyran Ates hat sich damit einen Traum erfüllt. Seit vielen Jahren hoffte die heute 54-Jährige darauf, eine liberale Moschee besuchen zu können. Schließlich wurde Ates selbst aktiv. "Gott hat uns als gleichwertige Wesen und gleichberechtigt geschaffen", sagt sie.

Das Thema Gleichberechtigung begleitet Ates ihr ganzes Leben lang. Aufgewachsen in einer traditionellen Familie, zunächst in der Türkei, kam sie mit sechs Jahren nach Berlin. Die Eltern - der Vater Kurde, die Mutter Türkin -waren Gastarbeiter; sie erzogen ihre Tochter streng, wenn auch religiös liberal.

Als 17-Jährige zog sie aus, sie "haute ab", wie Ates es nennt: Sie habe selbstbestimmt leben wollen. Ates war Hausbesetzerin, studierte Jus und arbeitete in einer Rechtsberatung für Frauen aus der Türkei - und wurde Opfer eines politischen Attentats. Ein Mann schoss sie und ihre Klientin an. Die Frau verstarb, Ates entging knapp einer Querschnittslähmung. "Meine Nahtoderfahrung bestärkte mich in meiner Spiritualität", sagt sie.

Eigentlich ist Religion für Ates etwas Privates. Wer in ihrer Familie gebetet habe, tat dies auch ohne "Tam Tam". Doch gegen Hassprediger könne man nur ankommen, wenn man ausreichend Liebe predige.

Glückwünsche
und Morddrohungen

Wer in die "Ibn-Rushd-Goethe-Moschee" will, muss auf das Grundstück der Johannisgemeinde im Berliner Bezirk Tiergarten: links vorbei an der evangelischen Kirche - einem roten Backsteinbau mit Rundbögen - und hinein in das kleine Haus dahinter. Eine Küche und einen Konfirmandenraum gibt es hier und im dritten Stock dann die Moschee. Besucher ziehen die Schuhe aus und stellen sie in einem der weißen Regale ab. Der Raum ist hell. Durch drei große Fenster fällt Licht. Der Boden ist mit weißem Teppich ausgelegt, in einer Ecke stehen Blumen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-06-22 17:26:18
Letzte ─nderung am 2017-06-22 17:39:08



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