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Update: 30.06.2017, 17:57 Uhr

Rechtsextremismus

Rechte Störer




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Von Michael Ortner

  • Identitäre sammeln Geld für "Anti-NGO"-Schiff auf rechtem Web-Portal.

Ein Flüchtlingsboot im Mittelmeer, aufgenommen am 23. Juni 2017. Die rechtsextremen Identitären haben ihre ganz eigene Vorstellung davon, wie man die Menschen retten will - sie wollen sie zurück nach Libyen bringen. - © Reuters/Darrin Zammit Lupi

Ein Flüchtlingsboot im Mittelmeer, aufgenommen am 23. Juni 2017. Die rechtsextremen Identitären haben ihre ganz eigene Vorstellung davon, wie man die Menschen retten will - sie wollen sie zurück nach Libyen bringen. © Reuters/Darrin Zammit Lupi

Wien. Die vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) als "offen rechtsextrem" eingestufte "Identitäre Bewegung" (IB) sammelt bereits seit einiger Zeit Geld für ein hochseetaugliches Schiff. NGOs, die im Mittelmeer Flüchtlinge vor dem Ertrinken retten, wollen sie damit bei ihrer Arbeit stören. "Unser Ziel ist die größtmögliche Behinderung der NGOs auf See" schreiben sie auf ihrer Kampagnenseite "Defend Europe". Sie inszenieren sich selbst als Grenzschützer, wollen Funksprüche der NGOs abhören, Flüchtlinge zurück nach Afrika bringen und Schlepperboote versenken.

Bereits Mitte Mai blockierten sie mit einem Schlauchboot kurzzeitig das Auslaufen eines Rettungsschiffs in der sizilianischen Hafenstadt Catania. Die Hafenbehörde griff allerdings ein.

Konten aufgelöst

Zunächst sah es schlecht für die Rechtsextremen aus, Geld für ein Schiff zu sammeln. Erst hat der Online-Bezahldienst Paypal das Konto der Identitären gesperrt, danach versuchten sie es mit einem Konto bei der Steiermärkischen Sparkasse. Doch dort wurde das Konto auf Druck der zivilgesellschaftlichen Kampagnenorganisation "aufstehn" aufgelöst. Mehr als 25.000 Unterschriften kamen gegen ihr Vorhaben zusammen. Ebenfalls gescheitert ist der Versuch, Geld über ein italienisches Konto aufzutreiben.


Doch nun dürfte die IB einen Weg gefunden haben, ihrem Ziel näher zu kommen. Auf der Website "Wesearchr" versuchen sie es, erneut Geld für ihre "Rettungsaktion" im Mittelmeer zu lukrieren. 80.000 Dollar kalkulieren die Rechtsextremen für einen zehn-bis 14-tägigen Einsatz vor der libyschen Küste. Bisher haben sie bereits etwas mehr als 36.000 Euro gesammelt. Laut Martin Sellner, Kopf der IB in Österreich, haben sie bereits ein Schiff gechartert: Die "C-Star", die knapp 40 Meter lang ist und unter mongolischer Flagge fährt. Derzeit liegt es noch im Hafen von Dschibuti. Die Crew soll aus Identitären aus mehreren Ländern bestehen. Von welchem Hafen sie auslaufen wollen, verrät Sellner nicht.

Fragwürdige Kampagnen

Wesearchr ist eine Crowdfunding-Plattform, die der "Alt-Right"-Bewegung in den USA nahe steht. Sie wurde 2015 von Chuck C. Johnson in Kalifornien gegründet, einem Blogger aus Los Angeles, der unter anderem auch für das rechtsextreme Medienportal "Breitbart" von Stephen Bannon gearbeitet hat. "Wesearchr" bezeichnet sich laut Eigenangaben als "journalistisches Unternehmen, das Informationen mit journalistischen Gehalt veröffentlicht, die von öffentlichem Interesse sind". In Wahrheit steckt eine rechte Crowdfunding-Plattform mit sehr fragwürdigen Kampagnen dahinter.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-06-30 13:45:55
Letzte nderung am 2017-06-30 17:57:50



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