• vom 13.08.2017, 09:00 Uhr

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Update: 13.08.2017, 10:02 Uhr

Mailand

Luxusquartiere statt leistbarem Wohnen




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Von Alexander Dworzak aus Mailand

  • Während in Italien die Wohnungspreise landesweit am Boden liegen, boomt Mailand.

Blick vom Mailänder Dom zu den Türmen in "Porta Nuova" (l.). Dort wurden im "Bosco Verticale" 20.000 Pflanzen eingesetzt (o. M.). Im Quartier "City Life" gibt es gar einen Golf-Abschlagplatz (u. M.). Auch hier dominieren Bürotürme und Luxuswohnungen (r.).

Blick vom Mailänder Dom zu den Türmen in "Porta Nuova" (l.). Dort wurden im "Bosco Verticale" 20.000 Pflanzen eingesetzt (o. M.). Im Quartier "City Life" gibt es gar einen Golf-Abschlagplatz (u. M.). Auch hier dominieren Bürotürme und Luxuswohnungen (r.).

Mailand. Betongold bleibt in der Eurozone groß in Mode. Dank der niedrigen Zinsen investieren viele Bürger in die eigenen vier Wände oder Renditeobjekte, dazu kommen institutionelle Anleger. Um vier Prozent legte der Hauspreisindex alleine im ersten Quartal 2017 zu. An der Spitze liegt Litauen, dort sind die Preise für Wohnungen, Einfamilien- oder Reihenhäuser im Vergleich zum Vorjahresquartal um zehn Prozent in die Höhe geschnellt, während Österreich mit 4,8 Prozent knapp über dem Schnitt liegt. Lediglich in zwei der 19 Eurozonen-Staaten sanken laut der EU-Statistikbehörde Eurostat die Preise: in Kroatien und in Italien.

Plus 130.000 Einwohner
Im Gegensatz zum landesweiten Trend boomt Mailand. Nachdem sie mit der Abwanderung der Industrie über Jahrzehnte an Bürgern verloren hatte, erfand sich die lombardische Metropole als Finanz- und Dienstleistungszentrum neu. Vom Höchststand 1971 mit mehr als 1,7 Millionen Einwohnern ging es bis auf 1,2 Millionen Personen im Jahr 2011 bergab. Aber innerhalb von nur fünf Jahren stieg die Einwohnerzahl bis Ende 2016 um knapp 130.000 Personen. Die Weltausstellung Expo im Jahr 2015 sorgte dabei für einen zusätzlichen Schub. Doch leistbarer Wohnraum ist Mangelware, die Preise für private Mietwohnungen unterliegen in Italien keinerlei Regulierungen.

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Lange brachliegende Quartiere und Industriegebiete in Zentrumsnähe mutieren derweil zu Filetstücken institutioneller Investoren. Auf dem Gelände der alten Messe, keine vier Kilometer nördlich des berühmten Doms, entsteht "City Life". Drei Bürotürme bilden das Zentrum, dort ist unter anderem der Versicherungsriese Allianz einquartiert. Im November wird ein Shoppingcenter eröffnet, das 100 Geschäfte beherbergen soll. Die Entwicklungsgesellschaft, eine Tochter des Versicherers Generali, greift zur besseren Vermarktung auf große Architektennamen zurück. Daniel Libeskind, Schöpfer des Jüdischen Museums in Berlin, und die zwischenzeitlich verstorbene Zaha Hadid - sie hatte in Österreich etwa mit dem Neubau des Innsbrucker Bergisel-Stadions Bekanntheit erlangt - sorgten für die Entwürfe von Luxuswohnungen am Rande des Areals. "Die Preise dafür liegen um 10.000 Euro pro Quadratmeter", erzählt die Architektin Katia Accossato. Sogar ein Golf-Abschlagplatz wurde errichtet - rund zehn Meter unter Straßenniveau, was auf kreative Nutzung eines doch nicht genutzten Bauteiles für Luxuswohnungen hindeutet.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-11 17:39:06
Letzte ─nderung am 2017-08-13 10:02:44



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