• vom 24.08.2017, 17:49 Uhr

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Update: 24.08.2017, 20:21 Uhr

Terror

Falscher Alarm in Rotterdam




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  • Der Zwischenfall in Rotterdam hat offenbar nichts mit dem Anschlag in Barcelona zu tun. Ein spanischer Richter stoppte 2015 die Abschiebung des Kopfes der katalanischen Terrorzelle.

Ein mit Gasflaschen gefüllter spanischer Kastenwagen versetzte Rotterdam in Alarmbereitschaft. - © afp/Arie Kievit

Ein mit Gasflaschen gefüllter spanischer Kastenwagen versetzte Rotterdam in Alarmbereitschaft. © afp/Arie Kievit

Rotterdam. (sig/ag) Die Entwarnung kam rasch, doch ein gewisser Schaden war bereits entstanden. Ein Konzert war abgesagt worden, Menschen hatten es mit der Angst zu tun bekommen. Am Donnerstag wurde dann klar: Es gibt keine Verbindung von dem Zwischenfall in Rotterdam mit den Anschlägen in Barcelona.

Begonnen hatte alles am Mittwoch mit einer Terrorwarnung aus Spanien: Ein Konzert der US-Rockband Allah-Las im niederländischen Rotterdam sei möglicherweise Ziel eines Anschlags. Das "Allah" im Namen hat den Kaliforniern schon öfter Drohungen durch gekränkte Muslimen beschert. Dann tauchte auch noch ein mit Gasflaschen beladener Lieferwagen mit spanischem Kennzeichen in der Nähe des Veranstaltungsorts auf. Sofort wurde mit der Evakuierung des Konzertsaals begonnen, den die Musiker unter Polizeischutz verließen.


Donnerstagfrüh teilten die Behörden dann mit, dass der Lenker des Fahrzeugs wahrscheinlich harmlos sei. Der Monteur aus Spanien sei betrunken gewesen. Für die verdächtige Ladung habe er eine nachvollziehbare Erklärung gehabt - die Gasflaschen seien für den Hausgebrauch gedacht. Ein zweiter Verdächtiger, den die Polizei in der Nacht festgenommen hatte, war indes auch am Donnerstag noch in Gewahrsam.

Dass die Gasfalschen im Kastenwagen des Spaniers für spontane Panik sorgten, kommt nicht von irgendwo. Nach dem Anschlag von Barcelona mit 14 Toten vor einer Woche hatten Ermittler bekanntgegeben, dass die mutmaßlichen Täter ursprünglich mehrere größere Anschläge auf Sehenswürdigkeiten in der katalonischen Hauptstadt geplant hatten. Zu diesem Zweck hatte die Terrorzelle 120 Gasflaschen und Sprengstoff in einem Haus in Alcanar gehortet. Doch dann durchkreuzte eine Explosion die Anschlagspläne. In den Trümmern des Hauses fanden Ermittler die Leiche des mutmaßlichen Kopfes der Terrorzelle: der Imam Abdelbaki Es Satty.

Schwerer Fehler
bei Umgang mit Imam

Eigentlich hätte der Marokkaner bereits 2015 aus Spanien abgeschoben werden sollen. Doch ein Richter stoppte die Ausweisung. Der Imam - der laut "Kronen Zeitung" im Herbst 2015 auch in Wien im 15. Bezirk gepredigt haben soll - stelle "keine ausreichend schwere Gefahr für die öffentliche Ordnung dar", befand der Jurist damals - ein schwerer Fehler, wie nun auch die spanische Justiz einräumen musste. Es Satty habe zum Zeitpunkt seiner geplanten Abschiebung eine vierjährige Haftstrafe wegen Drogenhandels verbüßt. Der Richter habe geurteilt, der Imam sei "um eine Integration in die spanische Gesellschaft" bemüht. Auch der informelle Hinweis eines belgischen Polizisten an einen katalanischen Kollegen im Jahr 2016 habe keine Konsequenzen gehabt, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Laut dem französischen Ex-Geheimdienstler Alain Rodier war der Imam eine Art Guru für die Mitglieder der Terrorzelle: Als zentrale Figur habe der 45-Jährige die orientierungslosen jungen Männer vereint und islamistisch ideologisiert. Weil sie ausschließlich offline kommunizierten und keine Handys benutzten, kam die spanische Polizei ihnen lange Zeit nicht auf die Schliche.

Mittlerweile gilt die für den Anschlag in Barcelona verantwortliche Terrorzelle als zerschlagen. Acht mutmaßliche Mitglieder sind tot, gegen zwei weitere laufen Ermittlungen.




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Dokument erstellt am 2017-08-24 17:54:06
Letzte Änderung am 2017-08-24 20:21:05



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