• vom 01.09.2017, 20:03 Uhr

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Update: 01.09.2017, 20:30 Uhr

Wirtschaftswachstum

Die neue Euro-Dynamik




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Von Reinhard Göweil

  • Mit dem Wirtschaftswachstum klettert auch der Kurs des Euro. Investmentbanker Wilhelm Hemetsberger erklärt, warum.

- © Moritz Ziegler

© Moritz Ziegler



Alpbach. Wilhelm Hemetsberger ist Eigentümer und Vorsitzender der Wertpapierfirma Ithuba. Davor war Hemetsberger unter anderem im Vorstand der Bank Austria für Kapitalmärkte tätig. Der Investmentbanker wurde zuletzt bekannt, weil er die ÖBB und das Land Salzburg beriet, glimpflich aus Spekulationsgeschäften auszusteigen. In Salzburg drehte er ein Risiko von mehr als 300 Millionen Euro noch in einen Überschuss von 96 Millionen Euro. Bei der Hypo Alpe Adria (jetzt Heta) half Hemetsberger bei der Einigung mit den Anleihegläubigern der Bank. Er trat in Alpbach bei den Finanzmarktgesprächen auf, mit der "Wiener Zeitung" sprach er - unter anderem - über die komplexe Welt des Devisenhandels.

"Wiener Zeitung":Die Zinsen im Dollar steigen, im Euro nicht. Trotzdem steigt der Wechselkurs des Euro auf 1,20. Warum? Das ist doch eigentlich unlogisch, der Dollar ist nach wie vor die unbestrittene Leitwährung.


Wilhelm Hemetsberger: Der Dollar ist nicht mehr der Dollar seit Donald Trump. Die USA sind weniger berechenbar geworden. Trump bringt vieles nicht durch, etwa die Steuerreform. Und seine Partei, die Republikaner, verabschiedet sich von ihm. Das macht Angst, den Aufschwung zu gefährden. Gleichzeitig gibt es eine große wirtschaftliche Dynamik in Europa.

"Der Dollar ist nicht mehr der Dollar", sagt Ithuba-Chef Wilhelm Hemetsberger.

"Der Dollar ist nicht mehr der Dollar", sagt Ithuba-Chef Wilhelm Hemetsberger.© Ithuba "Der Dollar ist nicht mehr der Dollar", sagt Ithuba-Chef Wilhelm Hemetsberger.© Ithuba

Die Nationalbank rechnet nun in Österreich mit 2,75 Prozent Wachstum, auch Deutschland boomt. Aber es gibt ja noch Probleme in großen Ländern wie Italien und den Brexit. Das spielt alles keine Rolle?

Die Investitionen in der Realwirtschaft steigen überall. In den zehn Jahren seit Beginn der Finanzkrise sind die Überkapazitäten abgebaut worden. Das schafft Vertrauen in die Eurozone. Und Österreich ist wirtschaftlich gesprochen ein "Deutschland mit Hebel". Wenn es runtergeht, geht es in Österreich stärker runter, beim Aufschwung wächst Österreich stärker. Das ist jetzt der Fall. Und die deutsche Exportindustrie hat starke Fertigprodukte, die nicht so wechselkurssensibel sind.

Aber der Hüter des Dollars ist die US-Notenbank Fed. Dort ist nach wie vor Janet Yellen Chefin, und bei Zinsänderungen ist die Fed unabhängig von der Administration. Das spielt keine Rolle?

Die Europäische Zentralbank interveniert nicht am Devisenmarkt. EZB-Chef Mario Draghi hat bei einem Kurs von 1,40 verbal interveniert, das genügte. Der Euro-Dollar-Markt ist in Händen der Profitmaximierer. Und der Euro gilt wegen des Aufschwunges derzeit als sicherer Hafen. Und man muss eines feststellen: Der Euro pendelte jetzt länger zwischen 1,05 und 1,10 zum Dollar. Aber ein Kurs um 1,20 entspricht wohl mehr einem langfristigen Durchschnitt.

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Dokument erstellt am 2017-09-01 20:09:11
Letzte ─nderung am 2017-09-01 20:30:33



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