• vom 14.09.2017, 21:12 Uhr

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Update: 15.09.2017, 07:30 Uhr

Russland

Virtuelle und reelle Kriegsspiele




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  • Russisch-weißrussisches Großmanöver an der Ostflanke der EU hat begonnen - Nato zeigt sich besorgt.



Moskau/Minsk/Brüssel. (reu/is) Das voraussichtlich größte Militärmanöver Russlands seit dem Ende des Kalten Krieges ist angelaufen. Die Nato-Länder, allen voran Polen und die baltischen Staaten, verfolgen das martialische Armeespektakel mit Argusaugen. Knapp 400 Panzer und gepanzerte Fahrzeuge, 70 Kampfjets und Hubschrauber, zehn Kriegsschiffe und knapp 13.000 Soldaten wurden offiziell für die Übung "Sapad 2017" an der EU-Grenze abgestellt - die Nato spricht von bewusster Untertreibung. Sie schätzt allein die Truppenstärke auf 100.000 Soldaten. Auch Moskaus Behauptung, bei dem gemeinsamen russisch-weißrussischen Kriegsspiel an der Ostflanke der EU werde lediglich die Abwehr eines Nato-Militärangriffs geprobt, stößt nach den Erfahrungen auf der Krim in der westlichen Allianz auf große Skepsis. Die ukrainische Halbinsel war von Russland kurz nach Abschluss des Großmanövers 2013 annektiert worden.

Dass die russische Propagandamaschinerie gerne auf Fake News setzt, um den Westen zu täuschen, zu diskreditieren und anti-westliche Ressentiments zu schüren, ist bekannt. Bei "Sapad 2017" setzten die Trollfabriken erstmals auch auf Fake Contries. Russische und weißrussische Generäle ließen ihrer Fantasie bei den Planspielen freien Lauf.

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Virtuelles Feindesland
In deren Zentrum steht Wejschnorija. Separatisten der fiktiven, von Weißrussland abtrünnigen Republik mit dem klangvollen Namen kämpfen für die Unabhängigkeit. Rückendeckung bekommen sie von den westlichen Nachbarländern Wesbaria und Lubenia. Auf dem Höhepunkt des Aufstandes versucht Wejschnorija zusammen mit Wesbaria und Lubenia, ganz Belarus zu besetzen. Doch Moskau und das traditionell eng verbündete Minsk sind bereit, sich dem Feind heroisch entgegenzustellen - und gehen schließlich als Sieger aus dem Kampf gegen den Westen hervor.

Moskaus Botschaft ist klar: Wer sich mit Russland oder seinen Freunden anlegt, muss mit Konsequenzen rechnen. Es bedarf auch wenig Fantasie, um zu wissen, dass es sich bei Wesbaria und Lubenia, Wejschnorijas Verbündeten, um Polen und Litauen handelt.

Das Feindesland, das auf Litauisch "gastfreundlich" bedeutet, erfreut sich online inzwischen großer Beliebtheit. Zahlreiche Videos kursieren im Internet, in einigen sieht man Panzer mit NS-Flagge, die das friedliche Belarus überrollen. Wejschnorija, im äußersten Westen Weißrusslands gelegen, besitzt inzwischen neben einem Präsidenten und einem Außenministerium auch bereits eine Hymne. Sie stammt von der Gruppe Stary Olsa, einer weißrussischen Musikgruppe, die mittelalterliche Volksmusik aus der Zeit des Großfürstentums Litauen spielt. Wer will, kann auch einen virtuellen wejschnorijasischen Pass beantragen.

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Schlagwörter

Russland, EU, Weißrussland, NATO

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-14 21:18:06
Letzte Änderung am 2017-09-15 07:30:28



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