• vom 18.09.2017, 20:30 Uhr

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Unabhängigkeit

Türkei startet vor Kurdenreferendum Großmanöver




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    Ankara/Erbil. Eine Woche vor dem geplanten umstrittenen Unabhängigkeitsreferendum der irakischen Kurden hat die Türkei ein großangelegtes Militärmanöver an der irakischen Grenze gestartet. Wie die Armee am Montag mitteilte, findet das Manöver unter Beteiligung von Panzern in der südtürkischen Region Silopi-Habur statt. Die Tageszeitung "Hürriyet" berichtete, fast 100 Militärfahrzeuge nähmen an der Militärübung nahe dem türkisch-irakischen Grenzübergang Habur teil.

    Der Präsident der autonomen Kurdenregion im Nordirak, Massoud Barzani, will am kommenden Montag über die Unabhängigkeit der Region abstimmen lassen. Sowohl die Zentralregierung in Bagdad als auch die Nachbarn Iran und Türkei lehnen den Volksentscheid entschieden ab und drohen den irakischen Kurden mit Konsequenzen, sollten sie die Abstimmung durchziehen. Der Oberste Gerichtshof des Irak ordnete zudem am Montag die Aussetzung des Referendums an, um Klagen prüfen zu können, wonach dieses verfassungswidrig sei.


    Der Volksentscheid ist nicht bindend und würde nicht automatisch zur Loslösung der Kurdenregion führen, doch deren Unabhängigkeitsbestrebungen neuen Schwung geben. Ankara und Teheran fürchten daher, dass sich ihre eigenen kurdischen Minderheiten durch das Unabhängigkeitsreferendum ermutigt fühlen, die Abspaltung zu suchen. Die türkische Regierung bezeichnete das geplante Referendum wiederholt als "Fehler" und warnte, die Kurdenregierung in Erbil werde einen "Preis" zahlen und die Abstimmung könnte zu einem "Bürgerkrieg" führen.

    Kritisch steht man dem Referendum allerdings auch in Europa und den USA gegenüber. Die US-Regierung drängte die kurdischen Entscheidungsträger am vergangenen Freitag, das "enorm riskante" Referendum vorerst (wie schon 2014) abzusagen, um den Frieden in der ölreichen Region nicht zu gefährden. In Washington befürchtet man, dass sich die Kooperation der irakischen Regierung mit den Kurden im Kampf gegen den Terror zerschlagen könnte.




    Schlagwörter

    Unabhängigkeit, Kurden, Türkei

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    Dokument erstellt am 2017-09-18 18:09:11



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