• vom 24.09.2017, 21:40 Uhr

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Update: 24.09.2017, 21:50 Uhr

Bundestagswahl

Schlagabtausch in der Elefantenrunde




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Von WZ Online, APA/AFP

  • Schulz macht Merkel für AfD-Erfolg verantwortlich, Kanzlerin und FDP-Chef kritisieren SPD-Absage an Koalitionsgespräche.

Schulz und Merkel in der "Elefantenrunde", der traditionellen TV-Debatte der Spitzenkandidaten nach der Wahl. 

Schulz und Merkel in der "Elefantenrunde", der traditionellen TV-Debatte der Spitzenkandidaten nach der Wahl. © APAweb / AFP, Gero Breloer Schulz und Merkel in der "Elefantenrunde", der traditionellen TV-Debatte der Spitzenkandidaten nach der Wahl. © APAweb / AFP, Gero Breloer

Berlin. SPD-Chef Martin Schulz hat die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel am Wahlabend scharf angegriffen und sie für das starke Abschneiden der AfD bei der Bundestagswahl verantwortlich gemacht. "Ich glaube, dass Frau Merkel einen Wahlkampf geführt hat, der skandalös war", sagte Schulz am Sonntagabend in der sogenannten Elefantenrunde von ARD und ZDF.

"Diese systematische Verweigerung von Politik hat ein Vakuum entstehen lassen, dass die AfD teilweise geschickt gefüllt hat", warf Schulz der Kanzlerin vor. "Ich glaube, dass Frau Merkel eine große Verantwortung dafür trägt." Die Verluste der Union seien eine "verdiente Niederlage" dafür.

"Die Große Koalition ist abgewählt"

Schulz bekräftigte, dass er die künftige Rolle seiner Partei in der Opposition sieht. "Und zwar in einer Opposition, die sehr konstruktiv, aber auch sehr hart sein wird." Die Große Koalition sei abgewählt. Die SPD werde ihre Verantwortung in der geschäftsführenden Regierung noch wahrnehmen, bis eine neue Regierung im Amt sei - aber "keinen Tag mehr, denn diese Regierung ist abgewählt".

Wenn die SPD in die Opposition geht, ist rechnerisch als künftiges Regierungsbündnis nur eine Jamaika-Koalition aus Union, FDP und Grünen möglich. Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner betonte: "Wir sind nicht zum Regieren verdammt, aber wir sind natürlich bereit, Verantwortung zu übernehmen." Die klare Absage der SPD an eine neue Regierungsbeteiligung kritisierte der FDP-Chef scharf.

"Fortsetzung des Wahlkampfs"

Lindner warf Schulz eine "Fortsetzung des Wahlkampfs" vor. "Es geht darum, die Stabilität der Bundesrepublik Deutschland in aufgeregten Zeiten in Europa und der Welt zu sichern", sagte Lindner. "Und da prüfe sich bitte jeder sorgfältig, welchen Beitrag er dazu leisten kann und welche Rolle er einnimmt." Er wolle nicht zulassen, "dass die SPD allein darüber entscheidet, wer jetzt in eine Regierung gezwungen wird oder nicht".

Auch Merkel kritisierte, dass Schulz eine Koalition kategorisch ausschloss. Es gebe rechnerisch zwei Möglichkeiten für eine Regierung, auch für die Große Koalition, hob Merkel hervor. Insofern sei die von Lindner aufgeworfene Frage nach der Verantwortung "keine theoretische Frage, sondern eine sehr praktische". Die Union werde auf die einzelnen Parteien zugehen - ob die SPD wirklich nicht für Gespräche zur Verfügung stehe, könne am Montag noch einmal geklärt werden. Einer Minderheitsregierung wies Merkel zurück. "Ich sehe das nicht. Ich habe die Absicht, dass wir zu einer stabilen Regierung in Deutschland kommen", sagte sie.

"Schwierig und kompliziert"

Schulz wies Merkels Aufforderung zurück, doch noch über den Eintritt in eine Koalition zu verhandeln. Die SPD werde einer Jamaika-Koalition "in scharfer Opposition entgegentreten", kündigte er an. "Unsere Aufgabe ist es, in Deutschland eine Konfrontation herzustellen, die dieses Land dringend braucht." Ein Bündnis zwischen Union, Grünen und FDP werde Deutschland wahrscheinlich "in eine Lähmung führen".

Die Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt sagte, ihre Partei wolle "nicht auf jeden Fall" regieren. Die Situation sei sehr "schwierig und kompliziert". Der Einzug der AfD in den Bundestag bedeute für alle Demokraten, "dass sie sich Verantwortung stellen". Das könne aber keine Ergebnisse von Koalitionsgesprächen vorwegnehmen. Von der FDP trenne die Grünen sehr vieles, insbesondere ökologische und soziale Fragen. "Darüber wird zu reden sein, ich weiß nicht, ob es zu einem Ergebnis kommt."

Lindner markierte indes bereits rote Linien in der Europapolitik. So sprach er sich mit Blick auf die Vorstellungen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron strikt gegen ein gemeinsames Budget der Euro-Staaten mit Transferleistungen in andere Mitgliedsländer aus. "Das wäre für uns unvorstellbar und wird deshalb eine rote Linie sein."





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Dokument erstellt am 2017-09-24 21:41:39
Letzte ─nderung am 2017-09-24 21:50:44



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