• vom 28.09.2017, 17:29 Uhr

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Update: 28.09.2017, 18:02 Uhr

Katalonien

Von Faschisten und anderen Künstlern




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  • Wer nicht für sie ist, ist gegen sie: In Katalonien heizt sich die Stimmung vor dem geplanten Referendum weiter auf.

Unbeirrt für die Unabhängigkeit: Carles Puigdemont ist die Galionsfigur der Separatisten. - © afp/Lago

Unbeirrt für die Unabhängigkeit: Carles Puigdemont ist die Galionsfigur der Separatisten. © afp/Lago

Barcelona. (wak) "Faschist!" - ausgerechnet der katalanische Singer-Songwriter Joan Manuel Serrat, einer der wichtigsten Vertreter katalanischer Musiker, wurde nun von Befürwortern des Unabhängigkeitsreferendums im Internet als Faschist beschimpft. Dabei weigerte sich Serrat während der Franco-Diktatur 1967 bei seiner geplanten Songcontest-Teilnahme in einer anderen Sprache als Katalanisch zu singen. Daraufhin wurde sein Auftritt von der Madrider Zentralregierung verhindert. Franco ist 1975 gestorben. Sein Erbe lebt aber weiter. Unter anderem darin, dass viele Katalanen in einer Zentralregierung in Madrid ein Führerprinzip wittern, und den spanischen Staat ablehnen. Und wenn dann ein prominenter Katalane wie Serrat das Unabhängigkeitsreferendum vom kommenden Sonntag ablehnt, weil er nicht mit der Art und Weise einverstanden ist, wie es durchgeboxt worden ist, dann werden Meinungen wie seine reflexartig als Faschismus verunglimpft. "Entweder wissen sie nicht, was der Faschismus ist", erklärte der 1943 geborene Serrat bei einer Pressekonferenz in Buenos Aires, "oder sie suchen einfach nur irgendeine Beleidigung, wie für einen Schiedsrichter beim Fußball, der etwas entscheidet, das uns nicht gefällt - und wir uns dann an dessen Mutter besinnen, ohne dass diese Dame tatsächlich etwas mit dem Beruf zu tun hätte, der ihr dann in Folge angedichtet wird."

Der Grund, warum Serrat als Faschist tituliert wurde: Er hatte vergangene Woche erklärt, dass es antidemokratisch und wenig transparent sei, ein Referendum abzuhalten, bei dem es keine Mindestbeteiligung gibt, und bei dem absehbar ist, dass die zwei Millionen Unabhängigkeitsbefürworter 95 Prozent der Wähler ausmachen, aber die große Mehrheit der 7,5 Millionen Katalanen nicht teilnehmen wird.


Auch andere Künstler nehmen den zunehmenden, separatistischen Nationalismus in Katalonien besorgt wahr: "Die Separatisten spalten die Gesellschaft in gute Katalanen, sprich Unabhängigkeitsbefürworter, und schlechte Katalanen", meint die katalanische Schriftstellerin Nuria Amat im Gespräch mit der APA; Amat ist deshalb aus Barcelona nach Madrid gezogen.

"Europäische Dimension"
Viele geben dem gegenseitigen Aufschaukeln zwischen katalanischen Nationalisten und der konservativen Regierung des Partido Popular (PP) in Madrid die Schuld an der zunehmenden Eskalation. Madrid wirft der katalanischen Regierung die Überschreitung ihrer Kompetenzen vor. Das Verfassungsgericht hat das geplante Votum als unzulässig abgelehnt. Madrid hat mehrere Funktionsträger der Regionalregierung festgenommen, Wahlzettel beschlagnahmt und Internet-Seiten gesperrt.

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Dokument erstellt am 2017-09-28 17:33:09
Letzte nderung am 2017-09-28 18:02:16



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