• vom 04.10.2017, 21:26 Uhr

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Update: 05.10.2017, 07:49 Uhr

Katalonien

"So nicht!"




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Neuerliches Referendum
als Hintertür?

Doch nicht einmal in Puigdemonts Regierungskoalition, deren einziges Bindemitglied schon im Namen ist - Junts pel Si (Gemeinsam für das Ja, nämlich das Ja zur Unabhängigkeit) -, ist man sich sicher, wie man am liebsten verfahren möchte. Der katalanische Politologe Oriol Bartomeus erkärt im APA-Gespärch, dass etwa ein Flügel von Puigdemonts gemäßigt nationalistischer PDECat sowie die separatistische, linksradikale CUP und die Linksrepublikaner der ERC von Kataloniens Vizepremier Oriol Junqueras für die sofortige, einseitige Unabhängigkeitserklärung sind. Dagegen tritt auch eine starke Fraktion für das Abwarten ein: Sie will einen Verfassungsvorschlag ausarbeiten, der innerhalb von sechs Monaten in einem neuen Referendum verabschiedet werden könnte, versichert Lola Garcia, stellvertretende Chefredakteurin von Kataloniens größter Tageszeitung "La Vanguardia", der APA.

Der Artikel 155 der spanischen Verfassung erlaubt der Zentralregierung ein Eingreifen in einer autonomen Region, falls diese ihre Pflichten vergisst. Mittwoch stattete der spanische Innenminister ostentativ der spanischen Nationalgarde in Barcelona einen Besuch ab. Madrid entsendete auch zwei Konvois mit "Material zum Übernachten" für die Nationalgarde und die Guardia Civil auf das Militärgelände San Boi, nachdem, wie berichtet, die Polizeieinheiten aus Madrid Probleme hatten, in Katalonien weiterhin Hotelzimmer zu bekommen, da die Anrainer nach den gewaltsamen Polizeiaktionen vom Sonntag dagegen protestierten. Die Madrid basierte Zeitung "El Pais" berichtete von einem katalanischen Lehrer in Sant Andreu de la Barca, der der 15-jährigen Tochter eines Guardia Civil am Montag die Geschehnisse vorgeworfen hatte: "Bist du zufrieden mit dem, was dein Vater gemacht hat?", soll der Lehrer gesagt haben. Ein anderer habe seiner Klasse erklärt, dass die Guardia Civil "nichts kenne, außer Schläge zu verteilen."

Die Bevölkerung ist zunehmend gespalten, die Angst vor einer neuerlichen, vielleicht viel schlimmeren gewaltsamen Auseinandersetzung liegt in der Luft.

In den nun von Madrid entsandten Konvois bestehend aus 20 Lkw wurden Schlafkojen, Kochutensilien, mobile Duschen sowie Kästen geliefert, damit jene Uniformierte, die aus dem Ort Pineda de Mar hinauskomplimentiert wurden, das notwendigste zum Übernachten habe. "Damit für den Fall der Fälle die nationalen Einsatzkräfte und die Sicherheitspolizei das Gelände des Militärs verwenden können", hieß es aus dem Innenministerium.

Negativ wirkten sich die politischen Entwicklungen auf den spanischen Börsenindex Ibex aus. Er verlor am Mittwoch 2,85 Prozent - der höchste Tagesverlust seit dem Brexit-Referendum. Besonders Bankentitel verloren.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-10-04 21:30:09
Letzte ńnderung am 2017-10-05 07:49:45



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