• vom 13.11.2017, 20:51 Uhr

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Update: 13.11.2017, 21:33 Uhr

Deutschland

Arbeitslosengeld aus dem Supermarkt




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  • Deutscher Sozialverband warnt vor möglicher Stigmatisierung.

Geld aus dem Supermarkt mitnehmen, statt Geld dortzulassen? - © APAweb/AFP, MALUKAS

Geld aus dem Supermarkt mitnehmen, statt Geld dortzulassen? © APAweb/AFP, MALUKAS

Berlin. Die deutsche Bundesagentur für Arbeit (BA) verbannt das Bargeld aus allen Jobcentern und Arbeitsagenturen. Stattdessen sollen Arbeitslose an den Kassen von Supermärkten und Drogerien Geld ausgezahlt bekommen, sagte ein BA-Sprecher und bestätigte damit einen Bericht der "Welt am Sonntag".

Die-Linke-Arbeitsmarktexpertin Sabine Zimmermann warf der BA vor, eine staatliche Aufgabe an Supermärkte zu delegieren. Der Paritätische Wohlfahrtsverband sieht die Gefahr einer Stigmatisierung.


Im vergangenen Jahr zahlte die Bundesagentur bei 400.000 Vorgängen über ihre eigenen Automaten insgesamt 120 Millionen Euro an Bargeld aus, wie der BA-Sprecher erklärte. Für die gut 300 Kassenautomaten mussten die Agenturen bisher 3,2 Millionen Euro pro Jahr aufwenden. Dem BA-Sprecher zufolge wird aber weiterhin wie bisher der mit Abstand größte Teil des Arbeitslosengeldes per Überweisungen an Betroffene geleitet. Auch die von den Jobcentern ausgegebenen Barschecks blieben erhalten.

So gehe es vor allem um Auszahlungen in Notfällen - etwa, wenn Leistungsberechtigte an einem Freitag Bargeld benötigen und eine Überweisung entsprechend nicht mehr ankomme. Aber auch Obdachlose ohne eigenes Konto können so Geld erhalten.

Eine Stigmatisierung der Betroffenen solle dadurch vermieden werden, dass die zur Auszahlung gewählten Barcode-Zettel neutral gedruckt würden. Die Formulare werden an der Kasse abgegeben, im Gegenzug gibt es das Bargeld.

Der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, Ulrich Schneider, lehnte die Pläne in der Berliner Zeitung "B.Z." ab. "Wenn das ein Bescheid mit einem Barcode ist, den man in der Supermarktschlange an der Kasse vorzeigen muss, um Geld ausbezahlt zu bekommen, ist das ein denkbar indiskretes Verfahren", befand Schneider. Wenn so etwas gemacht werde, müsse "absolute Diskretion" gewährleistet sein, um jede Stigmatisierung auszuschließen. "Uns ist noch nicht klar, wie das in der Praxis funktionieren soll."




Schlagwörter

Deutschland, Arbeistlosigkeit

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Dokument erstellt am 2017-11-13 20:56:03
Letzte ─nderung am 2017-11-13 21:33:54



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