• vom 14.11.2017, 17:24 Uhr

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Update: 15.11.2017, 08:46 Uhr

Dänische Volkspartei

Bart ab!




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Von WZ-Korrespondent André Anwar

  • Rechtspopulistische Dänische Volkspartei tritt Debatte zum Verbot von muslimisch anmutenden Männerbärten los.

Eindeutig handelt es sich hier um einen Hipster. Oder?

Eindeutig handelt es sich hier um einen Hipster. Oder?© Pxhere Eindeutig handelt es sich hier um einen Hipster. Oder?© Pxhere

Kopenhagen/Stockholm. (ce) Die erfolgsverwöhnte rechtspopulistische Dänische Volkspartei (DF) ruht sich nicht auf Teilsiegen aus. Sie ist immer ein Stück voraus, setzt die Agenda, die Parteien der Mitte trotten ihr nach. Bei der bisher letzten Parlamentswahl im Jahr 2015 ist sie mit 21,1 Prozent zweitstärkste Partei hinter den Sozialdemokraten geworden. Erstmals rangierte die DF vor den Konservativen und hat jüngst sowohl Sozialdemokraten sowie bürgerliche Kräfte für ein landesweites Verbot von Burka und Nikab begeistern können.

Auf der Suche nach neuen Verboten ist nun eher zufällig ein besonders einflussreiches Parteimitglied fündig geworden. Der 71-jährige Henrik Thorup ist Ehemann der früheren DF-Parteichefin Pia Kjaersgaard; sie führte die einst bedeutungslose Partei ab den 90ern bis 2012. Thorup ist nun Spitzenkandidat bei der Kommunalwahl in der Hauptstadtregion am 21. November. Beim Besuch einer Rettungsstelle in einem Kopenhagener Krankenhaus wurde ausgerechnet er von einem südländisch aussehenden Arzt mit einem unübersehbaren Vollbart behandelt. Vermutlich war der Arzt Moslem. Oder er trug den Vollbart, der bei Trendbewussten nach dem früher angesagten populären Dreitagebart Mode ist.


"Arzt markiert", Moslem zu sein
Nach dem Arztbesuch forderte Thorup ein Vollbartverbot im Gesundheitswesen. "Der Arzt markiert ja: Ich bin Moslem. Kein Däne geht als Arzt mit einem solchen Bart herum", behauptete Thorup gegenüber der Tageszeitung "Berlingske". "Wer einen solchen Bart in dieser Größe trägt, gehört einer gewissen Religion an. Und das gefällt mir nicht", sagte er und sprach vor dem "Kniefall Dänemarks vor muslimischen Traditionen".

Der Fraktionschef der Dänischen Volkspartei im Parlament, Peter Skaarup, unterstütze das geforderte Verbot sofort und brachte das Thema so auf nationale Ebene. Da er etwas jünger ist als Thorup und keine trendbewussten Wähler vergraulen will, schränkte er aber gleich ein: Seine Fraktion befürworte ein Verbot von Vollbärten, die aus "religiösen Motiven" getragen werden. "Moderne Vollbärte" seien dagegen Privatsache, stellte er klar. Kopenhagen ist schließlich eine Modemetropole, in den Trendcafés und Bars tummeln sich schließlich viele vollbärtige Hipster.

Der Unterschied sei klar
Ob man denn den Unterschied der verschiedenen Bärte sehen könne, fragte der Reporter der Zeitung "Berlingske". "Ja, das kann man ganz klar", unterstrich Skaarup. Die Debatte erinnert an jene über das Verschleierungsverbot in Österreich. Während einige dem Vorstoß recht gaben, weil religiöse Symbole mit Ausnahme einer Kapelle nicht in dänische Krankenhäuser gehörten, machten andere Witze über den Vorschlag.

Ausgerechnet der legendäre dänische National- und Sagenheld Holger Danske, Jesus, aber auch der Weihnachtsmann hätten schließlich Vollbärte, unken sie im Internet, teils vielleicht aus religiösen Motiven.

Der Druck auf Thorup vor den Kommunalwahlen wurde letztlich zu groß. Er werde, sollte er gewählt werden, erst einmal nicht versuchen, ein Bartverbot in Kopenhagens Krankenhäusern einzuführen, gab er zu verstehen. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Er finde weiterhin, dass solche Bärte eine "Unsitte sind und etwas, das Verunsicherung" bei Patienten schaffe.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-11-14 17:29:06
Letzte ńnderung am 2017-11-15 08:46:57



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