• vom 28.12.2017, 20:30 Uhr

Europastaaten


Deutschland

Aufschwung ohne Ende?




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Von Rene Wagner

  • Was den Wirtschaftsboom in Deutschland beenden könnte.

Der Standort Deutschland wird unattraktiver, klagen einige. - © afp

Der Standort Deutschland wird unattraktiver, klagen einige. © afp

Berlin. (reu) Deutschland brummt: Die Wirtschaft ist 2017 bereits das achte Jahr in Folge gewachsen. 2018 dürfte allen Prognosen zufolge das neunte Wachstumsjahr folgen. Weder die Euro-Krise noch die zwischenzeitliche Flaute der Weltwirtschaft oder der Schock nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten konnten Europas größte Volkswirtschaft bislang aus dem Takt bringen. Kann an der Teflon-Ökonomie etwas haften bleiben, das sie zum Schrumpfen bringt? Experten erwarten dies weder für heute noch morgen, warnen aber vor mittelfristigen Risiken.

Holger Schmieding sieht vor allem externe Gefahren. "Unser Aufschwung wird wohl durch einen Schock von außen, beispielsweise eine US-Rezession 2020 oder 2021, beendet - und nicht als Folge einer überhitzten Konjunktur daheim", sagt der Chefvolkswirt der Berenberg Bank. Jenseits des Atlantiks dauert der Aufschwung noch länger. "In den USA ist das Risiko deshalb wesentlich größer als bei uns, dass es zu Übertreibungen bei Krediten, Investitionen, im Wohnungsbau oder bei Immobilienpreisen kommt, die in einer Rezession danach bereinigt werden müssten", erklärt Schmieding. Damit einhergehen könnte ein starker Inflationsdruck, "den die Zentralbank beantworten müsste, indem sie die Konjunktur abwürgt" - etwa durch deutlich höhere Zinsen.


Auch Andreas Rees geht davon aus, dass am ehesten die Vereinigten Staaten der deutschen Konjunktur gefährlich werden könnten. "In den USA könnten Steuersenkungen dem Aufschwung im kommenden Jahr neue Impulse verleihen, aber danach könnte es nachlassen", meint der Deutschland-Chefvolkswirt der Großbank UniCredit. "Schließlich stecken die USA im drittlängsten Aufschwung der vergangenen hundert Jahre." Geht dieser zu Ende, könnte auch die Weltwirtschaft langsamer wachsen. Und Deutschland ist als Export-Europameister auf einen florierenden Welthandel angewiesen - besonders mit dem wichtigsten Kunden USA. Denn trotz des Aufstiegs von China sind die Vereinigten Staaten noch immer der Taktgeber für die Weltwirtschaft: Läuft es dort schlecht, spüren das auch andere Länder.

Hausgemachte Probleme
"Hinzu kommt der für 2019 geplante EU-Austritt der Briten", ergänzt Rees. "Hier kann es zu Unsicherheiten kommen." Großbritannien ist ebenfalls ein wichtiger Absatzmarkt für die deutschen Exporteure - nach den USA und Frankreich der drittgrößte mit einem Volumen von zuletzt 86 Milliarden Euro im Jahr. "Großbritannien wächst schon jetzt nicht mehr so stark und wird von der Euro-Zone abgehängt." Einigen sich die Briten nicht auf einen geordneten EU-Abschied, drohen Handelshemmnisse, Dämpfer für die Exporte und stockende Investitionen.

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Deutschland, Konjunktur

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Dokument erstellt am 2017-12-28 17:11:14
Letzte ─nderung am 2017-12-28 20:19:49



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