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Update: 04.01.2018, 17:57 Uhr

Türkei

Erdogans goldene Machenschaften




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Von Johannes Schmitt-Tegge

  • US-Prozess enthüllt, wie höchste Politkreise in Ankara illegale Geschäfte mit dem Iran deckten und mitgeschnitten haben.

Präsident Erdogan und sein Sohn Bilal (oben) gerieten ins Zwielicht.

Präsident Erdogan und sein Sohn Bilal (oben) gerieten ins Zwielicht.© Ozan Kose/afp/ap/picturedesk/Elizabeth Williams Präsident Erdogan und sein Sohn Bilal (oben) gerieten ins Zwielicht.© Ozan Kose/afp/ap/picturedesk/Elizabeth Williams

New York. (dpa) Angeklagt war Recep Tayyip Erdogan nicht. Und doch wirkt es ein wenig wie ein Schuldspruch gegen den türkischen Staatschef, als am Mittwoch in einem New Yorker Gericht das Urteil fällt: Mehmet Hakan Atilla, Ex-Vizechef der staatlichen türkischen Halkbank, ist schuldig, unter anderem wegen Bankbetrugs und der Verschwörung zur Geldwäsche. Das Strafmaß soll erst in knapp eineinhalb Monaten verkündet werden.

Durch seine Tricks - und mit Erdogans Zustimmung - wurden 2010 bis 2013 Milliardengeschäfte zwischen der Türkei und dem Iran möglich und US-Sanktionen (in Folge des Atomstreits) umgangen, so die Jury. Ihre Entscheidung dürfte in Ankara noch einige Zeit nachhallen.


Mehrfach hatte Erdogan sich laut "New York Times" persönlich bemüht, den vor Monaten angelaufenen Prozess abzuwenden. Nicht nur gegenüber Vertretern der US-Regierung, auch in einem direkten Telefonat mit Präsident Donald Trump habe Erdogan auf die Einstellung des Verfahrens gedrängt. Sein Vize-Ministerpräsident Bekir Bozdag sprach jüngst von einem "Komplott gegen Erdogan", das da in Manhattan stattfinde. Das Außenministerium in Ankara bezeichnete das Urteil am Donnerstag als "rechtliche Schande". Und das, als habe der Streit um den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen, den Erdogan für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich macht, beiden Seiten nicht schon genug Kopfschmerzen bereitet.

Goldhändler Zarrab begann auszupacken, ...

Goldhändler Zarrab begann auszupacken, ...© AP Goldhändler Zarrab begann auszupacken, ...© AP

Zu verdanken ist das Schauspiel der juristischen Spitzenklasse vor allem Reza Zarrab. Der Goldhändler iranisch-türkischer Abstammung wurde 2016 auf dem Flughafen von Miami wegen des Verdachts verhaftet, unter Umgehung der US-Sanktionen über Jahre im Auftrag Teherans große Mengen Gold in den Iran gebracht zu haben, um iranische Gas- und Öllieferungen zu bezahlen. Lange bestritt er. Auf dem Weg zur Anklagebank machte der 34-Jährige im letzten Moment auf dem Absatz kehrt und legte überraschend ein Schuldgeständnis ab. Dabei belastete er auch die türkische Führung schwer. Diese habe bis hinaus zu Erdogan von den umstrittenen Geschäften nicht nur gewusst, sondern auch von ihnen profitiert, so Zarrab. Aus dem Zeugenstand schilderte er über sieben Tage en detail, wie der Sanktionsschirm der USA und der Vereinten Nationen mit fragwürdigen Methoden durchlöchert wurde.

Gold im Wert von 13 Milliarden Dollar landete im Iran

... Ex-Banker Atilla wurde schuldig gesprochen.

... Ex-Banker Atilla wurde schuldig gesprochen.© Picturedesk ... Ex-Banker Atilla wurde schuldig gesprochen.© Picturedesk

Da waren etwa die vorgetäuschten Lieferungen von Lebensmitteln und Medizin, die Geldzahlungen an den Iran möglich machten. Schmiergelder wurden in Koffern und Bargeld in Schuhkartons versteckt, um türkische Beamte zu schmieren, sagte Staatsanwalt David Denton im Prozess. Atilla bekam so Zugang zu iranischem Öl - genau der Rohstoff also, mit dessen Beschneidung Washington auf Teheran Druck ausüben wollte. Zwischen März 2012 und Juli 2013 soll Gold im Wert von 13 Milliarden Dollar in den Iran gebracht worden sein. Und Erdogan, damals noch Ministerpräsident, segnete die Deals 2012 ab, sagte Zarrab. Zwischen März 2012 und Juli 2013 soll Gold im Wert von 13 Milliarden US-Dollar in den Iran gebracht worden sein.

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Schlagwörter

Türkei, USA

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-01-04 17:56:14
Letzte ─nderung am 2018-01-04 17:57:21



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