Bürgerjournalisten schreiben über die EU: Wie lebt es sich in Europa? Welche Erfahrungen machen die Europäer mit Europa? Welche Lösungen gibt es für anstehenden Probleme?


  • vom 19.02.2015, 11:02 Uhr

Europa

Update: 19.02.2015, 11:31 Uhr

EU: Schuldenstreit, Streit und Sicherheit








Von Gerhard Männl (Bürgerjournalist)

Vielleicht hat die griechische Regierung Verträge mit Xi Jinping, dass um viel Geld smoggeschädigte Pekinger auf dem Olymp angesiedelt werden, oder mit Putin, dass russische Oligarchen die Sporaden kaufen dürfen, in der Tasche. Vielleicht aber auch hat der Wirtschaftprofessor ein todsicheres System entwickelt, mit dem regelmäßig der Euromillionen Jakepot geknackt werden kann.
Dies würde das Auftreten der griechischen Regierung erklären.

Es könnte aber auch die Verschmutzung der Ägäis ein Ausmaß erreicht haben, das Denken beeinträchtigt, da Griechenlands Verhandlungstaktik in vielem an das seinerzeitige Auftreten der Türkei anlässlich der Beitrittsverhandlungen zur EU erinnert.

Hinter dem Witzeln verbirgt sich meine Angst, dass soeben der letzte große Pluspunkt der EU wegverhandelt wird: die EU, das Friedensprojekt.

Viel wurden den Bewohnern der EU - im Interesse der Mitglieder, was immer auch damit gemeint ist - bereits zugemutet. Nunmehr wird der alte Plebejer-gegen-Patrizier-Diskurs, der auf der nationalen Ebene immer wieder Wählerstimmen lukriert, auf Staaten übertragen. Reich und Arm werden nicht mehr durch dümmliche Sprüche über Vermögensteuer oder sonstige Worthülsen gegen einander ausgespielt, sondern - auf der internationalen Ebene - durch Schuldenschnitt und internationalen Sozialausgleich. Der griechischen Regierung dürfte eine Art internationale Vermögenssteuer vorschweben, die reiche Mitglieder zwar nicht bezahlen müssten, sondern als Schuldenerlass zu entrichten hätten. Dies könnte auch eine Erklärung für Tsipra spontane Freundschaft mit Faymann sein.

Das wird nicht funktionieren. Wenn die griechische Regierung nicht einmal die reichen Griechen zum Zahlen bewegen kann, wie will sie dann - mehr aber auch weniger - reiche Deutsche, Belgier oder Österreicher (ein paar gibt es ja noch immer) zur Kasse bitten.

Die Krawatte zu Hause lassen oder sein Kind nach dem großen Che zu nennen, sind sicher probate Mittel Wahlkämpfe zu gewinnen. Nach der Wahl werden sie nutzlos. Nach der Wahl sollte wieder der Ernst einziehen. Vieles, das uns auf dem internationalen Parkett serviert wird, erfreut den Gaumen einiger Weniger auf Kosten aller. Daran sind wir gewöhnt. Wir sind aber auch gewöhnt, in Ruhe zu leben. Dies könnte sich nun ändern. Die Arbeitslosigkeit, die Wirtschaftskrise, der Ukrainekrieg und der islamistische Terror sind genügend Probleme. Ihr Überwinden wird durch internen Streit und gegenseitiges Schlechtmachen nicht leichter.

Immer, wenn ich Kindern beim Spielen in einer Sandkiste zuschaue, hoffe ich, eines Tages würden sich auch unsere Staatenlenker beim Arbeiten mit der gleichen Kreativität über die gewohnte Destruktivität hinwegsetzen; ohne Rücksicht auf das Wollen ihrer Lobbyisten.  



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2015
Dokument erstellt am 2015-02-19 11:10:17
Letzte Änderung am 2015-02-19 11:31:40

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