Bürgerjournalisten schreiben über die EU: Wie lebt es sich in Europa? Welche Erfahrungen machen die Europäer mit Europa? Welche Lösungen gibt es für anstehenden Probleme?


  • vom 16.12.2015, 11:18 Uhr

Europa


David Th Ausserhubers internationaler Gastkommentar

Gestern: Kabul. Morgen: Paris?








Von David Th Ausserhuber

Seit Jahrzehnten gilt in Kabul: Nach der Bombe ist vor der Bombe. Europas Vorbild ist im Moment jedoch glücklicherweise Afghanistans Provinz, weniger seine Hauptstadt. Hier ein Nachsatz zu den Ereignissen seit 13. November -- und davor.




Wie es so ist, Terror live oder medial mitzuerleben, das weiß man in Afghanistan nur zu gut. Wer gegen wen wie kämpft und überhaupt wofür, diese Frage bleibt für viele Afghanen dabei unbeantwortet. Genauso wie die Ungewissheit, wann und an welcher Ecke es wieder knallt. Beschreibt das jetzt die Zukunft Europas?

Gestern Kabul, morgen Paris?

Die Angst vor dem Terror geht um. Genauer gesagt vor künftigem Terror. Nun sind fiktive Umwandlungen von gerade vernommenen Nachrichtenmeldungen in zukünftiges Kopfkino wenig konstruktiv. Da gilt zu bedenken: Jetzt leben wir im Heute und erst daraus erwächst das Morgen. Glücklicherweise gibt es ja momentan auch nachhaltig Konstruktives, sowohl in Frankreich als auch in unmittelbarer Nähe von afghanischen Kriegsgebieten, letzterem möchte ich dann an dieser Stelle einige Zeilen widmen. Vorweg: Mit dem Terror verhält es sich wahrscheinlich so wie bei anderen Tragödien, denn er bestimmt das Leben dauerhaft nur dann, wenn man es zuläßt.

Heute: Kunsthauptstadt Bamiyan

Mental zulassen, das ist jetzt das Stichwort. Denn das Lebensglück von vielen Afghanen, die in ihrer Kindheit am Nachhauseweg von der Schule auch schon mal öffentliche Hinrichtungen mit anzusehen hatten und später beim Fußballspielen mehr als knapp dem fatalen Tritt auf eine Landmine entgingen, kann heute nicht mehr von rein äußeren Umständen abhängen. Als Beispiel dienen Bewohner der Stadt Bamiyan, ein bedeutendes Zentrum des Volkes der Hazara. Bamiyan, das ist mitten im terrorgeplagten Afghanistan. Dort, wo der Terror im Jahre 2001 mit der Zerstörung der butha zuschlug. Hazara, das ist der Volksstamm, der bis zum heutigen Tag spezielles Angriffsziel unberechenbares Terrors ist, wenn seine Menschen nur das Gebiet des sehr friedlich wirkenden Hazarajats verlassen. 13 Personen des Stammes der Hazara wurden im November im Süden Afghanistans gekidnappt, 14 im Juli, mindestens 16 im März und April, 32 im Februar: Dieser reaktivierte Reigen von Angriffen gegen sie mit ungewissem, oft tödlichem Ausgang scheint schier kein Ende zu nehmen.

Heute: Kunst siegt über Terror

Die jungen Kunst- und Philosophiestudenten an der Universität in Bamiyan schreiben jedoch ein neues Kapitel in dieser blutroten Geschichte. Für sie ist ihre persönliche Zeitleiste hier noch lange nicht zu Ende. Genauso wenig für Kabir Dadras, Leiter des Amts für Information und Tourismus in Bamiyan, denn: Das erste Jahr der Kulturhauptstadt Südasiens ist soweit sehr erfolgreich verlaufen. Und diese war, nein, nicht Indiens verträumtes Agra oder Nepals museale Metropole Kathmandu, sondern Afghanistans wiederbelebtes Bamiyan. Afghanistans zweiter Vizepräsident nannte das "eine der größten Errungenschaften der jüngeren Geschichte Afghanistans", und Kenner werden ihm beipflichten.

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Dokument erstellt am 2015-12-04 04:24:41
Letzte ─nderung am 2015-12-04 16:29:12

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