Sicher kein Familienidyll: In Arpád Schillings jüngstem Stück treten ungarische Akteure und Burg- Schauspieler zusammen auf (v.l.n.r.:) Martin Vischer, Zsolt Nagy, Falk Rockstroh und Alexandra Henkel. - © Foto:Reinhard Werner

Interview

"Wo sind die Linken?"

  • Regisseur Arpád Schilling über die Situation in Ungarn, den Rechtsruck und sein jüngstes Stück.

Arpád Schilling gehört zu den international anerkannten Theaterregisseuren Ungarns. Der 42-Jährige inszenierte etwa an der Berliner Schaubühne und am Piccolo Teatro in Mailand. In Wien brachte er 2005 eine extrem reduzierte Interpretation von Shakespeares "Hamlet³" im Kasino heraus. Mit der Projektentwicklung "Eiswind" zeigt er nun erstmals ein... weiter




Theater

Shakespeare für Dummies

  • Marika Reichhold erklärt als Frau Franzi "König Lear".

Eine Putzfrau im Arbeitskittel, die ihrem Einkaufstrolley etwas Stoff, eine Sonnenbrille und eine Krone mit angeklebter Maske entnimmt - ach ja, und ein Sessel zum Draufsetzen und -steigen. Mehr braucht es nicht an Kostüm und Requisiten, wenn Marika Reichhold als Frau Franzi ihr Publikum in die Welt des größten englischen Dichters mitnimmt... weiter




Der Pierrot ist nicht harmlos: Corinna Harfouch hat als Debuisson längst die Seiten gewechselt. - © Katrin Ribbe

Theaterkritik

Revolutionszirkus

  • Theater an der Wien: "Der Auftrag. Erinnerung an eine Revolution" von Heiner Müller.

In Tom Kühnels und Jürgen Kuttners Inszenierung von Heiner Müllers in Ost und West viel diskutiertem Schauspiel "Der Auftrag" (1979) ist die Zeit in der Tat aus den Fugen geraten. Der 1995 verstorbene Autor fungiert - dank eines Mitschnitts von 1980 - aus dem Off als Sprecher seines eigenen Textes, der auf der Bühne (Jo Schramm... weiter




Spartheaterbedeutet nicht Sparen am Wodka: Oskaras Koršunovas  inszeniert "Nachtasyl"als Kult. - © Dmitrijus Matvejevas

Wiener Festwochen

Die Hoffnung stirbt zuerst1

  • Gorkis "Nachtasyl" als Fragment aus Litauen bei den Festwochen.

Wie Ratten in einem Käfig sind die heruntergekommenen Existenzen in Maxim Gorkis "Nachtasyl" eingesperrt. Die Mief-und-Moder-Dekoration der Elendsherberge war auf der Moskauer akademischen Schaubühne 1902 eine Sensation wie im Jahr darauf bei Max Reinhardt in Berlin. Doch der litauische Impresario und Regisseur Oskaras Koršunovas tourt mit seiner... weiter




Theaterkritik

Überwältigungstheater1

  • Jan Fabres 24-stündiger Theater-Marathon "Mount Olympus" gastierte bei den Festwochen: ein Ereignisbericht.

Für Jan Fabres jüngstes Theaterprojekt "Mount Olympus" müsste man ein neues Wort erfinden. Wie wäre es mit "Überstforderung"? Was sich von Samstag bis Sonntag, von 19.30 bis 19.30 Uhr, 24 Stunden lang nonstop, in der Halle E des Wiener Museumsquartiers ereignet hat, sprengt sämtliche Grenzen der Bühnenkonvention... weiter




Contenance und Klanggewalt: Anja Harteros. - © Staatsoper/Pöhn

Opernkritik

Und dann kam die Königin13

  • Laues Repertoire mit tollem Debüt: Anja Harteros in "Don Carlo" an der Staatsoper.

Ein Opernabend, der ebenso gut "Elisabetta" hätte heißen können. Auch "Filippo II." wäre gangbar gewesen, dank René Papes gewohnt profundem Einsatz als nicht ganz beherrschtem Herrscher. Insgesamt aber hatte "Don Carlo" am Sonntag wenig Glück an der Staatsoper. Zum 20. Mal prangten die griesegrauen Bunkerbilder von Daniele Abbados Regie auf... weiter




Dabei hat er einfach nur Hunger: Markus Meyer als Truffaldino, Christoph Radakovits als Silvio. - © R. Werner

Theaterkritik

Eine Hubbabubba-Blase1

  • Kurzweilige Slapstick-Turbulenzen: Goldonis "Der Diener zweier Herren" im Burgtheater.

Den ersten Lacher des Abends bekommen Peter Simonischeks Zähne. Der Mann, der in der vergangenen Woche in Cannes freudig ein falsches, schiefes Gebiss über den ach so glamourösen roten Teppich getragen hat, hat auch in Christian Stückls Inszenierung von "Der Diener zweier Herren" einen Unfall im Mund. Das macht Simonischek sichtlich Spaß... weiter




Melancholische Bravournummer: Kornél Mundruczós "Scheinleben" dreht sich um Diskriminerung und Ausgrenzung. - © Marcell Rév

Theater

Witwe, arm, krank, Cigán3

  • Wiener Festwochen: Kornél Mundruczó mit "Látszatélet - Scheinleben" im Museumsquartier

Zwanzig Minuten lang, gefühlt, füllt in der Museumsquartier-Halle G nur ein breites abgehärmtes Frauengesicht eine Videowand. Frau Ruszó, genannt Joli, um die sechzig, wehrt sich gegen die angekündigte Delogierung aus ihrer schäbigen Wohnung. Sie redet auf ihren Peiniger ein, den Inkassanten einer Immobilienfirma... weiter




Auschwitz aus Sicht einer Täterin: KZ-Aufseherin Lisa (r.) trifft nach 15 Jahren auf die von ihr gepeinigte Marta. - © Oper Frankfurt/Barbara Aumüller

Wiener Festwochen

Vor der Realität verblasst6

  • "Die Passagierin" von Mieczysław Weinberg als erste, eindringliche Opern-Premiere der Festwochen.

"Es war halt Krieg, jeder hat das Recht zu vergessen." Dass dieser Satz ihres Mannes einen fahlen Nachgeschmack beibehält und die Sache mit dem Vergessen nicht so einfach ist, erfährt auch die ehemalige KZ-Aufseherin Lisa. Fünfzehn Jahre nach Kriegsende begegnet sie auf einem Schiff nach Brasilien der Lager-Insassin Marta... weiter




Obenauf: Netrebko und Becza a in Dresden. - © Daniel Koch

Opernkritik

Es gibt ein Glück17

  • Anna Netrebko und Piotr Beczała begeistern in Dresden mit ihren Rollendebüts Wagners "Lohengrin".

Am Ende waren alle Zweifel ausgeräumt. Anna Netrebko kann es - auch die Elsa von Brabant. Sie trifft "In Lichter Waffen Scheine" einen verträumt naiven Ton, singt "Es gibt ein Glück" betörend abwesenden. Den Streit mit der Nebenbuhlerin Ortrud auf offener Szene meistert sie sowieso, und im selbstbewussten Bruch ihres Versprechens... weiter




Auf der Couch: Jacques Imbrailo und Corinne Winters in Zürich. - © Opernhaus Zürich/Toni Suter

Oper

Erfolgloser Therapieversuch durch Therapiebedürftige

  • Dmitri Tcherniakov, der ursprünglich für den "Fidelio" der Wiener Festwochen vorgesehen war, hat in Zürich "Pelléas und Mélisande" inszeniert.

Die Wiener Festwochen haben ihre geplante Zusammenarbeit mit dem Regisseur und Bühnenbildner Dmitri Tcherniakov für Beethovens "Fidelio" im Juni im Theater an der Wien aufgekündigt. Unabhängig von den Gründen ist dies schade. Denn, wie sein Zürcher "Pelléas" zeigt, haben seine Arbeiten Hand und Fuß, auch wenn man darüber streiten kann... weiter




Intensität trifft Milde: Rebeka und Domingo. - © Staatsoper/Pöhn

Opernkritik

Stimmen, die nicht schwinden5

  • "La traviata" mit Marina Rebeka und Plácido Domingo an der Staatsoper.

"Dass der grässliche Hass in ihm mehr vermag als meine Stimme!" Man darf diesen Ausruf der Violetta Valéry, getätigt im zweiten Akt von "La traviata", nicht nur als Wehklage deuten, sondern neuerdings auch als Ausdruck berechtigter Überraschung. Das leichte Mädchen des Giuseppe Verdi, von Schwindsucht und Liebespech schwer gebeutelt... weiter




Doppelte Maria: Cecilia Bartoli als reifes Pendant neben Michelle Veintimilla. - © Salzburger Festspiele/Silvia Lelli

Musical-Kritik

Gekommen, um zu leiden3

  • Die Salzburger Pfingstfestspiele servierten eine schmissige "West Side Story". Einziger, doch gravierender Schwachpunkt: Weltstar Cecilia Bartoli bleibt in der Produktion ein Fremdkörper.

Schier unersättlich ist der Rollenhunger der Cecilia Bartoli: Seit der Opernweltstar 2012 die Leitung der Salzburger Pfingstfestspiele übernommen hat, gab er dort die heidnische Hohepriesterin ("Norma"), beglückte als Aschenputtel ("La Cenerentola"), schulterte das Joch der antiken Tragödin ("Iphigénie en Tauride")... weiter




Zeit der "Hundsche". - © Goldmann

Theaterkritik

Hundstage7

  • Eintauchen in animalische Parallelwelten: Das Künstlerkollektiv Signa gastiert mit der Performance-Installation "Wir Hunde/Us Dogs".

Jeder Zuschauer wird hier einzeln begrüßt: "Schön, dass Sie hier sind. Wir sind alle so aufgeregt." Es ist Tag der offenen Tür, man feiert das 40-Jahr-Jubiläum der Gemeinschaft "Canis Humanus" ("Hundemensch"). Die Wohnungen der sieben Familien, die den Verein tragen, sind temporär untergebracht in den Kostümwerkstätten und Proberäumen des Wiener... weiter




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Titelbild einer NS-Propagandabroschüre zum Einsatz ausländischer Zwangsarbeiter in Deutschland, 1943.  

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Vor dem Apollo Theater in Harlem, New York legen Fans des US-Sängers Prince Blumen und Erinnerungsstücke nieder. Ruth Beckermann hat den Großen Diagonale-Spielfilmpreis für ihre Arbeit "Die Geträumten" über die Liebesbeziehung zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan erhalten. Sie ist damit die erste Künstlerin, die sowohl Spielfilm- wie auch Dokumentarfilmpreis gewann - letzteren 2014 für "Those Who Go, Those Who Stay".

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