• vom 14.09.2001, 00:00 Uhr

Bühne

Update: 08.04.2005, 11:11 Uhr

Theater Brett: "Harold und Maude"

Von der Fee wachgeküsst




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Lona Chernel

Zweifellos darf man Maude nicht als irdisches Wesen betrachten, sondern als eine gute Fee, die dem verkorksten, orientierungslos dahintaumelnden Harold im Moment höchster Not begegnet, die den Burschen wachküsst, zum Leben erweckt. Anders wäre es - für mich zumindest - nicht erklärbar, dass eine Frau, die eben eine große Aufgabe - die Leitung und Begleitung eines jungen Menschen - übernommen hat, sich umbringt, weil sie achtzig ist. Achtzig - na und? Nein, das ist nur damit zu erklären, dass sie von irgendwo gesandt wurde, um zu helfen, und jetzt eben wieder weiterziehen muss.


Colin Higgins' "Harold und Maude" ist ein relativ viel gespieltes und sehr gut gebautes Stück. Und es hatte jetzt wieder einmal in einer Neuinszenierung (Regie: Nika Brettschneider und Ludvik Kavin), und zwar im Theater Brett, Premiere. Die Aufführung ist farbig, amüsant, berührend, die Hauptdarsteller sind sehr gut gewählt. Bühnenbild (Isabella Farkasch), Lichttechnik und Ton (Alexandra Hertz) beeindrucken.

Traute Furthner ist eine temperamentvolle, strahlende Maude, der man glaubt, dass sie den achtzehnjährigen Mieselsüchtigen zu begeistern versteht. Anita Kolbert bildet als Harolds nervend betriebsame und dominante Mutter einen glänzenden Gegenpol und sorgt schon mit kleinsten Pointen für Lacher. Ein (selbst in den schlimmsten Augenblicken) liebenswerter Harold ist Jakub Kavin. Wie er langsam erwacht, wie er vom Verneiner zum Bejaher wird, das ist eine Freude zu beobachten.

Hier wächst wirklich ein ganz großes Talent heran und man würde Jakub Kavin gerne einmal auf einer größeren Wiener Bühne sehen.

Viel darstellerische Begabung zeigen auch Michaela Luef und Markus Hamele in unterschiedlichen Rollen. Heinrich Herki verkörpert diskret den etwas verklemmten Pater, Ludvik Kavin mit Humor den Psychiater. Brigitta Gutenbrunner differenziert zwei ziemlich entgegengesetzte Rollen.

Alles in allem jedenfalls ein guter Auftakt für die neue Saison.



Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2001-09-14 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-04-08 11:11:00



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Narrenziele
  2. Trauer um einen Parade-Onegin
  3. Die Rolle ihres Lebens
  4. Malerei vor der Ära Dürers
  5. Bewegende Blüten
Meistkommentiert
  1. Ungeknickt durch den Sturm
  2. Deutscher Karikaturenpreis für Erdogan-Zeichnung
  3. Verhandler könnten ORF-Gebühr kappen
  4. AC/DC-Gitarrist Malcolm Young ist tot
  5. Sängerfest im Kitschpalast

Werbung



CHAMPIGNON, 1850, Sepia, Kohle, Fettstift, Gouache auf Papier, 47,4 x 60,8 cm, Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey,

Edvard Munch beschäftigte sich in zahlreichen Werken mit dem Thema Melancholie, die er bevorzugt als einsame Person am Strand darstellte. Ein riesiges Medieninteresse begleitete den kurzen Auftritt des österreichischen Hollywood-Exports Christoph Waltz bei seinem Besuch der Viennale.

Viennale-Interimschef Franz Schwartz (links) mit dem Stargast der Eröffnung: Schauspieler John Carroll Lynch zeigte sein Regiedebüt "Lucky" als Eröffnungsfilm der Viennale. Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.

Werbung



Werbung


Werbung