• vom 11.02.2011, 19:00 Uhr

Bühne


Das Klagelied einer Alleinerzieherin im Beichtstuhl




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Von Mathias Ziegler

  • Vierfache Mutter, geschieden, Künstlerin - das Leben ist hart, klagt die Sängerin, Schauspielerin und Kabarettistin Eva Marold in ihrem neuen Soloprogramm "Working Mom". Der Abend beginnt mit einer Lebensbeichte in der Kirche. Ein Dialog, der eigentlich mehr ein Monolog ist, mit einem fiktiven Beichtvater. Ein Lamento über die Tücken des Alltags, die Zweischneidigkeit der Situation, seit der Scheidung "einen 44-jährigen geschlechtsreifen Buben weniger daheim" zu haben, und auch ein wenig Gesellschaftskritik im Allgemeinen und Grasser-Parodie im Speziellen.

Es ist eine solide Leistung, bei der sie einerseits aufgelegten Wuchteln volley annimmt, andererseits aber auch originellen Witz mit Subtilität und Tiefgang einsetzt - und dabei tief hinein geht in die bittere Realität der Poor Working Class. Und so ist es auch kein Wunder, dass sie nach der Pause den Beichtstuhl verlässt und sich beim Arbeitsmarktservice wiederfindet. Dort tummeln sich Figuren, die jede für sich ein gewisses Klischee erfüllen und es gleichzeitig ad absurdum führen. Was sie alle gemeinsam haben: Sie sind mehr oder weniger gescheiterte Künstlerexistenzen auf der verzweifelten Suche nach einer letzten Chance. "DSDS auf Wienerisch", könnte der Untertitel zu Teil zwei des Programms lauten. In diesem beweist Marold zweierlei: erstens, dass sie keinen Genierer kennt und es bei ihr überhaupt nicht peinlich ist, wenn sie in peinliche Rollen schlüpft; und zweitens, dass sie eine sehr gut ausgebildete Stimme hat und diese auch einzusetzen weiß.


Am Ende bleibt also ein doch sehr unterhaltsamer Abend mit einer sympathischen Protagonistin, die ihre Botschaft treffend an den Mann und die Frau gebracht hat. Und ein schaler Nachgeschmack, wenn man dem Inhalt, den die reizende Verpackung transportiert hat, noch einmal genauer nachschmeckt.

Kabarett

Eva Marold: Working Mom

Wh: 27. Februar, 10. und 31. März Stadttheater Walfischgasse (Wien)



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2011-02-11 19:00:28
Letzte Änderung am 2011-02-11 19:00:00



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