Wien. Tanz als Lösung für omnipräsente Migrationsprobleme? Als wahrgewordene Vision für Integrationspolitik? "Tanz hat dafür viele Antworten", sagt Rose Breuss, Kuratorin und Choreographin in Residence von "Odeontanz 3".
Das diesjährige Festival (von heute, Donnerstag, bis 15. Oktober) im Odeon, möchte unter dem Motto "Kartographien des Körpers - Fremdheit als Bestimmung" laut Breuss einige "Alternativen, Vorschläge und Ausdrucksformen der nonverbalen Kunstform" in Bezug auf Migration und Fremdsein aufzeigen. "Die Tanzszene ist tatsächlich international - und darüber wird nicht einmal nachgedacht. Somit ist sie eigentlich eine realisierte Utopie, in der man sich über die verbalen Grenzen hinaus um Verständnisformenbemüht", so Breuss. Und der Begriff "Fremdheit" ist vielfach interpretierbar: "Tanz per se ist auch vielen fremd", meint Breuss schmunzelnd.
Schwindende Körper in der Mediengesellschaft

Im Mittelpunkt von "Odeontanz 3" steht auch die in die Thematik eingearbeitete Körperlichkeit: "In der medienorientierten Gesellschaft, in der der Körper zu schwinden scheint, ist dies ein unheimlich wichtiger Bereich geworden." In der Performance sei der Tanz ja abhanden gekommen. "Die ausgewählten Stücke haben alle in ihrer Substanz mit Tanz zu tun, von virtuos bis zu einem anderen Körperbewusstsein, wie es etwa ältere Menschen empfinden." Ausdruck finden diese in der Verschmelzung verschiedener Tanzrichtungen - vier gemischte Programme an acht Abenden sollen das breite Spektrum widerspiegeln.

"Ein Festival ohne Kategorisierungen", beschreibt etwa Boris Nebyla, ehemaliger Solist des Balletts der Wiener Staatsoper und Choreograph, die Tanzschiene im Odeon. Er stellt heute, Donnerstag, also am Eröffnungsabend, sein jüngstes Werk "Crossing" vor: Nebyla vereint darin aus unterschiedlichen Ländern stammende Performer mit verschiedenen Kunstsparten - Bildhauerei, Tanz, Musik und Medien. Multikult im wahrsten Sinne des Wortes: "Das diesjährige Thema passte perfekt zu meinem kleinen Ensemble, dessen Tänzer aus Israel, Japan, der Slowakei und Österreich stammen."
Die Idee zu einem Tanzwerk entstand, das Handlungsweisen des Zuhörers und nicht des Sprechenden betrachtet. "Fragen wie ,Können wir überhaupt noch genau zuhören, und nehmen wir uns noch genug Zeit dafür? führten letztlich zu ,Crossing", so Nebyla. Während der Proben hat sich dann ein weiterer Aspekt heraus kristallisiert: die Geschichte des mitwirkenden palästinensischen Bildhauers Osama Zatar, der mit der israelischen Tänzerin Jasmin Avissar verheiratet ist. "Was sie zusammen erlebt haben, ist unglaublich. Eigentlich sollte man darüber einen Film drehen. Mit dieser Lebensgeschichte war die Wende im Stück unausweichlich."
Neben Nebyla präsentiert Breuss am Eröffnungsabend ihr Stück "Orpheus Augenblick", ferner wird die humoristische Konzertperformance "Kopf hoch/
Head high" von Simon und Peter Mayer zu sehen sein.www.odeontanz.at
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