Lächerlich kann auch zum Lachen sein, wie bei Adam West und Burt Ward, dem Crimefighter-Duo aus der Batman-TV-Serie. Lächerlich-peinlich aber tut weh: Da tänzelt ein Batman in Plastikmuskeln unsicher über die Bühne, und wenn er zuschlägt, dann sieht das nach Streicheleinheiten aus. Die übrigen Protagonisten der Show "Batman live" verhalten sich wie ein Dilettanten-Ballett; zudem dürfen die Darsteller ihre deutschen Texte nicht einmal selbst aufsagen: Der Text kommt vom Band.
Auch rasante Action sieht anders aus: Wenn Batman durch den Raum fliegt, dann ist man am Seilzug ein bisschen zu zaghaft, also wirkt das eher wie Zeitlupe. Dann stereotypisiert die Show auch noch all jene Charaktere aus dem Superhelden-Universum zu einfältigen Ganoven-Trotteln, die eigentlich ihrer Vielschichtigkeit wegen zu unsterblichen Figuren des Genres wurden: Der Joker, der Riddler, der Pinguin, Catwoman - sie alle sind hier nur Staffage, ein zuckerlbunter Aufputz für den eigentlichen Star der Show: die überdimensionale LED-Videowand in Form des Batman-Logos, bespielt mit stetig wechselnden, brillant animierten Hintergründen - in Wahrheit der einzige Wow-Effekt dieser Show, die auf der Bühne nichts bietet, was den Videoeinspielungen gerecht werden kann. Selbst das Batmobil ist so umwerfend nicht.
Nicht einmal Nippel
Die Geschichte von Batman und Robin ist auch schon knalliger erzählt worden: Bei Tim Burton war Robin zum Glück gar nicht erst mit von der Partie, bei Joel Schumacher zumindest unfreiwillig komisch und mit den Nippeln am Brustpanzer ironisch-homoerotisch konnotiert; in Christopher Nolans Batman-Filmen obsiegte die Düsternis der Comicvorlage von Bob Kane, die Frank Miller mit "The Dark Knight Returns" 1986 als Comic völlig neu aufbereitete - so, wie sie ursprünglich hatte sein sollen. Die Show nimmt aber lieber Anleihen bei der Klamauk-TV-Serie aus den 1960ern. Gut, die Strumpfhosen sind Muskelpanzern gewichen, aber die Choreografie setzt doch sehr auf das "Pow" und "Bang" der Sixties. Visuell schaut man bei Zeichnern wie Dick Sprang oder Sheldon Moldoff ab, die dem Mythos vom gebrochenen, rachsüchtigen Milliardär Bruce Wayne das Spaßmacher-Cape überstreiften, während die düsteren Einflüsse von Miller, Mike Mignola oder Neil Adams draußen bleiben.
Man hat sich für ein kindergerechtes Showspektakel entschieden, denn Kinder bringen immer auch ihre zahlenden Eltern mit zur Show. Für die Fans der finsteren Batman-Aura bleibt kaum Schauwert übrig. Dabei ist doch eigentlich bekannt: Batman tanzt nicht gern Ballett. Mit Adam West und Burt Ward hätte es vermutlich trotzdem Spaß gemacht.
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