Wien.

Leicht hatte es Uhlich nicht: Nach der Matura und einigen Tanzkursen in Linz und Salzburg beschloss die gebürtige Oberösterreicherin, am Konservatorium Wien ihre Pädagogik-Ausbildung zu starten: "Das erste Mal hat die Aufnahmeprüfung aus drei Gründen nicht geklappt: zu jung, zu wenig Erfahrung und zu dick", so ihr Rückblick. Ein Jahr später und ein paar Kilo weniger samt begonnenem Sinologie-Studium schafft sie es im zweiten Anlauf. Doch wie wurde aus der Tanzlehrer-Anwärterin eine Choreographin? "Ich merkte bald, dass es mich zur Magie und Konzentration einer Bühne und der damit verbundenen Möglichkeit eine Welt zu erschaffen, die es so nicht gibt, hinzog", erzählt die Performerin.
Aufräumen mit den Klischees und Normen
Zu ihrem Markenzeichen wird sehr bald das Auf- und Ausräumen vieler Klischees und Normen des Tanzes. Wie auch die Auseinandersetzung mit ihrer Korpulenz. "Ein Auslöser meiner kreativen Arbeit war sicher die Wahrnehmung, dass ich anders bin als die anderen. Aber mit dem Gedanken dahinter, was die Stärke davon ist." Uhlichs Tanzbegriff hatte sich dadurch erweitert, denn das uniforme Tanzen, bei dem alle Körper gleich aussehen, "hätte mich eh nicht lange interessiert. Viel spannender sind die eingeschriebenen Spuren im Körper." Bei ihrer Arbeit "und" (2007) etwa lud sie ältere Menschen ein, um die Fragilität und die Robustheit ihrer alternden Körper zu studieren. "Diese Zusammenarbeit war etwas besonderes", meint die Künstlerin, die mit diesem Werk mediale Aufmerksamkeit erweckte. Ihr Durchbruch? "Die darauf folgende Produktion ,Spitze zeigt viele Facetten meines Interesses wie die Zusammenarbeit mit Personen, die nicht im Zeitgenössischen tätig sind" - in diesem Fall zwei ehemalige klassische Tänzer, Susanne Kirnbauer und Harald Baluch. Darin habe sie die Thematik des Laien und des Profis aufgegriffen und sich selbst zum Laien gemacht, indem sie sich Spitzenschuhe anzog. "Mein Nichtperfektsein wollte ich zum Perfektsein erklären", sagt Uhlich. "Spitze" ist sicherlich eines ihrer Schlüsselwerke, das aus "und" entstanden ist: "Wenn ich in der Endphase eines neuen Werks bin, stellen sich mir immer neue Fragen, die ich dann im nächsten Stück verarbeite. In ,und habe ich alltägliche Gesten choreographiert - auch eines meiner Hauptthemen übrigens. Aber ich fragte mich in der Badewanne sitzend in der Zeit nach ,und nach dem kompletten Gegenteil, nach einer artifiziellen Tanzsprache." Und das sei eben das Ballett.
Keine fixe Tanzsprache nach Vorbild William Forsythe

Pläne nach der brut-Werkschau, die die wichtigsten Werke der letzten fünf Jahre zeigt, hat sie viele: "Come Back" mit ehemaligen Tänzern der Staatsoper und Volksoper wird beim "steirischen herbst" uraufgeführt, und ein Stück mit zeitgenössischen Tänzern sind ihre Zukunftsvisionen. "Das habe ich noch nie gemacht." Und mit interessanten Kollegen würde sie auch gerne Projekte ins Leben rufen. Mit wem? "Mit William Forsythe!"
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