Berlin. (rat) Der frühere Theaterintendant Ivan Nagel, eine der prägenden Gestalten der Theatergeschichte der letzten Jahrzehnte, ist am Montag im Alter von 80 Jahren in Berlin gestorben.
Das Leben des Theatervisionärs war geprägt von den Katastrophen des 20. Jahrhunderts: 1931 in Budapest geboren, überlebte er mit gefälschten Papieren die Verfolgung der Juden in Ungarn. Nach Kriegsende verwehrte ihm der kommunistische Staat als Spross einer bürgerlichen Familie das Studium. 1948 flüchtete Nagel deshalb in die Schweiz und studiert Philosophie. Schon früh wandte er sich dem Theater zu: zunächst als Kritiker für die "Süddeutsche Zeitung", später als New-York-Korrespondent für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". In den 1960er Jahren gehörte Nagel, damals als Chefdramaturg der Münchner Kammerspiele, zu jenen, die auf der Bühne einen Generationenwechsel ermöglichten und das seinerzeit als skandalös empfundene Regietheater durchsetzten.
Graue Eminenz
Als Intendant bescherte er dem Schauspielhaus Hamburg zwischen 1972 und 1979 internationales Renommee, in dem er so konträre Regisseure wie Bondy, Zadek und Noelte inszenieren ließ. In den 1980er Jahren wirkte er als Leiter des Württembergischen Staatsschauspiels in Stuttgart. Als Schauspielchef der Salzburger Festspiele war er 1998 nur eine Saison tätig und hinterließ doch - etwa mit der Reihe "Dichter zu Gast" - bleibende Spuren. In Berlin war er als Berater der Kulturpolitik mitverantwortlich für die Übernahme der Berliner Volksbühne durch Frank Castorf.
Zuletzt war Nagel Professor für Geschichte und Ästhetik und trat zunehmend als Autor in Erscheinung. In einem seiner letzten Interviews sagte er: "Ich glaube an Vernunft und Sprache, gerade in schlimmen Zeiten."
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