• vom 17.04.2012, 16:30 Uhr

Bühne

Update: 17.04.2012, 17:00 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Ulli Maier spielt in der Josefstadt O’Neills "Eines langen Tages Reise in die Nacht"

Aus der Kurve fliegen


Von Petra Rathmanner

  • Ulli Maier über Suchtverhalten, Bewegungsfreiheit und Nachtzüge.

Schuldhafte Verstrickungen: Familienaufstellung mit (v.l.n.r.) Michael Dangl, Ulli Maier, Markus Gertken, Helmuth Lohner. - Foto: apa/M. Schell

Schuldhafte Verstrickungen: Familienaufstellung mit (v.l.n.r.) Michael Dangl, Ulli Maier, Markus Gertken, Helmuth Lohner. Foto: apa/M. Schell

Eugene O’Neill zählt zu den Chronisten der dunkelschwarzen Aspekte des Daseins. Akribisch legte der US-Dramatiker irischer Abstammung die Abgründe seiner Protagonisten offen; verdrängte Schuld, sinnlose Kämpfe, verzweifelte Verstrickungen gehörten dabei zu seinen Spezialgebieten.

Werbung

Auf besondere Weise trifft dies auf das 1941 vollendete Stück "Eines langen Tages Reise in die Nacht" zu; das triste Familiendrama gilt als Schlüsselwerk zur eigenen Jugendzeit des Schriftstellers. "Es handelt von altem Leid, geschrieben mit Tränen und Blut", notierte O’Neill einst. Die Uraufführung durfte laut testamentarischer Verfügung erst 1956 stattfinden, drei Jahre nach dem Tod des Dichters. Am 19. April feiert der moderne Klassiker nun in der Josefstadt Premiere.

"Eines langen Tages Reise in die Nacht" versammelt einen alkoholkranken Vater und ehemals erfolgreichen Schauspieler, eine morphiumsüchtige Mutter sowie deren zwei erwachsene Söhne in einem Sommerhaus und offenbart in Form eines Enthüllungs-Psychodramas die schuldhafte Verstrickungen der einzelnen Familienmitglieder. Helmuth Lohner übernimmt in Wien die Rolle des Vaters, Ulli Maier spielt dessen Ehefrau. Michael Dangl tritt als jüngerer Sohn Edmund und Alter Ego des Dichters auf, Markus Gertgen ist der zweite Sohn Jamie, der in Vaters Fußstapfen treten wollte.

Risikoreicher Weg
"Das Stück ist gnadenlos in dem, was die Figuren einander antun", so Ulli Maier im Gespräch mit der "Wiener Zeitung": "Bis zur Selbstzerstörung sind sie aneinander gekettet." Die Rolle der Mary, die nach einer Entziehungskur erneut rückfällig wird, zählt seit langem zu den Wunschrollen der gebürtigen Wienerin mit geringem Suchtpotenzial: "Ich bin zwar Raucherin, tendiere aber nicht zu starken Süchten."

Bis auf wenige Gastauftritte in der Josefstadt (zuletzt: "Kap Hoorn", 2010) arbeitete die Schauspielerin, die sich als "Wienerin mit Leib und Seele" beschreibt, in den vergangenen Jahrzehnten vor allem in Deutschland; erste Adressen wie das Hamburger Thalia, das Münchner Residenztheater oder das Berliner BE gehören zu ihren Stammhäusern. "Eine gewisse Bewegungsfreiheit ist mir wichtig, der Beruf verlangt auch danach, dass man sich ständig mit Neuem konfrontiert, und ich wollte als Ensemblemitglied nicht Teil des verfügbaren Inventars werden. Aber dieser Weg ist auch anstrengend, risikoreich und familienfeindlich", räumt die Aktrice ein, die in Wien nicht nur einen ständigen Wohnsitz, sondern auch ihre Familie hat: "Ich habe viel Zeit in Nachtzügen verbracht."

Ulli Maier ist praktisch am Theater aufgewachsen. Ihre Eltern waren Tourneeschauspieler und sind noch bis in die 1960er Jahre zum Teil mit dem Wohnwagen von Ort zu Ort gezogen, um Volksstücke aufzuführen. "Das war ganz armes Theater, die ursprünglichste Form von Bühnenspiel", erinnert sie sich. Anfangs war ihre Familie über den Berufswunsch der Tochter keineswegs erfreut.

Tief schürfen
Doch die Aufnahme am Reinhardt-Seminar, das Debüt an der Josefstadt, die laufenden Engagements zerstreuten die Bedenken.

"Ich hatte Glück", stellt Maier rückblickend fest. "Es kann einem jedoch jederzeit passieren, dass man nicht mehr gefragt ist und aus der Kurve fliegt. Man muss sich mit jeder Rolle neu behaupten." Der jüngste Beweis ihres Könnens ist ab Donnerstag in der Josefstadt zu sehen: "Es ist eine aufreibende Figur, eine große Herausforderung, für die man tief schürfen muss."




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-17 16:35:09
Letzte Änderung am 2012-04-17 17:00:37


Wagners Ring an einem Abend an der Volksoper Wien

Wagnerwucht mit Stopps zum Schmunzeln

20130524DER RING DER NIBELUNGEN - APAweb/HERBERT PFARRHOFER Ein Entkommen gibt es nicht, schon gar nicht für Veranstalter: Ein jedes Opernhaus, so scheint’s, steht im 200... weiter




Norma

Ungewöhnlich gewöhnungsbedürftig

Die Konkurrentinnen Adalgisa und Norma. - Salzburger Festspiele Am Ende wird der Horst der Freischärler, die Schule, von ihnen selbst abgefackelt. Die Matratzen und Schulmöbel werdend um Norma und Pollione... weiter



Werbung




Beliebte Inhalte



16 Aufführungen sind in der Saison 2013/14 geplant, darunter acht neue Produktionen. Zu Ehren Verdis wird neben "La Traviata" auch "Il Trovatore" und "Simon Boccanegra" aufgeführt. - APAweb/EPA/CARLO FERRARO
  • Name des neuen Intendanten soll spätestens bis Juli bekannt gegeben werden.
  • weiter

Für große Namen hat Intendant Alexander Pereira (l.) - hier mit Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler und Schauspielchef Sven-Eric Bechtolf - ein Faible. Aus dem Programm für den Sommer 2014 wird er dennoch manche streichen müssen. - apa/Barbara Gindl
  • Nach Kompromiss im Budgetstreit werden Pläne für 2014 publik, Prestigeprojekte werden nicht gestrichen.
  • weiter

Mit dem "Ring" in Wien zum Erfolg: Franz Welser-Möst. - epa
  • Wie viele Arten es doch gibt, Richard Wagners 200. Geburtstag zu begehen.
  • weiter

Wafaa El Saddik: "Die Ägypter werden immer verlangen, dass Nofretete zurückkommt." - Foto: Robert Newald
  • Interview mit Wafaa El Saddik, der ehemaligen Direktorin des Ägyptischen Museums.
  • weiter

Unvorstellbare Grausamkeit sollen Gottfried Helnweins Arbeiten oft erklären. - Julia Stix
  • Der Künstler über Mangel an Charisma, Kunst als Trophäe und ordinäres Wienerisch.
  • weiter

Chaim Miller bereut die Morde der Gruppe nicht, jedoch, "dass wir nicht mehr gemacht haben". - 3sat
  • TV-Dokumentation zeichnet das Leben des 92-jährigen Chaim Miller nach.
  • weiter

Nachdem sich mehrere Zuschauer, von den drastischen Bühnenvorgängen geschockt, sogar in ärztliche Behandlung begeben hatten, ersuchte Meyer den Regisseur, seine Inszenierung zu modifizieren. Kosminski lehnte ab. - Foto: APAweb/Deutsche Oper am Rhein
  • Bühnenvereins-Präsident Zehelein kritisiert scharf die Düsseldorfer Oper.
  • weiter

Unvorstellbare Grausamkeit sollen Gottfried Helnweins Arbeiten oft erklären. - Julia Stix
  • Der Künstler über Mangel an Charisma, Kunst als Trophäe und ordinäres Wienerisch.
  • weiter

Das Duo Daft Punk findet sein Glück in der Disco-Ära: "Lose yourself to dance!" - David Black
  • Auf "Random Access Memories" regiert der Disco-Sound von seinerzeit.
  • weiter

Am 22. Mai jährt sich der Geburtstag von Richard Wagner zum 200. Mal. Hier die Büste von Arno Breker in der Nähe des Festspielhauses in Bayreuth. - Foto: epa/Daniel Karmann
  • Auseinandersetzung mit Themen wie Individualismus, Außenseitertum und Aufarbeitung von Geschichte.
  • weiter






Werbung