Eugene ONeill zählt zu den Chronisten der dunkelschwarzen Aspekte des Daseins. Akribisch legte der US-Dramatiker irischer Abstammung die Abgründe seiner Protagonisten offen; verdrängte Schuld, sinnlose Kämpfe, verzweifelte Verstrickungen gehörten dabei zu seinen Spezialgebieten.
Auf besondere Weise trifft dies auf das 1941 vollendete Stück "Eines langen Tages Reise in die Nacht" zu; das triste Familiendrama gilt als Schlüsselwerk zur eigenen Jugendzeit des Schriftstellers. "Es handelt von altem Leid, geschrieben mit Tränen und Blut", notierte ONeill einst. Die Uraufführung durfte laut testamentarischer Verfügung erst 1956 stattfinden, drei Jahre nach dem Tod des Dichters. Am 19. April feiert der moderne Klassiker nun in der Josefstadt Premiere.
"Eines langen Tages Reise in die Nacht" versammelt einen alkoholkranken Vater und ehemals erfolgreichen Schauspieler, eine morphiumsüchtige Mutter sowie deren zwei erwachsene Söhne in einem Sommerhaus und offenbart in Form eines Enthüllungs-Psychodramas die schuldhafte Verstrickungen der einzelnen Familienmitglieder. Helmuth Lohner übernimmt in Wien die Rolle des Vaters, Ulli Maier spielt dessen Ehefrau. Michael Dangl tritt als jüngerer Sohn Edmund und Alter Ego des Dichters auf, Markus Gertgen ist der zweite Sohn Jamie, der in Vaters Fußstapfen treten wollte.
Risikoreicher Weg
"Das Stück ist gnadenlos in dem, was die Figuren einander antun", so Ulli Maier im Gespräch mit der "Wiener Zeitung": "Bis zur Selbstzerstörung sind sie aneinander gekettet." Die Rolle der Mary, die nach einer Entziehungskur erneut rückfällig wird, zählt seit langem zu den Wunschrollen der gebürtigen Wienerin mit geringem Suchtpotenzial: "Ich bin zwar Raucherin, tendiere aber nicht zu starken Süchten."
Bis auf wenige Gastauftritte in der Josefstadt (zuletzt: "Kap Hoorn", 2010) arbeitete die Schauspielerin, die sich als "Wienerin mit Leib und Seele" beschreibt, in den vergangenen Jahrzehnten vor allem in Deutschland; erste Adressen wie das Hamburger Thalia, das Münchner Residenztheater oder das Berliner BE gehören zu ihren Stammhäusern. "Eine gewisse Bewegungsfreiheit ist mir wichtig, der Beruf verlangt auch danach, dass man sich ständig mit Neuem konfrontiert, und ich wollte als Ensemblemitglied nicht Teil des verfügbaren Inventars werden. Aber dieser Weg ist auch anstrengend, risikoreich und familienfeindlich", räumt die Aktrice ein, die in Wien nicht nur einen ständigen Wohnsitz, sondern auch ihre Familie hat: "Ich habe viel Zeit in Nachtzügen verbracht."
Ulli Maier ist praktisch am Theater aufgewachsen. Ihre Eltern waren Tourneeschauspieler und sind noch bis in die 1960er Jahre zum Teil mit dem Wohnwagen von Ort zu Ort gezogen, um Volksstücke aufzuführen. "Das war ganz armes Theater, die ursprünglichste Form von Bühnenspiel", erinnert sie sich. Anfangs war ihre Familie über den Berufswunsch der Tochter keineswegs erfreut.
Tief schürfen
Doch die Aufnahme am Reinhardt-Seminar, das Debüt an der Josefstadt, die laufenden Engagements zerstreuten die Bedenken.
"Ich hatte Glück", stellt Maier rückblickend fest. "Es kann einem jedoch jederzeit passieren, dass man nicht mehr gefragt ist und aus der Kurve fliegt. Man muss sich mit jeder Rolle neu behaupten." Der jüngste Beweis ihres Könnens ist ab Donnerstag in der Josefstadt zu sehen: "Es ist eine aufreibende Figur, eine große Herausforderung, für die man tief schürfen muss."
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