
"Wiener Zeitung": Herr Ceylan, wenn Sie nur wenige Minuten Zeit hätten, um sich zu präsentieren, welchen Sketch würden Sie wählen und warum?
Bülent Ceylan: In diesem Fall würde ich keinen Sketch wählen, sondern mich als Bülent Ceylan präsentieren, um den Leuten zu zeigen, was für ein Mensch ich bin und welche Einstellungen ich vertrete. Die Menschen machen sich dann ohnehin ihr eigenes Bild von mir. Um mich als Komiker zu erleben, können sie ja in mein Programm kommen.
Das würde mich übrigens auch bei anderen Komikern interessieren. Deren Programm kann ich mir live oder auf DVD ansehen. Aber wenn ich sie in einer Talk Show sehe oder ein Interview lese, dann würde ich sie gerne ein wenig als Mensch kennen lernen.
Dann erzählen Sie uns doch über sich als Mensch.
Ich versuche, mit allen Menschen respektvoll umzugehen, mich selbst nicht zu ernst zu nehmen und auch über mich selbst zu lachen. Jeder Mensch ist gleich viel wert, egal wie er aussieht oder was er ist, wo er herkommt, ob behindert oder nicht behindert. Man sollte aufeinander zugehen und Vorurteile abbauen.
Mir ist es auch sehr wichtig, niemanden zu verletzen. In meinen Shows möchte ich die Zuschauer entertainen, auch einmal sticheln können, sie zum Nachdenken anregen, aber ich möchte sie nicht heruntermachen. Ich würde mich nie über ein Gebrechen lustig machen, das ist doch armselig. Da mach ich mich doch lieber lustig über Sex. Oder über diese extrem dünnen Magermodels, denn viele Teenager denken dann, sie müßten auch so aussehen, leiden unter ihrer vermeintlichen Unvollkommenheit, und hungern sich teilweise sogar zu Tode. Ich kann in dieser Hinsicht die Model-Industrie nur verurteilen. Eigentlich habe ich das Gefühl, dass ich mit meinen Grundsätzen nicht so falsch liege und dass viele diese teilen.
Haben Sie den Eindruck, dass die Probleme kleiner werden, wenn man über sie lacht?
Sie werden zwar nicht kleiner, man kann sie aber vielleicht manchmal für eine Zeit lang vergessen. Das tut den Menschen sichtlich gut. Ich bekomme sehr oft positives Feedback vom Publikum. Eine Zuschauerin erzählte beispielsweise von ihrem behinderten Kind, das ein Fan von mir ist und wie schön es sei, dass sie es wieder lachen sieht. Eine andere berichtete, ihre Mama sei gestorben und sie hätte sehr damit zu kämpfen. Sie lenke sich aber damit ab, dass sie sich meine Live-Auftritte und DVDs ansieht, wenn sie besonders traurig ist. Ich bin ja auch Pate vom Kinderhospiz Sterntaler, wo ich immer wieder Kinder sehe, die nicht mehr lange zu leben haben, aber wenigstens für einen Moment glücklich sind, wenn sie mich erkennen. Das ist das Schönste, was man als Künstler erleben kann. Da merkt man, man ist nicht nur Komiker, sondern auch eine Art Therapeut.
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