• vom 27.04.2012, 16:31 Uhr

Bühne

Update: 06.05.2013, 15:22 Uhr
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"Theater ist wieder politischer"


Von Petra Rathmanner

  • Schauspieldirektorin Stefanie Carp im Interview über globale Krisen, Protestenergien und neue Tendenzen.

"Wiener Zeitung": Die diesjährigen Festwochen starten am 11. Mai. Wie sehr sind Sie als Schauspieldirektorin in die Proben einzelner Produktionen eingespannt?

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Stefanie Carp: Involviert bin ich beispielsweise dadurch, dass ich Künstlern einen Auftrag gebe beziehungsweise sie einlade. Die Intensität der Zusammenarbeit ist dann unterschiedlich. Als Produktionsdramaturgin bin ich dieses Jahr an den Inszenierungen von Ulrich Seidl und Christoph Marthaler beteiligt.

"Es kann gar nicht genug Kultur geben" - und die Festwochen-Schauspieldirektorin Stefanie Carp sorgt dafür, dass in den kommenden Wochen Theatergeher gut beschäftigt sein werden.

"Es kann gar nicht genug Kultur geben" - und die Festwochen-Schauspieldirektorin Stefanie Carp sorgt dafür, dass in den kommenden Wochen Theatergeher gut beschäftigt sein werden.Christian Schnur "Es kann gar nicht genug Kultur geben" - und die Festwochen-Schauspieldirektorin Stefanie Carp sorgt dafür, dass in den kommenden Wochen Theatergeher gut beschäftigt sein werden.Christian Schnur

Das diesjährige Schauspielprogramm umkreist das Thema "Anatomie der Krise". Was wird da genau untersucht?

Die Konfliktlinien der derzeitigen und zukünftigen Verteilungskämpfe und wie sie sich auswirken auf die Gefühle, die Lebensformen, die Sprechweisen von Menschen. Es werden Arbeiten internationaler Künstler gezeigt. - Die Frage ist doch, ob der neoliberale Kapitalismus noch radikaler einen großen Teil der Menschen ausschließt? Oder ob ein Weg, der mehr Gleichheit und größere Teilhabe an den Ressourcen ermöglicht, gefunden wird. Natürlich thematisieren Künstler das nicht konkret. Sie thematisieren die biografischen Brüche, die persönlichen Niederlagen, die Sehnsüchte, den Verrat.

"Ich kann nicht mehr ausschließen, dass das 21. Jahrhundert nicht entgleist", so der Philosoph und Filmemacher Alexander Kluge, über dessen Werk Sie einst promoviert haben, kürzlich in einem "Spiegel"-Interview. Wie schätzen Sie die Lage ein?

Information

Zur Person

Stefanie Carp studierte Literaturwissenschaft und wurde in den 1990er Jahren eine der profiliertesten Dramaturginnen des deutschsprachigen Raums. 2000 übernahm sie mit Christoph Marthaler und Anna Viebrock die Leitung des Schauspielhauses Zürich. 2005 kuratierte sie erstmals das Schauspielprogramm der Festwochen, danach ging sie als Chefdramaturgin an die Berliner Volksbühne. Seit 2007 ist sie Schauspieldirektorin der Wiener Festwochen.

Mit diesen Fragen war bereits die Weimarer Republik befasst. Damals ist die Krise des Kapitalismus mittels totalitärer Systeme und Preisgabe der Demokratie gelöst worden. Krieg und Selektionen sind Auswege aus der Überproduktion. An neuem Rassismus fehlt es ja nicht gerade. Aber es entstehen auch neue Protest-
energien, wie die "Occupy-Wall-Street"-Bewegung beweist.

Ein Autorenkollektiv hat jüngst in der pamphletartigen Schrift "Kulturinfarkt" die Kulturförderungen der öffentlichen Hand heftig attackiert. Wie beurteilen Sie die darin getroffene Überlegung, die Hälfe aller Bühnen in Deutschland zu schließen?

Natürlich sind wir in Europa, was Kunst- und Kulturproduktion betrifft, besonders privilegiert. Aber Kultur war und ist identitätsstiftendes Merkmal dieses Kontinents. Es kann gar nicht genug Kultur geben, um den Wunsch nach einem anderen Zustand der Welt, die Sehnsucht nach anderem überhaupt zu wecken oder das Nachdenken zu initiieren zum Beispiel darüber, wie wir in Zukunft miteinander leben wollen.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-27 16:38:05
Letzte Änderung am 2013-05-06 15:22:16


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