• vom 04.05.2012, 15:46 Uhr

Bühne

Update: 04.05.2012, 16:41 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Das Theaterstück "Das Fremde" erlebte in der zweiten Wiener Integrationswoche seine Uraufführung

Warum das Fremde polarisiert


Von Fabian Kretschmer

  • Ein Schauspieler durchforstete zwecks Erarbeitung der Rolle serbische Lokale.

Negative Projektionen belasten auch die Ehe von Margarethe
(Danielle Elfaye) und Alexander (David Ketter).

Negative Projektionen belasten auch die Ehe von Margarethe
(Danielle Elfaye) und Alexander (David Ketter).
Negative Projektionen belasten auch die Ehe von Margarethe
(Danielle Elfaye) und Alexander (David Ketter).

Wien. Ein politisches Statement wollte er mit seinem Theaterstück "Das Fremde" nicht machen, sondern das Thema Integration ganz grundsätzlich betrachten, erzählt Marcus Josef Weiss der "Wiener Zeitung". Zurzeit wird sein Stück im Rahmen der zweiten Wiener Integrationswoche im Blackbox Theater aufgeführt. Ein "Beitrag zur Bewusstseinsbildung" sei sein Projekt, meint Weiss. Der 36-Jährige betrachtet Diversifikation und Integration sowohl als dunkelsten Schatten als auch als größte Chance des 21. Jahrhunderts. "In ganz Europa wird das Thema zurzeit sehr polarisierend diskutiert. Mich interessiert: Wo kommt das her? Und den Zusammenhang herzustellen: Was ist mein persönlicher Bezug dazu", fragt Weiss. Er kritisiert, dass es zu einem der dominantesten Gefühlsgewohnheiten heute geworden ist, Fremden mit Angst oder Hass zu begegnen.

Werbung

Insgesamt sechs Personen, allesamt archetypische Repräsentanten der Gesellschaft mit unterschiedlichem sozialen Hintergrund, werden im Laufe der Handlung gezwungen, sich dem Fremdartigen in all seinen Variationen zu stellen. So wird zum Beispiel ein vermeintlicher "Gutmensch" aus Österreich mit einem aus Serbien Zugezogenen konfrontiert und eine homosexuelle Frau trifft auf einen auf den ersten Blick chauvinistischen Mann. Die Themenpaare In- und Ausländer, hetero- und homosexuell, normal und abwegig, frei und gebunden werden symbolhaft in dem Theaterstück durchgespielt.

Reagieren die Charaktere anfangs noch mit Furcht und Aggression, so wachsen sie schließlich an der Begegnung mit dem Anderen. Sie stehen vor der Entscheidung: Einbindung oder Ausgrenzung? Häufig ist Unkenntnis der Grund für Ablehnung.

Tomas Nikolic etwa, ein junger Serbe, der erst seit kurzem in Österreich lebt, fühlt sich ausgegrenzt und rechnet auch von vornherein damit, als Ausländer immer ausgegrenzt zu werden. Ein österreichischer Freund ermutigt ihn dennoch, den Kontakt zu suchen. Im Café wird Nikolic daraufhin von einem Mädchen harsch zurückgewiesen. Er führt das auf sein Ausländersein zurück, dabei war sie gerade verärgert, weil jemand mit ihr Schluss gemacht hat. Im Gespräch klären beide das Missverständnis. Satirisch aufs Korn genommen wird die Integrationsdebatte in einem Gespräch zwischen zwei Frauen über ihre Rattenaufzucht. Ob sich die neue Ratte wohl integrieren wird, fragen sich beide.




1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-04 15:53:06
Letzte Änderung am 2012-05-04 16:41:06


Norma

Ungewöhnlich gewöhnungsbedürftig

Die Konkurrentinnen Adalgisa und Norma. - Salzburger Festspiele Am Ende wird der Horst der Freischärler, die Schule, von ihnen selbst abgefackelt. Die Matratzen und Schulmöbel werdend um Norma und Pollione... weiter




Rhein-Oper ist für Skandale mit Absetzung der Inszenierung gut

Der "Tannhäuser"-Skandal weitet sich aus

20130517tann - Foto: APAweb/Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf. Christoph Meyer, Intendant der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf, erfährt derzeit auf die harte Tour... weiter



Werbung




Beliebte Inhalte



Unvorstellbare Grausamkeit sollen Gottfried Helnweins Arbeiten oft erklären. - Julia Stix
  • Der Künstler über Mangel an Charisma, Kunst als Trophäe und ordinäres Wienerisch.
  • weiter

Mit dem "Ring" in Wien zum Erfolg: Franz Welser-Möst. - epa
  • Wie viele Arten es doch gibt, Richard Wagners 200. Geburtstag zu begehen.
  • weiter

Wafaa El Saddik: "Die Ägypter werden immer verlangen, dass Nofretete zurückkommt." - Foto: Robert Newald
  • Interview mit Wafaa El Saddik, der ehemaligen Direktorin des Ägyptischen Museums.
  • weiter

Ein Plakat zeigt Mohammed Assaf, der Star der Talentshow "Arab Idol" in West Bank bei Ramallah. - Reuters / Mohamad Torokman
  • Sänger Assaf feiert Erfolge in gesamtarabischer Castingshow
  • weiter

Georges Moustaki bei einem Auftritt in Frankfurt (1983). - APAweb / EPA/NABIL MOUNZER
  • Edith Piafs Welterfolg "Milord" stammt aus seiner Feder.
  • weiter

Chaim Miller bereut die Morde der Gruppe nicht, jedoch, "dass wir nicht mehr gemacht haben". - 3sat
  • TV-Dokumentation zeichnet das Leben des 92-jährigen Chaim Miller nach.
  • weiter

Nachdem sich mehrere Zuschauer, von den drastischen Bühnenvorgängen geschockt, sogar in ärztliche Behandlung begeben hatten, ersuchte Meyer den Regisseur, seine Inszenierung zu modifizieren. Kosminski lehnte ab. - Foto: APAweb/Deutsche Oper am Rhein
  • Bühnenvereins-Präsident Zehelein kritisiert scharf die Düsseldorfer Oper.
  • weiter

Unvorstellbare Grausamkeit sollen Gottfried Helnweins Arbeiten oft erklären. - Julia Stix
  • Der Künstler über Mangel an Charisma, Kunst als Trophäe und ordinäres Wienerisch.
  • weiter

Das Duo Daft Punk findet sein Glück in der Disco-Ära: "Lose yourself to dance!" - David Black
  • Auf "Random Access Memories" regiert der Disco-Sound von seinerzeit.
  • weiter

Am 22. Mai jährt sich der Geburtstag von Richard Wagner zum 200. Mal. Hier die Büste von Arno Breker in der Nähe des Festspielhauses in Bayreuth. - Foto: epa/Daniel Karmann
  • Auseinandersetzung mit Themen wie Individualismus, Außenseitertum und Aufarbeitung von Geschichte.
  • weiter






Werbung