
Wien. "Man darf nicht vergessen: Eigentlich bin ich für die Titus-Premiere hier", sagt Michael Schade. Und sagt das vielleicht auch ein bisschen zu sich selbst. Im Kopf des Mozarttenors spielt derzeit wohl eher nicht der Gedanke an die Staatsopernpremiere am Donnerstag die erste Geige. Am Abend darauf kommt es im nahen Burgtheater zu einer vokalen Großveranstaltung - mit Schade als Impresario. "Red Ribbon Celebration Concert" heißt der Abend, der schon am Tag vor dem Life Ball Geld für die Aids/HIV-Hilfe einspielen soll.
Angesichts der - zum Nulltarif arbeitenden - Stars dürfte sich das nicht schwer gestalten: Klassik-Könner wie Schade, Mojca Erdmann und Bernarda Fink bringen Lieder und Arien, Schauspieler wie Maximilian Schell und Antonio Banderas Texte zu Gehör, Al Jarreau und Randy Crawford liefern soulige Zwischentöne. Und dass die Wiener Philharmoniker erstmals bei einem Life-Ball-Event mitmischen, ist für Schade ein "Ritterschlag sondergleichen". Nicht zu vergessen freilich: Bill Clintons Präsenz.
"Leben retten mit Konzert"
Mit Clinton hat das Projekt auch begonnen. "Es gibt wenig große Persönlichkeiten, die im wirklichen Leben noch größer sind", schwärmt Schade. Im Vorjahr hat er Clinton kennengelernt - bei einer Benefiz-Auktion vor dem Life Ball. Beeindruckt hat ihn da nicht nur die Security-Armada rund um den US-Amerikaner ("Wie im James-Bond-Film!"), sondern vor allem die Organisation, die der Ex-Präsident gegründet hat: die Clinton Health Access Initiative. Die kämpft nicht zuletzt dafür, HIV-Medikamente in Afrika verfügbar zu machen, und ermöglicht Schwangeren in Sambia und Uganda (rund eine Million Menschen sind dort HIV-positiv), gesunde Kinder zur Welt zu bringen. Schade: "Für die Afrikaner kostet das ein Wahnsinnsgeld. Dabei ist es ganz einfach. Durch die Clinton-Initiative geht das alles - es ist ein Wunder."
Zwar konnte Schade seine Begeisterung auf der besagten Auktion nicht spontan in eine Spende ummünzen: Schon der Rufpreis des ersten Werks lag bei exorbitanten 50.000 Euro. Doch prompt hatte Schades Frau die Idee: "Warum trommeln wir nicht unsere Künstlerfreunde zusammen?" Und Clinton versprach, das Konzert mit seiner Präsenz zu adeln.
"Will nicht nur Sänger sein"
"Mit diesem Konzert können wir Kindern das Leben retten", sagt ein euphorisierter Schade, der schon im eigenen Umfeld "Wunder gesehen" hat: Seine Mutter hat zweimal Leukämie überlebt; der Pianist Irwin Gage wiederum, bereits auf 30 Kilo abgemagert, sei einer der ersten HIV-Infizierten gewesen, die einen Medikamenten-Cocktail erhielten. Für das Konzert hat das Ehepaar Schade ein ambitioniertes Ziel: 100.000 Euro will man einspielen. Die Planung sei entsprechend aufwendig, nämlich "wie für 20 Hochzeiten". Wobei Schade auch keine ganz typische Gala anpeilt. Statt einem Sammelsurium glamouröser Einzelauftritte peilt er (mit Regisseur Alexander Wiegold und Bühnenbildner Patrick Bannwart) so etwas wie eine Opern-Inszenierung an. "Ich bin ja jemand, der grundsätzlich nicht nur ein Sänger ist, sondern sich stark für Wien interessiert, menschlich und künstlerisch."
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