• vom 05.06.2012, 18:20 Uhr

Bühne

Update: 05.06.2012, 18:28 Uhr
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Volksoper zeigt ab Freitag "Madame Pompadour" mit Annette Dasch

"Kein Grund zum Fremdschämen"


Von Christoph Irrgeher

  • Dasch über bittere TV-Quoten, Pop und die Pflicht der Klassik, Flagge zu zeigen.

Anette Dasch in der Rolle der Marquise von Pompadour während einer Probe der Operette "Madame Pompadour". - APAweb /Schlager

Anette Dasch in der Rolle der Marquise von Pompadour während einer Probe der Operette "Madame Pompadour". APAweb /Schlager

Wien. Die Mutter? Schwirrt im Haus herum mit dem Säugling der Sängerin. Der Visumantrag für Japan? Flattert plötzlich während des Interviews herein. Und der nächste Journalist wartet draußen schon. Stressfrei war es nicht, als sich Annette Dasch unlängst auf ihre Tournee mit der Volksoper zurüstete. Aber dafür hat die deutsche Sopranistin Karriere und Familie unter einen Reisehut gebracht: Erstmals stand sie dann in Fernost mit Ehemann Daniel Schmutzhard auf einer Bühne. Im Interview spricht sie über Teil zwei der Volksopern-Partnerschaft, die Premiere von "Madame Pompadour" am Freitag, über bittere TV-Quoten-Erfahrungen und die Propaganda der Pop-Maschinerie.

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*********

"Wiener Zeitung": Erst eine "Lustige Witwe" in Japan, dann "Pompadour" in Wien: Ist das für eine Opernsängerin nicht Neuland?

Annette Dasch: Ich glaube, man muss nicht die ganze Zeit Operette singen. Die Stücke werden auch oft nicht so aufbereitet, dass mir als modernem Menschen klar wäre, warum man das spielt. Die "Pompadour" wird aber recht fetzig.

Das ist ja auch eine Berliner Schlageroperette aus den 20er Jahren.

"Du! Gefällst! Mir!": In "Madame Pompadour", erzählt Dasch, wird recht explizit geflirtet.

"Du! Gefällst! Mir!": In "Madame Pompadour", erzählt Dasch, wird recht explizit geflirtet.© Robert Newald "Du! Gefällst! Mir!": In "Madame Pompadour", erzählt Dasch, wird recht explizit geflirtet.© Robert Newald

Genau. Ich bin sehr gespannt, wie das Publikum hier reagiert. Die Wiener Operette ist voller Zwischentöne, da kann man ein Tränchen verdrücken. Bei dieser Operette gar nicht. Wenn da geflirtet wird, dann nicht hinterm Fächer, sondern eher: "Du! Gefällst! Mir! Komm mit!"

Die historische Madame de Pompadour hielt sich nicht zuletzt durch ihre Intelligenz als Mätresse von Ludwig XV. - in der Operette wirkt sie nymphomanieverdächtig.

Mein Mann hatte anfangs ein bisschen Sorge. Der hat das gelesen und gesagt: "Du spielst ja die totale Nymphomanin!" Doch man merkt auch in dieser Operette, wie intelligent die Pompadour ist. Als der König droht, sie fallen zu lassen, übergibt sie ihm den Schlüssel zum Aktenschrank. Das Erste, was er tut: zwei Dokumente falsch zu unterzeichnen. Ohne die Pompadour läuft nichts.

Sie müssen sich also nicht genieren?

Gar nicht. Man muss sich auch nicht fremdschämen in dieser Neuproduktion. Hinrich Horstkotte inszeniert viele Bewegungen wie choreografiert, fast stummfilmartig überzeichnet. Da wird nicht naturalistisch aneinander herumgegraben. Ich glaub, es ist eher lustig.




Schlagwörter

Annette Dasch, Volksoper, Operette

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-06-05 16:56:06
Letzte Änderung am 2012-06-05 18:28:23


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